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16.07.2015

12:17 Uhr

Der Anlagestratege

Lernen von den Buddenbrooks

VonChristoph Bruns

Das defizitäre Griechenland wurde gerettet, obwohl eine Lösung nicht in Sicht ist. Lohnt es schlechtem Geld gutes Geld hinterherzuwerfen? Wie Konsul Buddenbrook von Thomas Mann in dieser Situation reagiert hätte.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Das Drama um Griechenland hat seinen erwartbaren Weg genommen. Wie bereits in den letzten Jahren wird der zahlungsunfähige Staat mit Hilfspaketen der europäischen Partner vorübergehend in seiner derzeitigen Form am Leben gehalten.

Erneut werden als Gegenleistung Reformen zugesagt, von denen man in Griechenland selbst nichts hält, wie das jüngste Referendum bekanntlich in ungewöhnlicher Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht hat.

Am wenigsten hält die Regierung Tsipras von den Reformen, wie den täglichen Verlautbarungen aus dem Mund des Ministerpräsidenten zu entnehmen ist. Hier wird nun der sprichwörtliche Bock zum Gärtner gemacht.

Ein Regierungschef der mit einer Anti-Reform Agenda ins Amt gelangt ist und sich dieses Mandat in einem frischen Referendum bestätigen lässt soll, obwohl er täglich die Ungeeignetheit der Reformen geißelt, die Reformen vorantreiben. Und das auch noch gegen den soeben frisch erklärten Willen des Volkes.

Ich bin seit fast dreißig Jahren Aktienanleger und habe Kinder in die Welt gesetzt, so dass mein Lebensoptimismus damit wohl hinreichend belegt ist. Aber dass man das dysfunktionale Griechenland in dieser grotesken Situation durch die Vergabe weiterer Kredite wieder flott machen kann, dafür fehlt mir jeder Optimismus.

Überhaupt meine ich, dass die Echternacher Springprozession gegenüber dem Griechenland-Zirkus eine lineare Veranstaltung darstellte. Wenden wir uns daher für einen Moment der Kunst zu, die uns das Leben in solch unverstehbaren Momenten erträglicher gestalten kann.
In Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ erschleicht sich der leichtfüßige Heiratsschwindler Bendix Grünlich eine stattliche Mitgift des Konsuls Johann Buddenbrook, indem er durch viele Komplimente und Beharrlichkeit die Hand der Tochter Antonia gewinnt.
Nachdem aber die Heirat vollzogen ist kühlt die Leidenschaft des Herrn Grünlich sogleich merklich ab. Anstatt sich mit seiner vormals so heißgeliebten Gattin während des Frühstücks zu unterhalten zieht er es etwa vor, die Zeitung zu lesen und sie zu ignorieren.

Kommentare (2)

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Herr C. Falk

16.07.2015, 13:02 Uhr

Der alte Konsul Budddenbrook hat recht getan, als er Grünlich abblitzten ließ und seine Tochter Tony durch Scheidung wieder freimachte.

Eine Generation weiter, war das Schicksal der Buddenbrooks allerdings besiegelt.
Ende.

Und Hanno, der letzte Buddenbrook? Ach schweigen wir lieber.

G. Nampf

16.07.2015, 14:40 Uhr

Und ich dachte schon, Herr Buddenbrook hätte - wegen angeblicher Alternativlosigkeit - sämtliche Aktienmärkte leergekauft..... ;-)

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