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26.09.2013

11:07 Uhr

Der Anlagestratege

Liberalismus wird siechende FDP überleben

VonChristoph Bruns

Programmatisch und personell spielt die FDP seit langem auf Zweitliga-Niveau. Dabei fehlt es nicht an an Themen für Liberale. Rechtsstaatlichkeit, Vertragsbrüche, Staatshehlerei und Internetüberwachung zum Beispiel.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Nicht die Einsicht ihrer Verantwortlichen, sondern die Weisheit der Bürger verschafft der abgehalfterten FDP eine Chance zum dringend notwendigen Neuanfang. Er ist selbst verschuldet und seit Jahren überfällig! Die vor der letzten Wahl diagnostizierte „spätrömische Dekadenz“, welche die FDP bei der damaligen Opposition ausgemacht haben wollte, hat auf erschreckende Weise vor allem die FDP selbst ergriffen.                                                                                

Programmatisch und personell spielt die FDP seit langem auf politischem Zweitliganiveau. Unvergessen ist das Entsetzen der Bürger über die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers am Anfang der Legislaturperiode und die staatlichen Lustreisen der Entourage des Außenministers Westerwelle. Übertroffen wurde solcherlei Kokolores nur noch durch Entwicklungsminister Niebel, der vor der Wahl sein nachheriges Entwicklungsministerium abschaffen wollte und es tatsächlich enorm mit Parteigängern aufgebläht hat.  

Nun hatte der Souverän die Chance zu reagieren und schickt die Partei, die sich so flott und irrig „Die Liberalen“ nennt, in die einstweilige bundespolitische Bedeutungslosigkeit.

Dabei stünde Deutschland eine Partei gut zu Gesicht, die die Fahne des politischen und ökonomischen Liberalismus hoch hielte. Ob die AfD in der Lage sein wird, die FDP dauerhaft zu verdrängen, oder ob der FDP eine Katharsis im außerparlamentarischen Purgatorium gelingt, wird die Zeit zeigen müssen.

Unterdessen fehlt es nicht an wichtigen Themen, bei denen liberale Positionen wieder vernehmbar werden müssen. Wer pocht etwa auf die Rechtstaatlichkeit in Deutschland, wenn es um Vertragsbrüche (Maastricht), Staatshehlerei (schweizerische Bankdaten CDs) und die heimliche Abschaffung des Brief- und Fernmeldegeheimnisses (NSA Internetüberwachung) geht?

Damit nicht genug: Müsste eine wirklich liberal denkende Partei nicht Konsequenzen (auch personeller Natur) aus der verfrühten und übereilten Euro-Einführung fordern? Und wer stemmt sich dagegen, dass eine Zentralverwaltungswirtschaft im Bereich der Energiepolitik um sich greift? Ist nicht mit der Mietpreisbremse eine ähnliche Entwicklung absehbar?

Wo findet sich in Deutschland eine ernst zu nehmende politische Stimme, die in der staatlichen Steuer- und Abgabenpolitik Tendenzen zur Kleptokratie erkennt und folgerichtig geißelt? Von Leistungs- und Verantwortungsgerechtigkeit hört man bestenfalls während wohlklingender Wahlkampfmelodien. Wenn es zum Schwur kommt, hat sich die FDP jeweils – wenn auch nolens volens - als Steigbügelhalter eines anwachsenden Staatswesens erwiesen.  

Fände der Liberalismus nicht auf dem Feld der Familienpolitik einen fruchtbaren Humus, wenn es gelänge, die zunehmende Verbringung unser Kinder unter die vorgeblich fürsorgliche Staatskuratel zu verhindern? Wer tritt also dem vorherrschenden dirigistischen Menschenbild entschlossen entgegen, demzufolge der Staat die Hege der Kinder schon von frühestem Alter an übernehmen soll? Und widerspricht nicht der Gender-Wahn mit seinen Frauenquoten jedwedem Leistungsgedanken? Gleichberechtigung mutiert unter unseren Augen von einem sinnvollen Rechtskonzept zunehmend zu einer Machtideologie.  

Kommentare (7)

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Gerhard1711

26.09.2013, 11:22 Uhr

Jetzt lassen sie mal die Liberalen wo sie sind. Die verbleibenden Parteien können sich ja schon nicht mehr
einigen. Eine Partei mit ihren Vorstellungen noch dazu....

Account gelöscht!

26.09.2013, 11:50 Uhr

Nahezu alle Punkte, die Herr Bruns mit Recht auf die To-do-Liste einer wirklich liberalen Partei geschrieben hat, wird von der AfD vertreten.

Sie ist auf dem besten Wege, die konturlose FDP zu beerben.

Account gelöscht!

26.09.2013, 12:05 Uhr

" ... Obwohl die Redaktion von »Anne Will« die Gäste wieder so parteiisch wie möglich ausgesucht hatte, ging der Versuch der Diskreditierung Bernd Luckes und der AfD schief. Er ging als Sieger vom Platz.

Bei der Diskussionssendung »Anne Will« zum Thema »Euro-Kritiker auf dem Vormarsch. Kann Merkel sie kleinhalten?« boten die Verteidiger des Merkel-Kurses kein gutes Bild. Eingeladen waren der Journalist Ulf Poschardt, die Professorin Gesine Schwan, Edmund Stoiber und der Kabarettist Serdar Somuncu. Sie wurden aufgeboten gegen den AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke. Das Ziel war klar: Er sollte »widerlegt«, die AfD in die »rechte Ecke« gestellt werden.

Das Vorhaben misslang allerdings gründlich. Ein Beobachter urteilte: »Es war ein klassischer ›Zusammenprall der Kulturen‹: Auf der einen Seite saßen die Systemerhalter und waren völlig außer sich, dass jemand eine andere Meinung vertritt als das, was in den vergangenen Jahren als verpflichtender Sprach- und Denk-Gebrauch von der Meinungsindustrie und der politischen Oligarchie für verbindlich erklärt worden war.« Seine Schlussfolgerung: »Wir sehen eine sprachlose Ignoranz, deren Existenz wir bisher nur vermutet hatten. Und wir stehen erst ganz am Anfang.« ..."

http://www.freiewelt.net/nachricht/lucke-punktet-bei-anne-will-10011612/

Und ich muss den Müll -> Anne Will mit meinem GEZ-Zwangsgeld auch noch finanzieren. EINE SCHANDE IST DAS !!

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