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18.06.2015

20:43 Uhr

Der Anlagestratege

Hausaufgaben für einen weltfremden Wirtschaftsminister

VonChristoph Bruns

Die Rhetorik von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel offenbart, wie wenig er von internationalen Kapitalmärkten versteht. Wenn er ernst genommen werden will, sollte er schleunigst vier Dinge auf den Weg bringen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wie wenig man im Berliner Politikbetrieb vom Thema Börse versteht, hat Wirtschaftsminister Gabriel unlängst auf der Start-up-Konferenz Noah gezeigt. Zunächst spricht es bereits Bände, dass eine solche Konferenz einen englischsprachigen Namen trägt. Allzu klar ist die Symbolik: Die Finanzmärkte sind weitgehend in angelsächsischer Hand. Ausdrücke wie Start-up, IPO, Venture Capital sind deutlicher Beleg dieses beklagenswerten Umstandes. Zu allem Überfluss heißt es noch, der CEO von Google werde die Keynote halten. Aha, so spielt die Musik!

Dazu kommt es, wenn man selber nichts Gescheites beim Thema Kapitalmarkt zuwege bringt. Blödsinnige staatswirtschaftliche Forderungen, die unser Wirtschaftsminister vorgetragen hat, wie etwa jene, die DAX Unternehmen sollten Gründer stärker fördern, bestätigen bestenfalls den korporatistischen Ansatz, der in Berlin seit Jahrzehnten fröhlich Auferstehung feiert. Weiß der Minister gar nicht, dass die DAX-Konzerne mittlerweile im Schnitt zu zwei Dritteln in ausländischer und überwiegend amerikanischer Hand befindlich sind? Jedenfalls haben diese international tätigen Gesellschaften anderes zu tun, als die Versäumnisse deutscher Wirtschaftspolitik auszubügeln.

Dei Krönung: Minister Gabriel erfrecht sich, mehr Risikobereitschaft in Deutschland zu fordern. Wie bitte? Eine Gesellschaft, die nach jahrzehntelanger Sozialdemokratisierung ein gemütliches Vollkaskomodell als gesellschaftliches Ideal sieht und Sicherheit stets der Freiheit vorzieht soll mehr Risiko auf sich nehmen? Offenbar handelt es sich um einen Witz!

Eine Politik, die die Beteiligung der Bürger an der eigenen Wirtschaft de facto durch steuerliche und regulatorische Diskriminierung bekämpft, fordert mehr Risikobereitschaft? Hat der Mann Goethe gelesen, wo es im Faust heißt, nur der verdiene sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern müsse?

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