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26.11.2015

13:54 Uhr

Der Anlagestratege

Die Tücken der Globalisierung

VonChristoph Bruns

Nirgendwo zeigt sich der Wandel der Zeiten so deutlich wie an der Sprache. Die Amerikanisierung ist nicht aufzuhalten. Mit der Verwässerung der Sprache geht auch die Verwässerung der Identität einher.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Getrieben wird der scheinbar unaufhaltsame Prozess durch die Wirtschaft, wo das amerikanische Idiom sich zügig Bahn bricht. Heute sitzt der sich modern gerierende Manager im Meeting, wo er die Basics bespricht, die er zuvor downgeloaded hat. Wer durch die Innenstädte promeniert, wird unweigerlich die vielen englischsprachigen Geschäftsnamen wahrnehmen, die ihrerseits mit Sale- und Reduced-Schildern aufwarten. Shopping soll eben Fun sein. Dies ist keineswegs ein vorauseilendes Einstellen auf die künftige Flüchtlingskundschaft, die des Deutschen ohnehin kaum mächtig sein dürfte, sondern vielmehr ein seit vielen Jahren bekannter Trend.

Wenngleich die Wirtschaft Vorreiter der genannten Entwicklung ist, sind jedoch Ausbreitungserscheinungen seit langem unübersehbar. Universitäre Ausbildungsgänge sind inzwischen dem amerikanischen Bachelor- und Mastersystem angeglichen worden. Nicht wenige Vorlesungen werden mittlerweile in Englisch vorgetragen. Man wird es noch erleben, dass über Immanuel Kant nur noch in englischsprachigen Veröffentlichungen disputiert wird.

Als Transporteure dieses Schindluders spielen die Medien eine besonders beklagenswerte Rolle. In Fernsehen und Radio hat es sich bereits eingebürgert, englische Begriffe unreflektiert zu verwenden und dann noch die deutsche Übersetzung mit einem vorgeschalteten „also“ zu verbreiten. Etwa so: In Griechenland sollen während der derzeitigen Flüchtlingskrise Hot Spots, also Auffanglager, eingerichtet werden.

Zuletzt musste ich schmunzeln, als ich im Deutschlandradio einen Bericht über die „Her Career“ Messe, eine Karrieremesse für Frauen, vernehmen durfte. Dabei bin ich am meisten fasziniert von dem Widerspruch, der darin liegt, angesichts eines latenten Antiamerikanismus in Deutschland die Sprache dieser Kultur so gedankenlos und geradezu vorauseilend zu adoptieren. So wie es ein Kompliment für Deutschland ist, dass dieses Land bei den Flüchtlingen der Welt höchste Beliebtheit genießt, ist es für die amerikanische Kultur eine Huldigung, ihre Sprache und Umgangsformen eilfertig nachgeäfft zu sehen.

Man darf nicht glauben, es handele sich dabei um einen temporären Jugendeifer oder geradezu Protest. Wer Augen hat zu sehen und Ohren hat zu hören wird dem Phänomen auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in allen Altersklassen und Bildungsschichten begegnen.

Kommentare (1)

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Herr Ingo Ulrich

27.11.2015, 08:56 Uhr

Der Kabarettist Chin Meyer als Gast bei Markus Lanz, erklärte kurz und treffend die kranke Finanzwelt!
Auf Youtub leicht zu finden !
Bei einigen Kommentaren verwende ich ich immer die Bezeichnung > kranke Gehirne< , das ist damit gemeint wie u.a. Finanz-"Anlagen" entwickelt werden !
Diese Erklärung von Chin Meyer hilft auch heranwachsende und zukünftige Finanz-Anlagen-Besitzer !

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