Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2014

15:36 Uhr

Der Anlagestratege

Eine Rätselfrage zu Staat und Wirtschaft

VonChristoph Bruns

Die Steuereinnahmen sprudeln in Deutschland wie nie zuvor. Und der Staat ist bei immer neuen Schröpfungen der Bürger kreativ. Dabei wäre es an der Zeit, die Geldanleger endlich zu entlasten.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Heute wollen wir den ökonomischen Informationsstand der Leser von Handelsblatt Online testen. Hier die Frage, bei der drei Auswahlmöglichkeiten zur Beantwortung vorgegeben werden:

Welche deutsche Größe befindet sich auf einem Höchststand?
A) Reallöhne
B) Dax Index
C) Steuereinnahmen

Kundige Leser werden in Antwort C sogleich die richtige Lösung erkannt haben. Ist es nicht auch erfreulich, dass unser Staat mit üppig sprudelnden Einnahmen gesegnet ist? Außerdem braucht der Staat steigende Steuereinnahmen, denn die Ausgaben steigen ja ebenfalls kräftig und per Saldo kommt jedes Jahr seit Jahrzehnten eine Nettoneuverschuldung dabei heraus.

Aber unser listiger Staat hat mit der PKW-Maut und der Finanzmarkttransaktionssteuer schon neue Einnahmemöglichkeiten ins Visier genommen und tut dabei so, als hätte er nicht ein Ausgaben- sondern ein Einnahmenproblem. Auch das Prinzip der Diversifikation versteht unser Staat vorzüglich.

Es ist schon beeindruckend, wie der Staat die tendenziell gesunkenen Lohnsteuer- durch kräftige Mehrwertsteuereinnahmen und andere indirekte Steuern überkompensiert hat. Insofern hat der Staat unter der schwachen Reallohnentwicklung im Gegensatz zu den abhängig Beschäftigten gar nicht sehr gelitten. Dabei soll von der kalten Progression gar nicht weiter geredet werden. Und von den seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsen profitiert er ebenso im Gegensatz zu den braven deutschen Zinssparern ganz zünftig.

Man darf also die Phantasie und Schlauheit der Obrigkeit bei der Schröpfung seiner Bürger keinesfalls unterschätzen. Der jüngste Vorschlag einer neuen Sonderabgabe für die Straßensanierung ist eine Unverfrorenheit und passt ganz gut in dieses Bild. Im Übrigen geschieht alles zum Besten der Untertanen und Sparen ist ohnehin eine Tugend für Spießer.

Wesentlich schlechter ist es den Lohnbeziehern in Deutschland ergangen. Die Reallöhne liegen unter dem 1995 erreichten Hoch und tendierten im letzten Jahr leicht abwärts. Per Saldo lässt sich sagen, dass die Reallöhne in Deutschland seit zwanzig Jahren stagnieren.

Auch beim Deutschen Aktienindex Dax ist die Lage viel weniger rosig als sie bei den Steuereinnahmen ist. Der Dax ist ein gutes Stück davon entfernt, einen Höchststand vorzuweisen. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass der in der Öffentlichkeit häufig verwendete Dax ein Performanceindex ist, der die Dividendenzahlungen der in ihm vertretenen Gesellschaften mit in den Indextand einrechnet.

Blickt man hingegen auf den reinen Dax Kursindex, dann zeigt sich, wie ellenweit die Kurse der deutschen Großunternehmen von alten Hochs entfernt sind. Trotz der letzten guten Börsenjahre steht der Dax Kursindex noch zwanzig Prozent unter seinem historischen Höchststand. Selbst das Vorkrisenniveau 2007 hat er bislang noch nicht wieder erreicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×