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17.10.2013

08:25 Uhr

Der Anlagestratege

Die US-Einigung ist eine echte Lachnummer

VonChristoph Bruns

Die Staatsschulden in den USA werden weiter erhöht, wie stets in der Vergangenheit. Und der nächste Akt im US-Haushaltsstreit könnte schon Anfang 2014 aufgeführt werden.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Eine großartige Inszenierung, die Hollywood alle Ehre gemacht hätte, ist gestern in Washington zu Ende gegangen. Alle Elemente, die ein Drama spannend machen, waren in Fülle vorhanden. An Helden hat es ebenso wenig gefehlt wie an tragischen Figuren. Von Katastrophe wurde nicht minder häufig gesprochen wie von Rettung. Retardierende Momente gab es immer dann, wenn der Zuschauer geneigt war, ein rasches positives Ende des Dramas vor Augen zu haben. Gute und Böse haben ihren Antagonismus offen ausgetragen, und der entscheidende Wendepunkt wurde für den letzten Akt aufgespart. Schließlich ist es doch zu einem Happy End gekommen.

Man tut indessen gut daran, derartige amerikanische Schauspiele so zu betrachten, wie es die Finanzmärkte in den letzten zwei Wochen taten. Dort wurde der Hauptstadtzirkus angesichts des voraussehbaren Endes mit gähnender Langeweile quittiert. Von Katastrophe überhaupt keine Spur. Im Gegenteil: Die Aktienmärkte haben kaum eine Verschnaufpause nach der kräftigen Sommerrally einlegen können, da schicken sie sich bereits wieder an, Allzeithöchststände anzusteuern. Und der Bondmarkt, um den es bei einer Staatspleite zunächst einmal geht, zeigte ebenfalls nur ein müdes Lächeln angesichts der aufgeplusterten Politikerversuche, durch Budget-Harlekinaden etwas Aufmerksamkeit für den nächsten Wahlkampf zu erheischen. 

Schaut man sich also an, zu welchen revolutionären Beschlüssen sich die Volksvertreter Amerikas nunmehr durchgerungen haben, dann offenbart sich der Charakter des Ganzen als veritable Lachnummer. Die Staatsschulden werden, wie stets in der Vergangenheit, weiter erhöht, und die Verwaltung des Landes darf wieder an die Arbeit gehen. Zur Garnierung hat man noch die Weisheit besessen, diese Resultate nur bis Anfang des kommenden Jahres gelten zu lassen. Dann möchte man das gleiche Stück von neuem aufspielen. 

Noch Anfang dieser Woche hatte US-Präsident Barack Obama mit scharfem Blick darauf aufmerksam gemacht, dass ohnehin nicht etwa die amerikanischen Politiker über den Fortgang der US-Haushaltsdebatte entscheiden würden, sondern allein der Anleihenmarkt. Selten hat eine Feststellung den Nagel so präzise auf den Kopf getroffen. Mögen es zwar de jure die Volksvertreter sein, die über Haushaltspläne und Schuldengrenzen abstimmen; de facto aber wird der Regiestock der amerikanischen Politik an den Finanzmärkten und in Sonderheit am US-Bondmarkt geschwungen. 

Der Markt für amerikanische Staatspapiere ist seit Jahren riesig, liquide, haussierend und zudem künstlich gesteuert. Wichtigster Marktteilnehmer am Zinsmarkt ist die private New York Fed, die für das amerikanische Notenbanksystem Fed die Markttransaktionen durchführt. Die Fed ist mit einer Bilanzsumme von gut 3.800.000.000.000 Dollar inzwischen der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten und hat in dieser Rolle China, das seinerseits vor Jahren seinen asiatischen Nachbarn Japan beerbte, hinter sich gelassen.

 

Kommentare (9)

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Bodenstaendiger

17.10.2013, 08:50 Uhr

Lieber Herr Bruns, danke für diesen exzellenten Artikel, der sich in seiner Klarheit wohltuend vom Einheitsbrei der "Nachplapperer" in den Medien abhebt. Endlich mal eine Stimme der Vernunft!

Account gelöscht!

17.10.2013, 08:55 Uhr


Schau ich mir die Verschuldung einzelner Bundesstaaten an, rechne noch zukünftige offene Verpflichtungen im Pensions-/Medicalcaresystem hinzu, erreichen meine geliebten US Boys gigantische Verschuldungspapierwerte. QE bleibt deshalb weiterhin erste Rettungspflicht. Na denn, die Texaner lassen nicht locker und Utah schwingt bald Mormonenäxte.
China grinst sich einen über derartige Entblößung/Gesichtsverlust.
Obwohl, Draghi-Europa kopiert kräftig und frohen Mutes seine "Hill-Billies in Law".

G4G

17.10.2013, 08:57 Uhr

Ja eine Lachnummer ! aber nur für den der wirklich schwarzen Humor hat.
Die USA waren bis heute pleite und sind ab morgen noch pleiter ! (pleite, pleiter, am pleitesten, USA müsste die neudeutsche Steugerung lauten)
Die Chinesen und Saudis schichten um. Die USA haben sich übernommen und der Chrash kommt über Nacht. Genau dann, wenn keiner darüber schreibt.
Lehmann war dann jedoch ein Kindergartenfest.
Dieses Spielchen der US-Politiker kann und wird nicht endlos laufen können. Münchhausen konnte sich ja auch nicht am eigenen Schopf aus dem Schlam ziehen...

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