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21.11.2013

14:14 Uhr

Der Anlagestratege

Die Konfusion der Fed

VonChristoph Bruns

Die US-Notenbanker verwirren die Märkte. Zuerst wollten sie die Anleihekäufe mittelfristig reduzieren. Dann doch nicht so schnell. Jetzt offenbar zügiger als zuletzt verlautbart. Was hinter dem Schlingerkurs steckt.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Noch Mitte des Sommers hatte die amerikanische Notenbank Fed verlauten lassen, über die Reduzierung ihrer kolossalen Anleihekäufe im September nachzudenken. Entsprechend nervös hatten Zins- und Aktienmärkte das Vokabular goutiert. Nicht anders war es gestern, als die veröffentlichten Fed-Protokolle ins gleiche Horn stießen.

Zwischenzeitlich drangen aber ganz andere Töne aus der halbstaatlichen Fed an die Öffentlichkeit. Der scheidende Notenbank Präsident Ben Bernanke, der sich durch seine beispiellosen Marktstimulierungen und für den im Notfall (Deflation) angedrohten Bargeldabwurf aus Hubschraubern den Spitznahmen Helikopter-Ben zugezogen hat, musste schmallippig die weitgehende Wirkungslosigkeit seiner geldpolitischen Maßnahmen eingestehen.

Vor allem der amerikanische Arbeitsmarkt ist nach wie vor strukturell schwach. Zu viele arbeitsfähige Amerikaner haben wegen Aussichtslosigkeit die Suche nach einem Arbeitsplatz eingestellt. Das billige Geld hat vor allem dem Staat, dessen Zinsbudget mit den fallenden Zinssätzen drastisch gesunken ist, und den Banken, die ihre Eigenkapitalpuffer durch die konstruktive Zusammenarbeit mit der Fed deutlich gestärkt haben, genutzt. Gewiss hat auch der Immobilienmarkt von den Niedrigzinsraten profitiert.

Eher enttäuschend ist hingegen die Ankurbelung von privaten Investitionen ausgefallen. Gut gesteuerte Unternehmen haben stattdessen vielfach die Gunst der niedrigen Zinsen genutzt und zinsmagere Anleihen ausgegeben, um eigene Aktien zurück zu kaufen. Auch die deutsche Siemens AG hat diesen Weg richtigerweise beschritten.

Das ist konsequent und gut für die Aktionäre; dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaft bringt das jedoch nicht viel. Welch ein ökonomisches Glück für Amerika, dass das Land seither zum größten Förderer von Öl und Erdgas in der Welt aufgestiegen ist. Reindustrialisierungstendenzen kaschieren seither die fortbestehenden Strukturdefizite.

Aber anstatt von einer unwirksamen geldpolitischen Maßnahme Abstand zu nehmen wird sie nolens volens weiter verlängert. Kritiker haben hierzu angemerkt, der US-Notenbankpräsident verhalte sich wie der Zauberlehrling in Goethes gleichnamigen Gedicht. Eine solche Entwicklung passt in das postmoderne Bild der ökonomischen Wissenschaften und vor allem der Fed. Weder die Vertreter der Volkswirtschaftslehre noch die Fed hatten vor der Subprime-Krise wesentliche Probleme und schon gar keine Exzesse am US- Immobilienmarkt feststellen können.

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