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09.04.2015

11:47 Uhr

Der Anlagestratege

Mischfonds sind überbeliebt

VonChristoph Bruns

Die Deutschen stürzen sich auf Mischfonds, dabei könnten sie mit reinen Aktienfonds viel höhere Renditen erzielen. Vielleicht ist das ein erster Schritt hin zu einem Aktienengagement, das wäre erfreulich, aber ein Umweg.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Wer nach Belegen für Irrationalität im Anlegerverhalten sucht, der wird auf dem deutschen Fondsmarkt – aber nicht nur dort - rasch fündig. Seit Jahren ergießt sich eine große Anlagewelle in sogenannte Mischfonds, bei denen die Anlagegelder auf mehrere Anlagegattungen wie zum Beispiel Anleihen, Aktien und mitunter sogar Rohstoffe aufgeteilt werden. Auffällig ist dabei, dass deutsche Anleger sich unverändert schwer tun, in der Königsklasse unter den Anlagearten, Aktien und Aktienfonds, zu investieren.

Will man die zu beobachtenden hohen Zuflüsse in Mischfonds positiv deuten, so könnte man etwa sagen, dass damit immerhin ein erster Schritt hin zum Thema Aktien vollzogen wird. Sollte dem so sein, dann wäre die Entwicklung also erfreulich, wenngleich sie inkonsequent ist. Ähnlich Kleinkindern, die zunächst laufen lernen müssen, bevor sie rennen können, ist es für die meisten Anleger in Deutschland gegebenenfalls sinnvoll, ihr Geld zunächst in Mischfonds zu investieren, um dann später den Sprung in die Aktienanlage zu schaffen. Der Preis für ein solches pädagogisches Investment besteht freilich in entgangener Rendite, denn es kann keinen Zweifel daran geben, dass sich Aktienfonds im Laufe der Zeit besser entwickeln als Mischfonds.

Gilt diese Aussage ganz grundsätzlich, so ist sie heute angesichts des ökonomischen Datenkranzes umso mehr gültig. Mischfonds kommen nämlich ihrerseits um das wirtschaftliche Faktum kaum herum, dass es am Anleihemarkt derzeit und auf Jahre hinaus nur wenig Rendite zu ernten gibt. Und der Versuch, durch Ausflüge in physische Vermögensgegenstände wie zum Beispiel Rohstoffe und insbesondere Gold zu diversifizieren, trägt ganz andere Risiken mit sich, wie nicht wenige Spekulanten, die sich für risikoscheue Anleger hielten, in den letzten Jahren schmerzlich erfahren mussten.

Heute steht sogar zu befürchten, dass die Beimischung von Anleihen zu einem Aktienportfolio das Gesamtrisiko eines solchen Portefeuilles eher erhöht als verringert, denn gar manches spricht dafür, dass sich die Anleihemärkte bereits seit Längerem in einer spekulativen Blase befinden. Freilich sind es die internationalen Notenbanken selber, die den Schlüssel zu einem eventuellen jähen Ende der Jahrhunderthausse bei Anleihen in der Hand halten und offenbar kein Interesse daran haben, Ungemach an den Finanzmärkten auszulösen.

Kommentare (2)

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Herr Markus Gerle

09.04.2015, 12:41 Uhr

Herr Bruns, diesmal liegen Sie daneben. Sie dürfen nicht vergessen, dass Menschen, die mit ihrem Vermögensaufbau beginnen, meistens nicht ganz so viel Geld übrig haben. Die Verlustangst ist dann nun einmal da und außerordentlich verständlich. Ich bin in Aktien seit dem Ende meines Studiums 1998 investiert und habe in der Tat inzwischen ein ordentliches Portfolio. Aber selbst ich habe immer noch ein paar Mischfonds dabei. Ich arbeite nämlich und habe daher nicht die Zeit zum Geld verdienen, kann mich also nicht täglich ums Portfolio kümmern. Und da ich seit 1998 alle Crashs mitgemacht habe, kann ich jedem Anleger (vor allem denjenigen, die gerade anfangen) nur empfehlen, sein Vermögen über verschiedene Asset-Klassen zu streuen. Mischfonds sind hierzu eine bequeme Alternative für die arbeitende Bevölkerung.
Zu Rohstoffen: Sie geben selbst ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man Ihren Artikel nicht ernst nehmen sollte. Mit Rohstoffzertifikaten habe ich mal eine stattliche Summe verdient. Ausgestiegen bin ich etwas vor dem Peak. Alle Anzeichen einer Blase waren erkennbar: Starker Kursanstieg vor dem Peak, hohe Fluktuation im Peak (Tankstellen wechselten 3x am Tag den Preis) und sog. Experten, die einem ein Investment in Rohstoffe empfahlen, traten sogar im Fernsehen auf. Ich habe mir damals ein neues Auto gekauft, was deutlich weniger an Wert verlor als die Rohstoffzertifikate.
Und haben wir nicht derzeit die Situation zumindest bei deutschen Aktien? Starker Anstieg in den letzten drei Monaten, aktuell eine zugegeben noch nicht sonderlich hohe Fluktuation und Leute wie Sie, die zum Aktienkauf empfehlen. Ich hoffe jedoch, dass ich Unrecht habe, da auch ich weiterhin massiv in Aktien überinvestiert bin, neuerdings aber wieder einige Schwellenländer im Fokus habe.

G. Nampf

09.04.2015, 14:33 Uhr

@Markus Gerle

Endlich mal jemand außer mir, der das so deutlich schreibt.

Aber man muß bedenken, daß Herr Bruns als Vorstand der LOYS AG , die fast ausschließlich Aktienfonds ( der eine Mischfonds wird auf der Website als "aktienlastig" beschrieben ; ein Schelm, der Böses dabei denkt) verkaufen will. Natürlich behauptet er, diese seien die beste Anlageklasse.

Bedenklich finde ich es aber, daß Herrr Bruns im HB jeden Donnerstag ganz offen Werbung für ein Produkt machen darf, mit dem er Geld verdient, während in den Kommentaren fast jeder Link zur Erläuterung gelöscht wird (wegen "Kommentare sind keine Werbeflächen").

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