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26.06.2014

11:40 Uhr

Der Anlagestratege

Lehren aus dem Zinstief

VonChristoph Bruns

Die niedrigen Zinsen bleiben uns noch Jahre lang erhalten. Anleger müssen das berücksichtigen und die Struktur ihrer Depots anpassen. Nur so lässt sich Vermögen aufbauen und nicht vernichten.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Für seine klaren Worte darf man Mario Draghi, dem Chef der europäischen Zentralbank, dankbar sein. Mindestens bis Ende 2016 wird die aktuelle Nullzinspolitik beibehalten. Damit steht fest, dass die Zinsanleger in Deutschland neben den Steuerzahlern weiterhin zu den Hauptleidtragenden der großen Finanzkrise gehören.

Zwischen beiden Gruppen, den Steuerzahlern und den Zinsanlegern besteht jedoch ein wichtiger Unterschied. Steuerzahler ist jeder Bürger zwangsweise, denn dieser notwendigen Pflicht darf sich kein Bürger entziehen, selbst wenn es sich nur um die in Deutschland hohen Konsum- und Bagatellsteuern (Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Biersteuer, Leuchtmittelsteuer, Versicherungssteuer, Vergnügungssteuer, Hundesteuer, Kraftfahrzeugsteuer, Jagdsteuer, Zweitwohnungssteuer, Ökosteuer, Zuckersteuer etc.) handelt.

Demgegenüber haben Geldanleger Wahlmöglichkeiten. Sie könnten, wenn sie denn nur wollten, sich dem Zinstief entziehen. Trotz erdrückend zinslastiger Anlagetradition in Deutschland gibt es keinen Zwang, in Zinspapiere- oder entsprechende Verträge anzulegen. Langsam spricht sich sogar herum, dass traditionelle Kapitallebensversicherungen, die ihrerseits überwiegend in Zinspapiere investieren, ihre Existenzberechtigung verloren haben. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Politik seit Anbeginn der Bundesrepublik die Lebensversicherung unklugerweise zu Lasten des Volkswohlstandes bevorzugt, protegiert und gefördert hat.

Im Ganzen ist es nutzlos wenn nicht gar sinnlos, über die Nullzinspolitik der EZB zu lamentieren. Man kann gar von Realitätsverweigerung der deutschen Anleger sprechen. Denn die Zeiten haben sich radikal gewandelt. Zinsanlagen sind heutzutage weitgehend renditelos und hochriskant. Die historische Wahrnehmung risikoloser Staatsanleihen ist angesichts ausufernder Verschuldung und einiger Staatspleiten im Orkus der Geschichte verschwunden.

Glücklicherweise bieten sich gerade wenn es um langfristige Geldanlage geht dem deutschen Investor einige Alternativen. Dazu gehört gewiss die selbstgenutzte Immobilie, wiewohl die jüngsten Warnungen von Finanzminister Schäuble hinsichtlich spekulativer Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt ernst zu nehmen sind. Immerhin bietet die Nullzinspolitik der EZB gute Finanzierungmöglichkeiten für Häuslebauer, so dass dieser Sektor trotz Überalterung und Schrumpfung der Gesellschaft auf Jahre hinaus nachgefragt bleiben dürfte.

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