Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2015

11:35 Uhr

Der Anlagestratege

Die endlose Hausse

VonChristoph Bruns

Die Aktienrally läuft auch in diesem Jahr auf Hochtouren. Mangels Alternativen steigen immer mehr Käufer ein. Nur die deutschen Kleinanleger machen beim Boom nicht mit. Warum nur?

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Den Aktienbörsen der Welt ist ein Traumstart in das Jahr 2015 gelungen. Bereits nach wenigen Wochen liegen die meisten Aktienindizes in Euro gerechnet zweistellig im Plus. Keine Ausnahme macht dabei der Deutsche Aktienindex Dax, der seinerseits zuletzt kräftige Avancen aufwies und bereits zweistellig im Plus liegt. Es sieht sogar danach aus, als ob die europäischen Börsen, nachdem sie noch im Jahr 2014 am Ende der Wertsteigerungsranglisten lagen, in diesem Jahr der Meute vorweg laufen könnten.

Überraschend kommt diese Entwicklung freilich nicht, denn an den Zinsmärkten, wo seit Jahren der entscheidende Treibstoff für die inzwischen fast sechsjährige Börsenhausse der Aktienmärkte gehandelt wird, finden die Zinssenkungen kein Ende. Zu allem Überfluss kauf die Europäische Zentralbank jetzt monatlich für 60 Milliarden Euro weitere Anleihen.

Um das Ausmaß dieses Phänomens zu erfassen müssen sich die Anleger nur vergegenwärtigen, dass die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mittlerweile in allen Laufzeitbereichen der Zinsstrukturkurve unterhalb der entsprechenden japanischen Zinsen liegen.

Noch vor wenigen Jahren galt ein solcher Zustand als völlig unvorstellbar, ist doch Japan bereits seit Jahrzehnten mit der Unbill aus struktureller Wachstumsschwäche, Überalterung und Deflation geschlagen. Selbst für zehnjährige Bundesanleihen ist der nominale Zinssatz nunmehr fast bei Null angekommen.

Dasjenige Geld, welches heute in die Aktienmärkte strömt stammt aus dem Zinsmarkt und sucht händeringend – ja fast verzweifelt - nach höheren Anlagerenditen. Und solange die Nullzinsperiode anhält (in Europa dürfte das noch für viele Jahre der Fall sein), dürfte der Zustrom des Geldes in die Aktienmärkte anhalten, wenn nicht gar zunehmen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt die Beobachtung, dass die lange von vielen Analysten erwartete große Rotation heraus aus Zinsanlagen rein in die Aktien bislang und vor allem in Deutschland überhaupt noch nicht stattgefunden hat. Vielmehr belegen auch die jüngsten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) wie sehr die Deutschen eine Beteiligung an der Wirtschaft durch Aktien und Aktienfonds scheuen.

Wie den Zahlen des DAI zu entnehmen ist liegt die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer heute bei 8,4 Millionen Menschen und somit gut 10 Prozent der Bevölkerung. Man darf sich nicht über ein vermeintliches Aufgehen der Vermögensschere wundern, wenn nur 10 Prozent der Bevölkerung an den Gewinnen der Wirtschaft direkt beteiligt sind.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Markus Gerle

19.02.2015, 12:42 Uhr

Der Grund für die von Herrn Bruns beschriebene Misere ist doch klar. Das Land wird nun einmal von einer Politiker- und Beamten-Kaste regiert und gesteuert, welche zunehmend sozialistisch bzw. paternalistisch denkt. Zu allem Überfluss muss sich die Politiker- und Beamtenkaste nicht um ihren eigenen Wohlstand Sorgen machen. Sie müssen nicht vorsorgen, sondern lassen sich vom Steuerzahler alimentieren. Leute der Normalbevölkerung, die Vermögensaufbau betreiben, werden mit zunehmenden Vermögen freier. Und das mag der Staat nun einmal gar nicht. Die Normalbürger sollen nach Vorstellung dieser Kaste ein Gehalt bekommen, von dem der überwiegende Teil an den Staat geht, da der Staat besser weiß wie mit dem Geld umzugehen ist. Dieses Denkschema konnte ich am eigenen Leib spüren, als ich mich selbständig machte. Ich habe nun kein Gehalt mehr, sondern einen Gewinn. Und Gewinn ist böse. Glücklicherweise habe ich schon im letzten Jahrtausend meine erste Aktie gekauft und bin dabei geblieben. Die Buchgewinne der letzten drei Jahre finde ich inzwischen schon fast unheimlich. Aber natürlich sind auch diese Gewinne böse.
Sehr schön hat dies Marc Faber auch hier im HB ausgedrückt, was ich nur etwas anders wiedergebe. Die sozialistischen Parteien (wir haben im Parlament nur noch sozialistische Parteien) entwerten Arbeitseinkommen immer mehr durch eine extreme Besteuerung und durch die Zustimmung zu einer Politik der Währungsabwertung. In der Folge steigen Vermögenswerte, wovon nur die Cleveren profitieren. Ich frage mich daher, warum heutzutage noch Leute, die nicht vom Steuerzahler alimentiert werden, diese Parteien überhaupt noch wählen.

Herr Carlo Scholz

19.02.2015, 13:08 Uhr

Bei Allzeithoch kommen immer die Börsenratten aus den Löchern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×