Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2015

15:22 Uhr

Der Anlagestratege

Die Ankündigungsgouvernante Janet Yellen

VonChristoph Bruns

Auf die sich verzögernde US-Zinswende reagierten die Aktienmärkte zuletzt verschnupft. Denn Fed-Chefin Janet Yellen hält ihre Vorhersagen nicht ein. Ihre Begründung ist überraschend.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wie sich die Verhältnisse an den Finanzmärkten verkehrt haben, war unlängst einmal mehr zu beobachten, als die amerikanischen Aktienbörsen äußerst verschnupft auf die nicht eingetretene US-Leitzinserhöhung reagierten. Während Aktienmärkte für gewöhnlich erfreut auf niedrige Zinsen reagieren, war es diesmal gerade umgekehrt. Die ausbleibende Zinswende schürte Besorgnisse vor einer andauernden Konjunkturschwäche.

Der Überraschungseffekt speiste sich zudem aus dem Umstand, dass die Präsidentin der Federal Reserve Bank in Washington bereits seit mehr als einem Jahr in öffentlichen Vorträgen die große Leitzinswende für das Jahr 2015 ankündigt. Zuvor war bereits Frau Yellens Vorgänger Ben Bernanke dadurch aufgefallen, seine eigene Vorhersage einer Leitzinswende nicht eingehalten zu haben.

Tatsächlich hatte Bernanke vor Jahren angekündigt, die Leitzinsen dann anzuheben, wenn die US-Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt. Heute liegt die amtliche Arbeitslosenquote bei 5,1 Prozent und deutet – nach historischer Lesart – auf Vollbeschäftigung in der US-Ökonomie hin.

Derweil setzt Janet Yellen etwas andere Prioritäten als ihre Vorgänger. Auffällig ist die ständige Betonung der Lage auf dem Arbeitsmarkt, die sie nach wie vor für einigermaßen labil hält. Dabei bezieht sich die Notenbankchefin vor allem auf die stark gesunkene Partizipationsrate am Arbeitsmarkt sowie die äußerst verhaltene Lohnentwicklung seit zwei Jahrzehnten.

Entsprechend negativ fielen dann auch die Deutungen ihrer Unterlassensbotschaft aus. Nicht wenige Volkswirte und Analysten meinen, die Zögerlichkeit der Notenbank sei als Beleg eines strukturell schwachen Aufschwungs zu deuten. Das Wort von der säkularen Stagnation taucht in diesem Zusammenhang stets wiederkehrend auf.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Annette Bollmohr

01.10.2015, 15:35 Uhr

"Zwar fehlen überzeugende ökonomische Gründe für die Anhebung, die Psychologie gebietet es aber."

Darf man da jetzt eine leise Ironie herauslesen? Klasse!

G. Nampf

01.10.2015, 15:46 Uhr

Die Zinswende wird - unter irgendeinem Vorwand - auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden. Insofern braucht man das Gerede von Frau Yellen nicht weiter ernstzunehmen. Es ist einfach nur Gerede.

Wenn die FED oder die EZB die Zinsen anheben, dann fliegt unser Geldystem mit einem lauten Knall auseinander. Niemand hat ein Interesse an höheren Zinsen:

- die EZB nicht, denn die muß erst noch die europäischen Sparer enteignen (pardon: die Folgen der Finanzkrise bewältigen)

- die die Finanzmärkte nicht, denn alle sind in Aktien/-fonds investiert und haben kein Interesse an fallenden Kursen

- die FED nicht, denn die USA können die bestehenden Schulden - zu verschwindend geringen Zinsen- schon nicht zurückzahlen

Herr Thomas Müller

01.10.2015, 15:48 Uhr

"Tatsächlich hatte Bernanke vor Jahren angekündigt, die Leitzinsen dann anzuheben, wenn die US-Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent fällt. "

Nein, hat er nicht. Die Aussage war, auf keinen Fall zu erhöhen, so lange die Quote darüber liegt. Weshalb sollte man denn bei niedriger Inflation und damit ohne Not die Zinsen erhöhen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×