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04.06.2015

12:20 Uhr

Der Anlagestratege

Fifa-Situation zeigt US-Rechtshegemonie

VonChristoph Bruns

Der Fall Fifa zeigt: Die Schweiz und die Europäer sind zu schwach, um eigenständig Probleme zu lösen. Doch kommen die USA, wird Kreide gefressen – und zwar sackweise, meint unser Kolumnist.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Erstaunlich an den Geschehnissen um die Fifa ist keineswegs der Verdacht, dort handele es sich um ein korruptes System. Derartige Vermutungen werden bekanntlich bereits seit vielen Jahren kolportiert.

Vielmehr ist das Bemerkenswerte daran, dass die Schweiz, auf deren Rechtsgebiet die Fifa als Verein ihren Sitz hat, seit Jahren diesem Verdacht völlig untätig und gleichgültig gegenübersteht. Das mag seine Gründe haben. Jetzt kommt es aber: Erst durch das Tätigwerden der amerikanischen Justizbehörden kam die offenbar überfällige Veränderungsdynamik ins Rollen.

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Amerikas Justiz bringt das Weltfußball-System von Fifa-Chef Joseph Blatter ins Wanken. Das ist kein Einzelfall: Der Zugriff der Behörden kennt keine Grenzen. Selbst die neutrale Schweiz beugt sich ihrem Willen.

Allzu stark erinnert dieses Muster an die Situation beim Thema Steuerhinterziehung. Dort geschah jahrzehntelang in Helvetien nichts, bis sich die US-Justizbehörden der Sache mit Verve annahmen. Dann aber ging es ganz schnell und die Schweizer Banken und Behörden fraßen Kreide, und zwar sackweise.

Zwischenzeitlich sorgte der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück für ein vielbeachtetes Pfeifen im Walde, als er über die Aussendung der Kavallerie öffentlich räsonierte. Derartiger Blödsinn wurde nicht nur deshalb in der Schweiz nicht ernst genommen, weil man dort um die Unzulänglichkeiten der deutschen Kavallerie hinsichtlich ihrer maladen Waffen weiß. Vielmehr fehlt es der EU und erst recht Deutschland an Kraft, Verträge und Rechtsprinzipien durchzusetzen.

Export des US-Rechtssystems

Ganz anders sieht es bei den Amerikanern aus. Ihr Tätigwerden bei der Fifa und vorher auf dem Gebiet der Steuerhinterziehung hat zu einem wünschenswerten raschen Wandel geführt. Die Schweiz, die eigentlich zuständig gewesen wäre, und die Europäer, die auf dem Gebiet überhaupt nichts Konstruktives zustande gebracht haben, sind einmal mehr kräftig blamiert. Den Vereinigten Staaten ist hingegen wieder einmal bestätigt worden, dass Europa geführt werden muss, sofern es Verbesserungen auf etlichen Gebieten geben soll. Zu schwach ist Europa, um selbstständig offenbare Probleme einer Lösung zuzuführen.

Zugleich dürfte aber vielen Deutschen der Fall Fifa vor Augen geführt haben, dass die USA mit ihrem Vorgehen zunehmend Erfolg haben, ihr Rechtssystem, welches vom unsrigen in vielen Aspekten und Prinzipien durchaus verschieden ist, zu exportieren. Nachdem es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bereits gelungen ist, amerikanisches Englisch als Sprache der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft und des Rechts voranzutreiben, kommen die USA mittlerweile auch auf dem Gebiet des Rechtsvollzuges gut voran.

Kommentare (2)

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Herr C. Falk

04.06.2015, 14:18 Uhr

Tja, der Hegemon macht was er will, deshalb ist er ja auch einer. lol

Bis nach Russland oder China reicht seine Kraft allerdings nicht, in EU-Europa das die USA als ihre geostrategische Gegenküste begreift, ist sie der effektive Sachwalter ihrer selbst.

Das selbstständige Gallien war nach seiner Eroberung römische Provinz, Germanien bis zum Limes ebenso.

Das ging ein paar Jahrhunderte so bis der Limes bröckelte und das römische Imperium aus der Geschichte austrat.

Herr Chris C.

04.06.2015, 14:47 Uhr

Ein sehr schöner Beitrag, Kompliment. Die USA konnten Jahrzehnte den russischen Waffenhändler nicht auffinden (obwohl alle Zahlungen in USD erfolgen und zudem sein Unternehmen aus dem US-Staat die Geschäfte erledigt hat) aber können dafür die FIFA Korrupte Machenschaften nachweisen!!! Alle Achtung! Da versuchen wieder diese kulturlosen USA Ihre Ziele nachzugehen nachdem alle vorherigen Versuchen nicht geklappt haben. Weder Sanktionen, noch Ölpreisverfall, noch dutzende lancierte Falschmeldungen in den Medien haben die erhoffte Wirkung erzielt. Welches sind diese Ziele muss man sich fragen? Vielleicht das schlechte Image der letzten Monaten mit den Steroidjunkies aus der NFL zu verbessern? Vielleicht die andere Länder diffamieren damit die USA als "Saubermann" dasteht? Vielleicht Jahrzehnte alte Gegner zu schaden? Vielleicht die Abhör-/Spionagemachenschaften zu "verschönen"? Nicht umsonst haben alle diese Präsidenten so viele Berater!

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