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28.05.2015

12:34 Uhr

Der Anlagestratege

Lehrt die Deutschen das Anlegen!

Es wird viel gespart, doch lernfähig zeigen sich die Deutschen bei der Pflege dieses Ersparten nicht: Trotz niedriger Zinsen halten sie an konventionellen Zinsanlagen fest. Ein Plädoyer für mehr finanztechnische Bildung.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen in der Presse Studien auf, die eine sehr ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland diagnostizieren. In der Regel findet man dann wenige Wochen später neue Studien, die einen eher ausgeglichenen Befund bei den Einkommens- und Vermögensdifferenzen aufzeigen. In ritualisierter Form sehen anschließend die jeweiligen politischen Gruppierungen ihre immer schon vertretenen Ansichten bestätigt oder widerlegt.

Uns interessiert heute nicht so sehr die verteilungspolitische Diskussion um Einkommen und Vermögen, sondern vielmehr die Frage, wie aus Einkommen Vermögen wird und wie Vermögen seinerseits Einkommen schafft. Ferner wollen wir die enervierende Frage kurz beleuchten, warum Deutschland bei Einkommensvergleichen besser abschneidet als bei Vermögensvergleichen.

Wenn normale Entwicklungen vorliegen, dann bildet sich Vermögen dadurch, dass vom verfügbaren Einkommen ein Teil gespart wird. Traditionell liegt die Sparquote, also der Anteil des gesparten und nicht konsumierten Einkommens, in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern recht hoch. Man kann folglich sagen, dass die Deutschen emsige Sparer sind. Damit unterscheiden sie sich sehr deutlich vom Sparverhalten der Weltleitnation Amerika, wo man vom Sparen eher wenig hält und sich sogar für den Konsum gerne verschuldet. Gleichviel, das gesparte Einkommen ist also als Vermögen zu klassifizieren.

Wer spart, sei es fünfzig Euro oder eine Millionen Euro, hat fortan die Frage zu stellen, in welcher Form das angesparte Vermögen angelegt werden sollte. Jedermann ist bekannt, dass Geld arbeiten kann und sollte, indem es bei kluger Verwendung einen Zins, eine Miete, eine Dividende, einen Kursgewinn oder -verlust oder eine anders geartete Rendite erzielt. Jenes Einkommen, welches aus der Anlage des Vermögens resultiert, mehrt dann das Gesamteinkommen des Sparers.

Wie ein Blick in die Vermögensstatistik der Deutschen zeigt, präferieren unsere Landsleute zinsgebundene Anlageformen für ihr Erspartes. Dieser Befund hat lange Tradition und wird durch die steuerlichen und regulatorischen Gegebenheiten in Deutschland deutlich gefördert. Einigermaßen überraschend sind in diesem Zusammenhang zwei Entwicklungen:

Erstens verwundert es, dass die seit längerem praktizierte Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank nicht zu größeren Veränderungen des praktizierten Anlageverhaltens geführt hat. Salopp gesagt: Es müsste sich doch herumgesprochen haben, dass mit Zinsanlagen mittlerweile kein realer Blumentopf mehr zu gewinnen ist.

Kommentare (1)

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G. Nampf

28.05.2015, 13:12 Uhr

"....nicht aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit in Sachen Finanzmarktbildung befreien wollen und können. Vielmehr bedürfen sie der Leitung durch den Staat..."

Heißt: Der Staat soll die Bürger animieren (zwingen?), Aktien/-fonds zu kaufen, damit Leute wie Herr Bruns (er vertritt eine Firma, die Aktienfonds verkaufen will) auch in Zeiten, in denen Kursverluste wahrscheinlicher sind als Kursgewinne, tolle Geschäfte machen können.

Herr Bruns, Kleinsparer sind viel mündiger, als Sie es wahrhaben wollen. Sie wissen, daß momentan die Aktien-Indices eher nach unten als nach oben gehen können.

Und der Staat schafft es andauernd, unser Steuergeld zu verbrennen. Wieso soll ausgerechnet er für Finanzkompetenz sorgen können?

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