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02.10.2014

13:37 Uhr

Der Anlagestratege

Die Schweiz ist zu beneiden

VonChristoph Bruns

Ihren Bürgern räumt die Schweiz hohe Freiheitsgerade ein, verfügt über eine starke Währung und ein Hort des Wohlstandes und der Selbstbestimmtheit. Auch wir Aktienanleger schauen mit Bewunderung gen Süden.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Es ist schon bewundernswert, wie prinzipienstark die Schweiz bei Abstimmungen ist. Jüngst stand die Frage zum Volksentscheid aus, also ob die Schweizer eine einheitliche staatliche Krankenkasse als Grundabsicherung wünschten. Mit deutlicher Mehrheit haben die Eidgenossen dieser Initiative eine klare Absage erteilt. Damit bleibt es beim Wettbewerbsprinzip unter den privaten Krankenkassen, die sich durch Leistung für den Bürger qualifizieren müssen.

Somit bleiben die Schweizer sich selbst treu, indem sie den Versuchungen der Zentralisierung und Verstaatlichung widersagen. Stattdessen wissen sie aus Erfahrung allzu genau, dass Wettbewerb zwar nicht problemfrei ist, im Zweifel aber zu besseren Leistungen und günstigeren Preisen für die Bürger führt. Gewarnt sind sie hinreichend durch die Entwicklungen der Euro-Zone, wo man Steuerwettbewerb ausschalten und Einheitslösungen wie bei der Währung implementieren möchte.

Insofern bleibt die Schweiz ein Bollwerk an Eigenständigkeit, Bürgerbeteiligung, Marktwirtschaft und Subsidiarität in Europa. Allen Neidern zum Trotz hat sich die Schweiz in den vergangenen 100 Jahren zu einem wirtschaftlich starken Land mit großem Wohlstand, sehr guten Sozialsystemen und vergleichsweise niedrigen Steuern entwickelt. Damit bleibt Helvetien ein Dorn im Auge der Europäer in Brüssel. Dort nämlich hält man weit weniger von staatlichen Alleingängen, niedrigen Steuern, starkem Föderalismus und  permanenter Bürgerbeteiligung.

Dennoch müssen gerade wir Deutschen dankbar sein für das Beispiel, welches die Schweiz abgibt. Es zeigt uns allzu deutlich, dass es Alternativen zur bislang verfolgten Staatsräson in Berlin gibt. Ein Verbund mit der Schweiz ist gegebenenfalls klüger als die permanente Anbiederung gegenüber Frankreich, das sich ungeachtet seines offensichtlichen Abstieges nach wie vor als „grande nation“ wähnt.

 

Kommentare (3)

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Herr Werner Vollmer

02.10.2014, 14:40 Uhr

Ich habe die Schweiz schon immer bewundert, ob ihrer Fähigkeit weit mehr an Demokratie zu leben als es Deutschland je gewagt hätte. Mit Frau Merkel als Bundeskanzlerin ist der Demokratie-Index von Deutschland noch weiter gesunken. Sie kann halt ihre Erziehung in der DDR nicht einfach ablegen. Mit demokratischen Grundsätzen hat sie nicht viel am Hut. Die Historiker werden das aufarbeiten und uns entsprechend belehren. Allerdings zu spät.

Herr Stubenkastl Johann

02.10.2014, 15:59 Uhr

Die Schweiz wird untergehen, weil sie sich nicht der EU unterworfen hat. Nur viel, viel spaeter als die EU ;-)

Herr Marcus T.

02.10.2014, 16:47 Uhr

Richtig, viel viel, viiiiiiel später...
Und bis dahin würde ich die Aussagen von Hr. Bruns bzgl. Demokratie, Volksabstimmungen, gesunden Menschenverstand, Subsidiarität in Bezug auf die Schweiz 1:1 unterschrieben - und mir wünschen dass sich Deutschland und die EU auch nur einen Teil davon abschauen (wobei ich diese Hoffnung schon so gut wie aufgegeben habe...)

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