Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.12.2014

15:52 Uhr

Der Anlagestratege

Einmal mehr, es lebe die Schweiz!

VonChristoph Bruns

Vermögende können aufatmen: Auch weiterhin dürfen sie ihren Wohnsitz in die Schweiz verlagern, und zahlen dabei unschlagbar wenig Steuern. Ein kluges Votum der Eidgenossen. Die liberale Einstellung führt zu Wohlstand.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die wahre Liberalität ist Anerkennung. So hat es Goethe in seinen Maximen und Reflexionen zu Papier gebracht. Einmal mehr haben die Schweizer gezeigt, wie liberal ihre Gesinnungen sind. Vor allem bei der Frage der Besteuerung von Ausländern, die nicht in der Schweiz arbeiten, wurde das traditionell feine eidgenössische Gespür für vernünftige Lösungen getestet. Im Resultat widersetzten sich die eidgenössischen Wähler dem aus den Nachbarländern bekannten Impuls zur Gleichmacherei.

Sie erkennen die Vorteile, die der Zuzug vermögender Ausländer, die kein Arbeitseinkommen aus der Schweiz beziehen, für das Land bietet. In Deutschland wäre eine solche Liberalität nicht vorstellbar, denn jene, die auch das Ungleiche gleich behandeln wollen, dominieren die politische Landschaft. Insgesamt bleibt die Schweiz gesegnet mit niedrigen Steuern für In- und Ausländer, einer hochwertigen Infrastruktur und funktionierender effizienter staatlicher Verwaltung von der Kommune bis zur Bundesregierung.

Auch beim Zuzug von Ausländern konnten sich im Referendum des letzten Sonntags die liberalen Kräfte durchsetzen. Wenngleich kaum ein Land in Europa so viele Ausländer beheimatet wie die Schweiz, wird sich das Land künftig nicht weitgehend abschotten. Angesichts der demographischen Herausforderung, die auch vor der Schweiz nicht Halt macht, spricht aus dem klaren Abstimmungsergebnis großer ökonomischer Sachverstand. Ohne den Zuzug qualifizierter Ausländer wird die Schweiz ihren hohen Lebensstandard in den kommenden Jahrzehnten nicht halten können.

Im Rennen um sehr gut ausgebildete junge Immigranten hat die Schweiz damit alle Trümpfe auf ihrer Seite. Ein hoher Lebensstandard und eine niedrige Abgabenquote heben die Schweiz gegenüber den Nachbarländern deutlich empor. Gut ausgebildete Deutsche stellen seit Jahren  die größte Einwanderergruppe in der Schweiz dar und stimmen geradezu mit den Füßen über die Vorzugswürdigkeit beider Länder ab. Umgekehrt ist der Drang der Schweizer, nach Deutschland auszuwandern, äußerst gering.

Eine deftige Abfuhr erteilten die Eidgenossen zudem noch jenen Weltuntergangspropheten, die im Erwerb von Gold das Heil der Welt nach der großen Finanzkrise sehen. Die Goldnostalgiker konnten mit ihrer Angst-Kampagne den pragmatischen Schweizern nicht plausibel machen, dass die Nationalbank vor den Karren der Verschwörungstheoretiker zu spannen sei. Somit bleibt die Schweizer Nationalbank unabhängig und kann an den Finanzmärkten tun, was ihrem bisherigen Mandat entspricht.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Roland Hegglin

04.12.2014, 16:20 Uhr

Die Schweizer haben begriffen, das man die Gesetze für die Bevölkerung machen muss und nicht für den Reichen teil der Wohnbevölkerung. Weil die haben die Möglichkeit ihren Wohnsitz sehr schnell zuwechseln. Es geht nach dem Motto, gibst du mir gebe ich dir.

Ein Beispiel ist doch die neue Verkehrs Maut, die Politiker sagen die Ausländer bezahlen, aber die Wahrheit ist, am Ende bezahlt der normale Deutsche Autofahrer.

Die deutsche SPD hat das Gefühl sie kann Steuergesetze für reiche Bürger machen und am ende bezahlt der normale Arbeiter die Rechnung. Das ist der feine Unterschied.

Herr Stephan Fehlmann

04.12.2014, 16:30 Uhr

Wir haben übrigens in der Schweiz auch eine bescheidene Verkehrsmaut. Wir und alle Ausländer, die unsere Autobahnen benützen wollen, bezahlen jährlich 40 Franken in Form einer Vignette, die auf die Frontscheibe im Auto geklebt wird, und das schon seit bald 20 Jahren.

G. Nampf

04.12.2014, 17:49 Uhr

@Stephan Fehlmann

Die PKW-Maut in der chweiz bestätigt auch den Tenor des Artikels von Herrn Bruns: In der Schweizer Politiker (Herr Blocher vielleicht ausgenonmmen)haben so etwas wie Augenmaß.

Solange eine PKW-MAut wie in der Schweiz gehandhabt wird (moderate Kosten für die Bürger, keine Komplett-Überwachung) ist das auch vollkommen ok.

Aber in D verliert man bei beidem jedes Maß: Vor allem die Überwachungswut unserer US-Büttel ist inakzeptabel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×