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31.07.2014

16:26 Uhr

Der Anlagestratege

Jahrhundert-Hausse bei Anleihen

VonChristoph Bruns

Die Kurse von Staatsanleihen steigen in diesem Jahr kräftig an. Die Bondrally läuft derzeit auf der ganzen Welt. Was steckt hinter der erstaunlichen Gier nach Anleihen im Zinstief?

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Das Jahr 2014 schickt sich an, ein vortrefflicher Bond-Jahrgang zu werden. In den etablierten Zinsmärkten haben die Kurse der Anleihen in diesem Jahr deutlich angezogen. Der Rex Performance Index, der die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen misst, konnte seit Jahresanfang stark an Wert zulegen. Angesichts magerer Zinskupons von gerade einmal gut einem Prozent deutet dies auf fulminante Kurssteigerungen hin.

Wesentlich besser lief es sogar in den anderen Ländern Europas, allen voran in den Krisenländern. Spanien etwa zahlt mittlerweile nur noch 2,5 Prozent für seine Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Auch in Griechenland sind die Kurse für Staatsanleihen rasant angestiegen und bieten inzwischen eine Rendite unterhalb von sechs Prozent. In Italien liegt der Wert bei 2,7 Prozent und französische Obligationen rentieren mit nur 1,5 Prozent. Der Klassenprimus Deutschland muss inzwischen sogar nur noch 1,17 Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen bezahlen.

Aber die Bondrally beschränkt sich keineswegs auf Europa. Nahezu alle Erdteile nehmen an der Zinsparty teil. Man kann mit Fug von der Mutter aller Börsenhaussen sprechen. Und ein Ende des Aufschwungs für Anleihen jedweder Risiko-Kategorie ist noch nicht in Sicht, solange die Notenbanken im Mega-Expansions-Modus verbleiben.

Als krasses Beispiel marschieren die Söhne Nippons voran. Im Land der aufgehenden Sonne erhalten Sparer für zehnjährige Staatsanleihen nur ein halbes Prozent Zinsen. Zugleich ist es der dortigen Notenbank gelungen die Landeswährung Yen in den letzten zwei Jahren erheblich abzuwerten. Durch eine kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer gelang inzwischen auch der Ausstieg aus der vormaligen Deflations- Spirale. Zuletzt meldete Japan Inflationsraten oberhalb von drei Prozent.

Wir sind also Zeitzeugen einer unvorstellbar exorbitanten und vor allem langen Börsenhausse an den Zinsmärkten. Was 1981 begann, bekommt wie im Fußball nun durch die Notenbanken eine Verlängerung zuerteilt. Mit anderen Worten: Wofür Viagra beim Mann sorgt, dafür sorgen Fed und EZB beim Zinszyklus. Und in beiden Fällen liegt eine signifikante Funktionsstörung vor, die möglicherweise gar nicht mehr zu beheben ist und einer dauerhaften künstlichen Animation bedarf.

Kommentare (1)

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Herr x y

31.07.2014, 16:55 Uhr

Notenbanken können das Zinsniveau drücken. Dies Tour läuft schon seit längerem und inzwischen hängen beinahe alle wie Junkies an dieser Nadel.

Die Frage ist nur, ob Notenbanken auch einen allgemeinen Anstieg des Zinsniveaus gegen den Markt verhindern können? Vordergründig sicher Ja, der Film läuft gerade.

Es gibt jedoch bedeutende Marktteilnehmer, die diese Nullzinsen (in der Realität Negativzinsen) nicht mehr lange mitmachen können. Sie werden sich also nolens volens von Bonds trennen und anderen Anlageklassen zuwenden müssen. Diese Tendenz ist bereits fühlbar.

Sobald dieser Trend sich nur noch etwas verstärkt, wird die Lage blitzartig kippen, denn alle drängen dann zum Notausgang. Bei Überangebot sinken die Kurse und die Zinsen steigen, denn der mathematische Zusammenhang ist simpel. Diese Welle können dann auch die Notenbanken mit Anleihekäufen nicht mehr auffangen, da dann generell das Vetrauen in die frommen Sprüche fehlt.

Was dann?

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