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10.12.2015

15:29 Uhr

Der Anlagestratege

Eine bittere Quittung

VonChristoph Bruns

Mario Draghi lieferte weniger als erwartet und verstimmte die Aktienmärkte. Möglicherweise sind es aber auch ganz andere Gründe, die für die jüngste Unruhe an der Börse sorgten. Die Nervosität ist groß.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat abermals Wort gehalten und seinen Ankündigungen zu sinkenden Zinsen und ausgeweiteten Anleihekäufen Taten folgen lassen. Dieses Mal aber haben es ihm die Finanzmärkte nicht mit einem Kursfeuerwerk sondern mit fallenden Notierungen gedankt. Immerhin sorgte er zugleich auch für die Zukunft vor, indem er weitere zusätzliche Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht stellte.

Wer wollte es dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) übel nehmen, wenn dieser sich über den Undank der Märkte als Quittung für die jüngsten Lockerungsmaßnahmen der Notenbank beschwerte. Immerhin gilt seit Jahren, dass sowohl die Bond- als auch die Aktienmärkte sich keinen besseren Freund in Europa vorstellen können als eben den rührigen Chef der EZB. Nicht anders ist es ja auch in Nordamerika, wo zunächst Ben Bernanke und seit einiger Zeit auch Janet Yellen die Definition einer Notenbank-Taube zu ganz neuen Höhen geführt hat.

Freilich könnte man auch meinen, Mario Draghi sollte sich erst gar nicht um die Aktienmärkte kümmern. Tatsächlich zeigte er ja auch in der Vergangenheit keinerlei Tendenzen, ein Freund der Aktienkultur zu sein. Der Ex-Goldman Sachs Banker beharrt geradezu stoisch darauf, ausschließlich an der von ihm gefühlten Deflationsfront tätig zu sein.

Nebenbei lässt sich feststellen, dass er hier wohl nicht ganz alleine kämpft. Denn wie zuletzt zu lesen war, kaufen auch andere Europäische Notenbanken, allen voran jene Italiens und Frankreichs, unter einem bislang weitgehend unentdeckt gebliebenen Programm seit Jahren eigene Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Zugleich hört man es in der neuen Notenbank-Hauptverwaltung in Frankfurt am Main nicht gerne, wenn jemand sich erdreistet, derartige Anleihekäufe als Staatsfinanzierung zu titulieren. Solche Unbill ist nachvollziehbar, denn Staatsfinanzierung durch Anleihekäufe ist ja nach den Verträgen zum Euro verboten.

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