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27.02.2014

14:36 Uhr

Der Anlagestratege

Die Deutschen ignorieren Anlagechancen

VonChristoph Bruns

Sehenden Auges sparen sich unsere Landsleute arm. Geradezu fremdartig mutet augenscheinlich für viele der Gedanke an, sich am Wachstum der Weltwirtschaft durch Aktienbesitz zu beteiligen. Doch das ist gefährlich.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Chemie- und Ölkonzern BASF hat am Dienstag sein Zahlenwerk vorgelegt. Dabei sprang neben der ordentlichen Profitabilität, über die sich die Aktionäre trotz stagnierendem Umsatz freuen dürfen, eine Aussage ins Auge, die wert ist, gesondert bedacht zu werden. Es wurde unter anderem ausgeführt, dass im laufenden Jahr erstmalig mehr als die Hälfte der Investitionen außerhalb Europas vorgenommen werden.

Genau diese Entwicklung ist bereits seit einiger Zeit charakteristisch für nahezu die gesamte Großindustrie Deutschlands. Ob Volkswagen, Fresenius Medical Care oder Bayer, überall ist es das gleiche konsistente Bild. Die international operierenden Unternehmen haben ihr Marktpotential im gesättigten und deshalb stagnierenden Deutschland weitgehend ausgeschöpft und müssen in Ländern und Regionen investieren, die ein größeres Wachstumspotential bieten. Da die Bundesrepublik angesichts der schlechten demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren nur ein schwaches strukturelles Wachstum erwarten darf, wird sich diese Tendenz künftig eher noch verstärken.

In diesem Zusammenhang ist es nicht ohne Interesse, einen Blick in das Aktionariat der BASF zu werfen. Wie sich dabei zeigt, liegt nur noch ein gutes Drittel der Anteilsscheine in der Hand deutscher Anleger. Überwiegend wird die BASF folglich von Ausländern besessen. Ihnen darf man zu ihrem Aktienengagement gratulieren, denn die BASF-Aktien haben sich in den letzten Jahren an der Börse recht vorzüglich entwickelt. Zugleich profitieren die BASF Aktionäre vom deutschen Exportmodell, woran sich zeigt, dass Eigentum und nicht Nationalität oder Standort der probate Weg zu Wohlstandsmehrung ist.

Umso beklagenswerter ist deshalb der Umstand, dass die deutschen Bürger nur ein geringes und in der Tendenz noch abnehmendes Interesse am Besitz von Unternehmensanteilen – sprich Aktien beziehungsweise Aktienfonds –  besitzen. Offenbar ist der Zusammenhang zwischen Wohlstandsgenerierung, Vermögensstatus und Wirtschaftsbeteiligung einem Großteil unserer Landsleute gar nicht geläufig. 

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