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20.11.2014

13:44 Uhr

Der Anlagestratege

Die cleveren Japaner

VonChristoph Bruns

Die Deutschen leugnen die Realität. Sie warten lieber auf eine Rückkehr auskömmlicher Zinsen, als ihr Vermögen in Aktien umzuschichten. Damit vergeben sie sich ihre Altersvorsorge. Da sind die Japaner schon weiter.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Viele Beobachter mögen sich die Augen reiben, aber es ist wahr, der riesige staatliche japanische Pensionsfonds, der bei der Bank of Japan angesiedelt ist, stellt seine Anlagestrategie radikal um. Künftig soll der Anteil von Zinsanlagen deutlich zugunsten von Aktien- und Immobilienfondsinvestments sinken.

Einheimische japanische Aktien sollen in der Zukunft zirka ein Viertel des Anlagevermögens ausmachen, während japanische Zinsanlagen von zuletzt 60 auf 35 Prozent zurückgeführt werden sollen. Die verbleibenden 40 Prozent sind für Investitionen in ausländische Aktien sowie sonstige Vermögenstitel gedacht.

Wir Deutschen können die Entwicklung nur mit allergrößtem Staunen zu Kenntnis nehmen. Zunächst ist sich nämlich zu vergegenwärtigen, dass es in Deutschland einen vergleichbaren nationalen Pensionsfonds gar nicht gibt. Stattdessen ist das deutsche Rentensystem durch den Generationenvertrag charakterisiert, demzufolge die derzeitigen Arbeitnehmer den heutigen Rentnern ihre Ruhegeldzahlungen leisten.

Trotz staatlich verordneter Rentenkürzungen und Lebensarbeitszeitverlängerung ist aber der demographische Wandel bereits im Begriff, dieses System zu unterspülen. Bereits heute muss ein Teil der Renten aus dem Steuertopf bezahlt werden. Rücklagen sind in Deutschland jedenfalls nicht gebildet worden, so dass kommenden Generationen unabwendbarer Kummer ins Haus stehen wird. Das Menetekel der Altersarmut geht um.

Jene privaten Ersparnisse, die zur Vorsorge für die Altersperiode gebildet wurden, sind durch die Dauerniedrigzinspolitik der EZB ganz überwiegend fehlallokiert, alldieweil sie zumeist in renditelosen Zinsanlagen gebunden sind. Und wenngleich die Notenbanken inzwischen seit mehr als sieben Jahren eine Niedrigzinsdiät verordnet haben, weigern sich die Bürger, aber auch die meisten institutionellen deutschen Anleger, dieser Entwicklung durch umschichtendes Handeln Rechnung zu tragen.

Aus den Statistiken der Bundesbank und des deutschen Aktieninstitutes sowie der Versicherungswirtschaft lässt sich deutlich herauslesen, dass eine Rotation von Zins- zu Aktienanlagen gar nicht oder bestenfalls in ganz geringem Umfang stattgefunden hat.

Hier zeigt sich auch, dass die nachhaltigen Konsequenzen der großen Finanzkrise noch gar nicht hinreichend verstanden worden sind. Es obherrscht nach wie vor der fromme Wunsch, die alten guten Zeiten möchten doch irgendwann wieder zurückkehren.

Kommentare (8)

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G. Nampf

20.11.2014, 14:15 Uhr

Herr Bruns,

seit Jahren werden die Aktienmärkte mit Luftgeld aus den Computern der Notenbanken versorgt und damit in vollkommen irreale Höhen getrieben, die nichts mit der eher schwächlichen Wirtschaftslage zu tun haben.

Warum soll ein Mensch mit Verstand in einer solchen vollkommen künstlichen Hausse sein Geld in Aktien/Aktienfonds investieren? Der Verlust ist vorprogrammiert.

Daß hier im HB permanent Aktien/Aktienfonds als einzig sinnvolle Kapitalanlage bejubelt werden, ist ein eindeutiger Kontraindikator. Er zeigt: dem Finanzsystem geht langsam aber sicher die Luft aus.

Herr Paul Mueller

20.11.2014, 15:19 Uhr

´"...der riesige norwegische Pensionsfonds bereits seit Jahren erfolgreich..."

Was der nette Herr Bruns verschweigt, ist, das dieser Fonds massgeblich von Einnahmen aus dem Ölgeschäft gestopft wird, und zwar regelmäßig. Deshalb nennt man ihn auch Ölfonds. Außerdem legt dieser Fonds fast ausschliesslich im Ausland an, die heimische Wirtschaft hat also davon nicht viel. Die Verwaltungs- und Managementkosten sind sehr niedrig, liegen bei 0,09 Prozent. Jetzt frage ich mich seit wenn wir in Deutschland Öl fördern und welcher Fonds so wenig Gebühren verlangt.
Das alles verschweigt der nette Herr Burns, der offensichtlich ganz uneigennützig Papier empfiehlt, und nur unser "Bestes" will ...

Herr Hans Kammerer

20.11.2014, 16:02 Uhr

Schon einmal daran gedacht, dass der Dax früher oder später auch mal wieder runterkommen muss ? Schon ein oder zweimal in der Vergangenheit beobachtet, dass sobald die Kleinanleger massiv umschichten und ihr Geld in Aktien stecken, die Institutionellen Gewinne mitnehmen und die Kurse auf Talfahrt gehen ?
Ein Zweifelhafter Artikel mit einer noch zweifelhafteren Absicht. Sehr schlecht !

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