Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2014

14:28 Uhr

Der Anlagestratege

Helmut Kohls großer Euro-Irrtum

VonChristoph Bruns

In seinem neuen Buch schreibt der Altkanzler seine Sicht über die Gründung des Euro. Professionelle Geldanleger erstaunt die etwas schiefe Sicht der Dinge. Droht eine Legendenbildung?

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Altbundeskanzler Helmut Kohl hat sich mit einem Buch in der Öffentlichkeit gemeldet. Darin bekräftigt er einmal mehr seine Sicht auf die historischen Entwicklungen in den letzten drei Jahrzehnten. Inhaltlich kommt er dabei selber glänzend weg, während seine Amtsnachfolger tüchtig getadelt werden. Überhaupt kann man bei Helmut Kohl eine Neigung diagnostizieren, mit Selbstkritik äußerst sparsam und bei der Kritik Dritter sehr großzügig zu sein.

Wenig überraschend ist des Altkanzlers Perspektive auf den Euro ausgefallen. Kohl sieht den Euro als kluge und notwendige ökonomische Klammer, die die einzelnen Staaten des Euroraums aneinanderbindet. Immerhin konzediert er einen heutigen Zustand der Rechtsuntreue und des fortdauernden Vertragsbruches, den er sogleich seinem Amtsnachfolger Gerhard Schröder anlastet.

Mit Staunen liest man weiter, dass unter einem Kanzler Helmut Kohl Griechenland nicht in den Euro aufgenommen worden wäre. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, dass Kohl seinerzeit öffentlich vor der Aufnahme Griechenlands gewarnt hätte, wiewohl er selber in seinem Oeuvre darauf hinweist, dass es an mahnenden Stimmen zum Beitritt von Hellas nicht gefehlt habe.

Dann aber kommt es: Kohl, der ja in den neunziger Jahren der Architekt des Euro war, deutet die Einführung der Gemeinschaftswährung als einmalige Okkasion, welche nur damals bestanden habe und daher hat ergriffen werden müssen.

Dies ist ein grober historischer Denkfehler, der mit Kohls Erfahrungen vom kläglichen Ende der DDR zusammen hängen. Dort nämlich war es völlig richtig, und das bleibt Helmut Kohls großes historisches Verdienst, beherzt und rasch die Chance der Wiedervereinigung ergriffen zu haben, und zwar auch gegen die Widerstände (Oskar Lafontaine) in der Bundesrepublik und den Siegermächten (vor allem Großbritannien und Frankreich).

Beim Euro lag die Situation jedoch gänzlich anders. Hier hat sich das Prinzip „Eile vor Güte“ als fatal erwiesen. So haben es jedenfalls bekanntlich auch die nördlichen Länder Dänemark, Schweden und Großbritannien gesehen, die dem Euro auch aus diesen Gründen bewusst fern geblieben und damit gut gefahren sind. Bei Europa kann man nämlich nicht so einfach sagen: „Hier wächst zusammen was zusammen gehört.“ Dafür sind Geschichte und Kultur der einzelnen europäischen Völker viel zu heterogen als dass man meinen dürfte, durch eine Währungsunion gleiche Denk- und Lebensgewohnheiten zu erzeugen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ulrich Wahr

06.11.2014, 14:39 Uhr

Das was Herr Kohl bei der deutschen Einheit gut gemacht hat das hat er bei der Einführung des Euros vergeigt, denn die Währung hätte niemals eingeführt werden dürfen und wird Europa ins Desaster führen und dem Sparer sein Geld kosten. Millionen werden ihr Vermögen verlieren.

Frau Helga Trauen

06.11.2014, 14:45 Uhr

Kohl ist Historiker; ihn interessiert nur, wie er in den Geschichtsbüchern verewigt werden wird. Eine Legendenbildung wird nicht stattfinden. Kohl geht als das in die Geschichte ein, was er ist und war (und alle weiteren Euromanen in gleicher Weise): als diejenigen, die den gesamten deutschen Wohlstand für ein "politisches Projekt" verzockt haben. Ich wünsche den Genschers, den Schmidts, den Kohls, den Schäubles, den Waigels und wie sie alle heißen, ein besonders langes Leben! Damit sie alle noch die Gelegenheit haben, den Volkszorn darüber zu spüren. Die MSM werden zwar trommeln und irgendwelche Gründe anführen für das Scheitern des Euros - aber die Wahrheit wird siegen. Und die ist rein ökonomisch begründet. Die Euromanen wollen es immer noch nicht wahr haben, was sie angerichtet haben. Die einzige Rettung für sie wäre die vollständige Etablierung eines totalitären politischen Konstrukts in Europa, die EUSSR mit Umverteilung bis zur allgegenwärtigen Armut - auch in Deutschland. Auch in Deutschland werden alsbald wieder Menschen verhungern. Die Deutschen werden sich wieder vorkommen wie nach einem verlorenen Krieg. Es ist nichts Anderes...

Herr Walter Schimpf

06.11.2014, 15:07 Uhr

Kohl - die politische Ur-Katastrophe für Deutschland nach dem 2. Weltkrieg!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×