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21.08.2014

16:40 Uhr

Der Anlagestratege

Inflation schön gerechnet

VonChristoph Bruns

Wenn auch Drogenhandel und Prostitution eingerechnet werden, könnte das Bruttosozialprodukt bald noch positiver aussehen. Die Inflation erscheint schon heute geschönt, der Verlust von Vermögenswerten bleibt außen vor.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Den Medien war zu entnehmen, dass in Europa bald eine neue Definition und Berechnung des Bruttosozialproduktes eingeführt wird. Damit folgt der alte Kontinent dem Vorgehen der vereinigten Staaten von Amerika, die eine solche neue Definition bereits vor vielen Monaten ins Werk gesetzt haben. Im Kern geht es bei der Neudefinition der Wirtschaftsleistung darum, einige bislang nicht erfasste wirtschaftliche Aktivitäten dem Sozialprodukt hinzuzurechnen, sowie bisherige Aktivitäten anders zu erfassen. Künftig gehen sowohl der Drogenhandel als auch die Schwarzarbeit und die illegale Prostitution in das Bruttosozialprodukt ein. Außerdem werden Ausgaben für das Militär nicht mehr als Aufwand sondern als Investitionen erfasst.

Im Ergebnis wird dies zu einem Anstieg des Sozialproduktes führen. Die Zeitreihen der Vergangenheit werden entsprechend angepasst. Eine Konsequenz der Neuberechnung besteht darin, dass die Staatsverschuldung im Vergleich zum nunmehr hoch berechneten Sozialprodukt sinkt. Soweit so gut.

Außerdem entnehmen wir dieser Tage der Presse, dass die Inflation, also die allgemeine Geldentwertung, derzeit besonders niedrig liege. Derweil beschleicht viele Mitbürger der Eindruck, es handele sich um eine schön gerechnete Zahl. Sie verweisen gerne auf Preisanstiege bei Lebensmitteln und Energie. Letztlich geht es dabei um eine gefühlte Inflation.

Um der ständigen Kritik an der Inflations-Berechnung zu entgehen, schlage ich vor, die Berechnung ähnlich wie beim Bruttosozialprodukt zu modifizieren bzw. zu erweitern. In der Folge würde die Vollständigkeit und damit die Aussagefähigkeit der Zahl zunehmen. So erscheint es mir sinnvoll, die bisherige Inflationsberechnung durch Einbeziehung von Finanzmarktgütern zu erweitern. Sinnvoll wäre etwa die Hinzurechnung von Wohnungspreisanstiegen und auch von Anleihekursveränderungen sowie Kreditzinsen. Auch die Berücksichtigung von Aktienkursveränderungen könnten Eingang finden in die Inflationsberechnung.

Da aber im deutschen Warenkorb Aktien im Gegensatz zu Zinsanlagen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, sind Immobilien- und Anleihedaten von größerer Relevanz für den deutschen Normalbürger. Angesichts einer deutschen Sparquote von gut zehn Prozent wäre etwa ein solches Gewicht im Warenkorb für Finanzanlagen zu reservieren. Weil zudem eine älter werdende Gesellschaft tendenziell steigende Einkommen aus Kapitalanlagen erzielen muss, dürfte die Inklusion solcher Finanzmarktdaten in den Inflationswarenkorb besonders aussagefähig, zukunftsweisend und somit wichtig sein.

Kommentare (4)

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Herr F. Gessw.

21.08.2014, 15:43 Uhr

Und was befindet sich noch auf einem Höchststand? Genau, das Vermögen der deutschen Privathaushalte. Und was noch? Ach ja, der Gini-Koeffizient, also die Ungleichheit der Verteilung dieses Vermögens.
Wo haben wir noch Höchststände... Hmm, bei den Rückständen an Investitionen in unsere marode Infrastruktur, sprich neue Tiefstände bei Schlaglöchern. Höchststände außerdem bei Überstunden von Polizei und anderen Staatsdienern und Burnout-Diagnosen quer durch alle Berufsgruppen. Nicht zu vergessen, neue Höchststände erreichen wir auch jährlich bei Alters- und Kinderarmut oder der Anzahl Lehrer, die nicht nur nicht mehr verbeamtet, sondern sogar während der Ferien entlassen werden. ´
Unser Land ist erbärmlich ungerecht. Und da ist Ihr Vorschlag, dass der Staat, der, mal von ein paar lächerlichen Spenden abgesehen, das große, verteilende Korrektiv einer Solidargemeinschaft ist, sparen soll? Also weniger Geld wohin genau? Renten? Beamtengehälter? (Wir könnten mal gut 450 Mio. an Bischofsgehältern sparen, aber der Rest - bitte nicht) Infrastruktur? Bildung? Gesundheit? Wo sind die überfinanzierten Bereiche, wo die Gelder verschleudert werden? Selbst unsere Politiker sind mMn relativ unterbezahlt - allerdings sollten Nebenverdienste verboten werden... Ich schweife ab.

Was ich eigentlich sagen will: Das hier ist mal wieder kein sinnvoller Beitrag. Ein Höchststand bei den Steuereinnahmen MUSS schlicht jedes Jahr erreicht werden, willkommen im Kapitalismus, Wachstum und Inflation erzwingen diese Entwicklung ja geradezu.

Es ist ja niemand dagegen, grundsätzlich sparsam mit Geld umzugehen - aber der Staat, der Apparat, verteilt nur das Vermögen der Gesellschaft, er vermehrt oder vermindert es nicht. Und in den letzten Jahren hat er schlecht verteilt. Deswegen muss "der Staat" nicht weniger, sondern mehr ausgeben. Es gibt viel Grund zu der Annahme, dass eine Gesellschaft reicher wird, wenn sie mehr Geld ausgibt = in Bewegung bringt.

Schönen Tag noch.

Herr Peter Spiegel

21.08.2014, 17:39 Uhr

Es gibt viel Grund zu der Annahme, dass eine Gesellschaft reicher wird, wenn sie mehr Geld ausgibt = in Bewegung bringt.
Ganz schön nahe an der Wahrheit aber denken Sie an die Hausfrau Merkel. Die rettet Banken und investiert nichts.

Herr Ossi NB

21.08.2014, 18:24 Uhr

Das BIP wird zum Jahresende wachsen. Auf der Internetseite unserer Statistiker wird auch erklärt, wie das BIP wachsen wird. Die Organisierte Kriminalität (Prostitution, Drogenhandel, Zigarettenschmuggel u.a.), also wichtige, permanent wachsende und somit unverzichtbare Leistungsfelder unserer Volkswirtschaft, werden in die Berechnung einbezogen. Das geschieht durch Schätzungen, die von "Experten" vorgenommen werden! Aufgenommen werden diese illegalen "Wirtschaftsleistungen" weil das BIP immer wichtiger wird. So die Begründung der Statistiker. Und weil das BIP so bedeutend ist, wird das segensreiche Wirken der OK eben geschätzt. Nun wird auch klar, warum der dicke Gabriel ganz gelassen bei der Prognose der Bundesregierung bleibt. Er kann ja zum Jahresende entsprechende Schätzungen veranlassen und passende Berechnungsmodelle in Auftrag geben!
Warum nur erinnert mich dieser Scheiß immer wieder an die elende DDR?

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