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19.12.2013

16:14 Uhr

Der Anlagestratege

Die Fed, die sich selbst bejubelt

VonChristoph Bruns

Die US-Notenbank Fed schlägt nicht nur einen neuen geldpolitischen Kurs ein – sie feiert am Montag auch ihren 100. Geburtstag. Vor lauter Jubellaune geht allerdings unter, wer unter ihrer Machtfülle gelitten hat.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit der Auslösung eines Kursfeuerwerks hat die Fed gestern ihren anstehenden einhundertsten Geburtstag eingeleitet. Und ein rauschendes Fest könnte es werden, wenn die Fed am 23. Dezember ihr rundes Bestehen begießt, wiewohl sich der Tag vor dem heiligen Abend - wie schon bei der Gründung der Fed damals - nur geringer öffentlicher Aufmerksamkeit erfreuen dürfte.

Amerikas Finanz- und Politelite hat indes allen Grund zur wuchtigen Zelebration des Jubiläums. Alle großen und damit systemrelevanten Banken Amerikas stehen finanziell wieder glänzend da und der klamme Finanzminister Jacob Lew darf sich über einen üppigen Scheck aus der Fed freuen.

Besser noch: Angesichts akkumulierter zinstragender Vermögenswerte von ungefähr 4.000.000.000.000 (vier Billionen) Dollar kann der amerikanische Haushalt auf Jahre hinaus saftige Zuweisung durch die Fed einplanen. Die Fed ist fürwahr ein herrlicher Geldesel, der erstens die turmhohen Schulden des Landes zu einem ansteigenden Teil finanziert und zweitens die daraus entstehenden Zinserträge zur Reduzierung des Haushaltsdefizits beisteuert. Und solange die Landeswährung US-Dollar darunter nicht leidet (warum sollte sie?) kann die gegenwärtige Notenbankpolitik dauerhaft fortgeführt werden. Ein treffliches Husarenstück!

Gewiss wird man während der Geburtstagsfeier nicht versäumen, dem amtsmüde gewordenen Chef der Fed, Ben Bernanke, würdig für seine heroischen Bankenrettungen zu danken. Schon heute ist gewiss, dass Bernanke einen prominenten Platz in den Wirtschaftsgeschichtsbüchern einnehmen wird angesichts der bis Mitte 2008 noch völlig unvorstellbaren und unorthodoxen Rettungsmaßnahmen. 

Die privaten Besitzer der habstaatlichen Fed (sie bekommen die Garantiedividende von sechs Prozent, der darüber hinausgehende Gewinn geht an das Finanzministerium)  haben also allen Anlass, ihrer Bank und ihrem scheidenden CEO am 23. Dezember zu gratulieren. Ohne die Fed wären die meisten Eigentümer der Fed, die privaten Banken der USA, während der Krise 2008-2009 in den Bankrott gegangen. Dann aber schlug bekanntlich die bislang größte historische Stunde der Fed und unter Missachtung des vormals gepredigten Marktwirtschafts-Katechismus wurde die Mutter aller Bankenrettungen ins Werk gesetzt.

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