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10.07.2014

13:37 Uhr

Der Anlagestratege

Frauen fühlen sich vom Staat angezogen

VonChristoph Bruns

Die geregelten Dienstzeiten im öffentlichen Dienst sind attraktiv und locken Arbeitnehmer. Sie werden dringend gebraucht, denn all die neuen Regeln zu Mietpreisen, Maut und Frauenquote müssen auch kontrolliert werden.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit Beklommenheit, nicht aber Überraschung, las ich kürzlich, dass unter deutschen Studenten der Staat als beliebtester Arbeitgeber angesehen wird. Unter den befragten Personen fühlen sich besonders Frauen stark vom Staat als Dienstherr angezogen. bei den Gründen wurde angegeben, dass die geregelten Dienstzeiten im öffentlichen Dienst besonders attraktiv seien. Außerdem werde Mehrarbeit dort weder erwartet noch verlangt.

Für den Staat und den öffentlichen Dienst ist dies eine gute Nachricht. Man darf nicht vergessen dass der deutsche Staat seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten wächst und daher einen ständig steigenden Bedarf an Mitarbeitern hat. Allein für die Kontrolle des soeben beschlossenen Mindestlohns müssen derzeit 1700 Mitarbeiter neu eingestellt werden.

Ob Benzinpreis-Meldestelle, Mautgebühr für Ausländer, Deutsche Energie Agentur, Mietpreisbremse, Frauenquote oder Finanztransaktionssteuer. In aller Regel benötigt der Staat neue Mitarbeiter, um die zusätzlichen Verwaltungsakte zu bewältigen. Hinzu kommt noch, dass durch den Altersaufbau der Verwaltung tendenziell mehr Beschäftigte vor dem Ruhestand als Neueinsteiger zur Verfügung stehen.

Im Deutschen Bundestag sind nach dem unrühmlichen und selbstverschuldeten Abgang der FDP im letzten Herbst inzwischen nur noch Sozialdemokraten verschiedenen Zuschnitts und unterschiedlicher Parteinamen vertreten. Staatsgläubigkeit und ausgeprägte Transferneigung gehören zum guten Ton in Berlin. Wechsel aus der Wirtschaft in die Politik sind selten oder gar nicht zu beobachten; umgekehrte Seitenwechsel jedoch häufiger, wie die aktuelle Karriereentwicklung der Herren Pofalla und Niebel zeigt.

Auch im Energiesektor darf sich der Staat getrost auf neues Wachstum vorbereiten. Über kurz oder lang wird kein Weg daran vorbeiführen, die Grundlastkraftwerke in Deutschland staatlich zu betreiben. Man kann sich nämlich nicht vorstellen, dass private Energieversorger zukünftig noch willens sind, in Großkraftwerke aus den Bereichen Kohle Gas und Atom zu investieren. Insofern wird die umgekehrte Subsidiarität eintreten, die darin besteht, dass alles, was existenziell notwendig ist und nicht privat gemacht werden wird, vom Staat zu übernehmen ist.

Kommentare (1)

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Herr Ylander Ylander

10.07.2014, 14:28 Uhr

Guter Kommentar, vor allem die vernichtende Kritik der sozialistischen Staatsbürokratie zwischen den Zeilen.

Fragt sich nur noch: Wie viel Staat als Kostgänger und Bremser der produktiven Bevölkerung kann sich unser Staat erlauben?

Im Übrigen dürften zumindest bereinigt die Gehälter beim Staat keinesfalls niedriger liegen als in der Privatwirtschaft.

Viele private Arbeitgeber werden noch einen grundlegenden strukturellen Wandel der Arbeitsbedingungen vollziehen müssen, wenn sie weiter einigermaßen qualifiziertes Personal bekommen möchten.

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