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06.08.2015

16:47 Uhr

Der Anlagestratege

Merkel ohne Alternative

VonChristoph Bruns

Man kann aufgrund der Probleme innerhalb der SPD sagen, Frau Merkel sei ohne Alternative. Doch schauen wir auf die vier wirtschaftspolitischen Themen, bei denen die Kanzlerin weidlich versagt hat.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wie den Medien unlängst zu entnehmen war, möchte Bundeskanzlerin Merkel bei der kommenden Bundestagswahl wieder antreten und sich um eine vierte Amtszeit bewerben. Nach Lage der Dinge stehen ihre Chancen dafür ausgezeichnet. Deutschland steht angesichts der Schwächen seiner Nachbarn und der immer noch ökonomisch heilsam wirkenden Schröder´schen Reformen gut da.

Zwar wurde das Land in der Regierungszeit von Frau Merkel in Puncto Wirtschaftskraft deutlich von den Vereinigten Staaten und China übertrumpft, der europäische Politikfokus beschert der Bundeskanzlerin jedoch auch auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik hohe Zustimmungswerte. Hauptgrund dürfte allerdings sein, dass es zu Frau Merkel in Deutschland überhaupt keine ernst zu nehmende Alternative, zumal in der SPD, gibt. Tatsächlich sind die Dinge inzwischen soweit gediehen, dass man mit Fug sagen kann, Frau Merkel sei ohne Alternative.

Schauen wir dazu auf vier wirtschaftspolitische Themen, auf denen die Kanzlerin weidlich versagt hat.

Erstens die Energiewende; sie ist zwar nicht auf Initiative Merkels in die Welt gekommen, wurde von ihr jedoch adoptiert und unter ihrer Regentschaft deutlich vorangetrieben. Der Ausstieg aus der Atomkraft, der weltweit nur wenig Nachahmung gefunden hat, und die panikartige Sofortabschaltung einiger Reaktoren haben Deutschland erheblichen ökonomischen Schaden zugefügt und die Umweltbilanz des Landes ironischerweise verschlechtert. Die Arbeitsplätze der einstmals gefeierten Solarindustrie haben sich ebenso in Luft aufgelöst, wie es vielen Jobs in der konventionellen Energieerzeugung noch bevorsteht. Erstaunlich ist jedoch, dass es in der deutschen Politik zu diesem Vorgehen keine Alternative gibt.

Blicken wir nun zweitens auf die Eurorettung und die große Finanzkrise, von der sich die Eurozone – im Gegensatz zu den USA - bislang noch nicht erholt hat. Hier war es die große Naivität der gesamten deutschen Politik in den letzten fünfundzwanzig Jahren, die zu dem beklagenswerten heutigen Zustand des Euro, der Eurozone und der EU beigetragen hat. Auch hier kann die Bundeskanzlerin nicht als Architektin der ursprünglichen Fehlentwicklung angesehen werden. Jedoch hat ihre krasse Fehleinschätzung der europäischen Partner im Gefolge der großen Finanzkrise den Zustand verschlimmert, anstatt einen klugen Schritt zurück zu machen und zunächst die europäischen Hausaufgaben abzuarbeiten, bevor weitere Rettungsprogramme, Banken- und Sozialunionen sowie die Vereinigten Staaten von Europa eventuell anzugehen wären.

Kommentare (5)

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Herr Clemens Keil

06.08.2015, 17:41 Uhr

Gute Analyse, aber da fallen mir aber gleich noch mehr Versäumnisse ein:
Die aktuellen Debatten über Bildungspolitik, Asylpolitik, Wahlmüdigkeit, Materialmängel in der Bundeswehr und renovierungsbedürftige Schulen, Brücken, Kasernen, Schwimmbäder etc. stellen nur die Spitze des Eisbergs dar.
Tatsächlich haben sich unter Merkels Kanzlerschaft 14 marode Politikfelder aufgemacht:
1. Militärpolitik: marodes Material und Kasernen
2. Infrastrukturpolitik: marode Straßen, Brücken, Schulen, Schwimmbäder; steinzeitliche Digitalisierung
3. Flüchtlings/Asylpolitik: unwürdige Unterbringung (ausländerfeindliche Parolen anstelle weitsichtiger Vorkehrungen)
4. Investitionspolitik: Investitionsschutzklauseln (TTIP,, ...) anstelle "Eigentum verpflichtet"
5. Umwelt/Klimapolitik: Verfehlung des 2Grad-Ziels anstelle mutiger Entscheidungen
6. Bildungspolitik: Mittelmaß anstelle Humboldt'scher Ideale, geringe Akademikerrate
7. Rentenpolitik: absehbare Altersarmut anstelle eines akzeptablen Rentenniveaus
8. Familienpolitik: niedrige Geburtenrate bei fehlgesteuerter Familienförderung
9. Verfassungspolitik: Vorrang von vorgeblichen Sicherheitsinteressen vor Bürgerrechten
10. Solidaritätspolitik: Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander (bei Vermögen Und Einkommen)
11. Steuerpolitik: Steuerhinterziehung, Steueroasen, Steuerungerechtigkeit (Erbschaftssteuer etc.) schmälern Staatseinkommen
12. Finanzmarktregulierungspolitik: zögerliche, unzureichende Regulierungsschritte beschneiden kaum das weiterhin bestehende Primat der Finanzmärkte (zu Lasten der Steuerzahler im Crash-Fall)
13. EURO-Rettungspolitik: entgegen anderslautender Zusicherungen gehen Risiken zu Lasten der deutschen Steuerzahler, Sparer, Rentner und Vorteile zugunsten der Finanzbranche
14. Innenpolitik: wachsende Staatsverdrossenheit
Sigismund Ruestig verleiht diesen Mängeln Ausdruck.
http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Und wo sind die Zukunftsstrategien?

Account gelöscht!

06.08.2015, 17:50 Uhr

Diese Alternative gibt es bereits seit 2013 und diese Alternative für Deutschland (AfD) wird auch genau diese Themen in Zukunft anpacken und dieser alternativlosen Politik der Merkel Diktatur ein Ende bereiten. Danke!

Herr Peter Spiegel

06.08.2015, 18:13 Uhr

Le Pen wird die Sache regeln und all diesen Schwachsinn beenden. Die einzige
Chance für Deutschland.

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