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10.04.2014

13:58 Uhr

Der Anlagestratege

Europa, nichts als Weihrauch?

VonChristoph Bruns

Die Mahnungen bleiben ungehört: Störrisch weigert sich Frankreich, seinen Haushalt in Ordnung zu bringen. Was aber nützen all die europäischen Vereinbarungen, wenn sich am Ende niemand daran hält? Europa muss aufpassen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wenn es um Europa geht, dann fehlt selten der Weihrauch, in dessen Atmosphäre sich die Politiker des Kontinents besonders erhoben fühlen. Dann kommt es zur Beschwörung der unseligen Vergangenheit des Kontinents und zum Schwur des „nie wieder Krieg“. Und schon ist jedwede Kritik an der EU und der Eurozone als unnötiges kleingeistiges Mäkeln desavouiert. Angesichts des langen Friedens in Mitteleuropa bedarf die EU scheinbar keiner fortgesetzten darüber hinausgehenden Rechtfertigung. 

Wer aber in die Niederungen der Europapolitik herabzusteigen gewillt ist, dorthin, wo der Weihrauch nicht hin dringt, erblickt eine wenig solemne Lage. Um die Integration dieses kulturell sehr heterogenen Kontinents voranzubringen setzt die Politik seit Jahrzehnten auf wirtschaftliche Harmonisierungen. Dieser Weg hat sich als einigermaßen erfolgreich erwiesen, wenngleich die parallel stattfindende Globalisierung, die im Kern eine Amerikanisierung ist, wahrscheinlich einen viel stärkeren Homogenisierungseinfluss entfaltet als die Brüsseler Politik. Unter dem Einfluss des Internets, welches von amerikanischen Firmen dominiert wird, beschleunigt sich diese Tendenz weiter.

Mit der Einführung des Euro wurde dann das sichtbarste Zeichen der Homogenisierung gesetzt, wiewohl etliche Länder dabei bewusst nicht mitgemacht haben. Begleitet wurde die Einführung der Einheitswährung vom Vertrag von Maastricht, der die Euro-Länder zur Einhaltung ökonomischer Kennzahlen insbesondere bei der Staatsverschuldung verpflichtete. Es hat weitere Pakte und Verträge gegeben. Ersonnen im Weihrauchsnebel trugen sie erhabene Namen wie „Stabilitätspakt“, „No Bail-Out Klausel“ und „Wachstumspakt“.

EU Kommissionspräsident Manuel Barroso, der von Altkanzler Schröder in einem Freudschen Versprecher Barolo genannt wurde, erging sich dereinst zu der Vision von Europa als wettbewerbsfähigstem Kontinent der Welt. Derartige Brüsseler Verstiegenheiten kontrastieren krass mit der Realität, zumal die Bedeutung Europas in der Welt seit einhundert Jahren (Wendepunt erster Weltkrieg) bereits erkennbar und zuletzt beschleunigt zurückgeht.

Kommentare (2)

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10.04.2014, 14:12 Uhr

"Europa ist keine Liebesehe sondern ein Vernunftbündnis." Völlig falsch! Europa ist ein Basar, auf dem gefeilscht wird. Eine WG, in der man trefflich auf Kosten der anderen zu leben versucht. Ein sozialistisches Vergemeinschaftungsmodell. Es ist die EUSSR. Ein widerliches "politisches Projekt", das in einer Katastrophe enden wird. Die Politiker sind geradezu ideologisch vergiftet. Sie GLAUBEN an ihre Vision. Das haben früher schon ganz andere getan.

Account gelöscht!

10.04.2014, 15:08 Uhr

In dem Artikel ist die Realität sehr gut geschildert. Der Dissident hat auch recht. Er meint ja dasselbe, sagts nur etwas deutlicher

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