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03.12.2015

14:34 Uhr

Der Anlagestratege

Deutschland, deine Schwächen

VonChristoph Bruns

Die deutsche Wirtschaft ist traditionell in der Industrie stark, so wie der deutsche Finanzsektor bei Zinsanlagen groß ist. Aber die Zukunftsfelder IT und Eigenkapitalkultur fristen ein Mauerblümchendasein.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Seit geraumer Zeit wird über die Schwäche der deutschen Wirtschaft auf dem Gebiet der Informationstechnologien geklagt. Zuletzt hatte sich sogar die Bundeskanzlerin hierzu besorgt zu Wort gemeldet. Veranschaulicht wird die Situation durch die Dominanz amerikanischer Anbieter auf diesem Gebiet.

Im Internet ist die Vorherrschaft amerikanischer Unternehmen für jedermann greifbar. Nahezu jedes Kind kennt und benutzt heute Google, Ebay, Amazon, Apple und Microsoft, um am digitalen Leben teilzunehmen. Was die Hardware angeht, so spielen auf diesem Feld asiatische Anbieter die vorherrschende Rollen. Europäische Hersteller besetzen bestenfalls Nischen und gehören selten zu den größten Anbietern.
Die deutsche Wirtschaft ist traditionell in der Industrie stark, so wie der deutsche Finanzsektor bei Zinsanlagen groß ist. Aber die Zukunftsfelder IT und Eigenkapitalkultur fristen in Deutschland ein Mauerblümchendasein. Augenscheinlich wird in Berlin gar nicht gesehen, dass die großen amerikanischen Erfolgsgeschichten im Bereich der digitalen Wirtschaft nur möglich waren und sind, weil die Finanzmärkte dafür die Eigenkapitalfinanzierung bereitstellen.

Amazon konnte, obwohl das Unternehmen bislang kaum jemals etwas verdient hat, so groß und damit dominant werden, weil die Aktienmärkte an das Unternehmen glaubten und es entsprechend finanzierten. Nicht anders sieht es bei Tesla, dem kalifornischen Hersteller von Elektroautomobilen aus, der ebenfalls noch nie Geld verdient hat. Doch inzwischen weist Tesla eine Marktkapitalisierung auf, die bereits fast halb so groß ist wie diejenige von VW. Und das, obwohl nicht einmal ein Zweihundertstel der Fahrzeuge produziert wird, die die Wolfsburger herstellen.

In Deutschland wären solche Entwicklungen angesichts einer tief verankerten, staatlich durchregulierten und steuerrechtlich gepflegten Eigenkapitalfeindlichkeit völlig undenkbar.

Vor einigen Tagen äußerte sich der Vorstandsvorsitzende von Airbus, Thomas Enders, dahingehend, dass Unternehmen in der Militärtechnik in Deutschland kaum noch zu betreiben seien. Das öffentliche Ansehen des Rüstungssektors sei in Deutschland dermaßen schlecht, dass der Standort Deutschland zunehmend ungeeignet sei, um solche Güter zu produzieren.

Kommentare (1)

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03.12.2015, 15:27 Uhr

Eine IT-Branche die sich auf eine schwankende Stromerzeugung und Versorgung mit Wind und Sonne verlassen muss, hat keine Zukunft.
Die IT braucht zuverlässige, sichere und zu jederzeit in jeder Höhe verfügbaren Strom im Millisekunden Takt und dies auch noch billigst.
All dies unter der Energiewende mit ihren markfteindlichen EEG nicht mehr in Deutschland gegeben.
Unsere zuverlässige und auf die Millisekunde genaue Stromerzeugung und Versorgung via Kraftwerkmixpark (Kohle, Gas und vor allen der Kernkraft) wird gerade per EEG politisch gewollt in den Mülleimer gestampft. Statt dessen bekommen wir eine Nicht Stabile Stromerzeugung und Versorgung mit der Energiewende in Form von Windmühlen und Solarparks per politischen und marktfeindlichen EEG aufdiktiert.
Solange die Energiewende mit ihren markfteindlichen EEG nicht abgeschafft ist, solange brauchen wir über eine IT Zukunft in Deutschland nicht spekulieren. Die Zukunft ist mit der Energiewende nämlich alles anderes als Gut.

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