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24.09.2015

16:10 Uhr

Der Anlagestratege

Muss der Staat Volkswagen retten?

VonChristoph Bruns

Der Abgasskandal von Volkswagen hat das Potenzial, den Konzern mehr zu kosten als BP für das „Deepwater Horizon“-Unglück zu zahlen hatte. Unser Kolumnist wagt ein Gedankenspiel – und zieht Vergleiche mit Landesbanken.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Volkswagen hat in diesem Jahr einen „Lauf“. Zunächst wurde das staunende Publikum durch die Querschüsse des Ferdinand Piëch trefflich unterhalten, bis dieser unter dem Druck der öffentlichen Meinung beidrehen musste. Dann schwang sich VW, gemessen am Fahrzeugabsatz, zum größten Automobilhersteller der Welt auf. Und nun wird das VW-Jahr durch einen handfesten Paukenschlag garniert, dass die Wolfsburger zugeben müssen, bei mindestens elf Millionen Fahrzeugen Abgaswerte manipuliert zu haben.

War es die Besessenheit und Eitelkeit, die größten Automobilisten der Welt sein zu wollen, die im VW-Vorstand das Maß für Recht und Anstand verloren gehen ließen? Oder war es der große staatliche Einfluss in Wolfsburg, der den vollständig privaten Unternehmen gerne beweisen will, wie überlegen das korporatistische deutsche Wirtschaftsmodell sein kann. Zudem darf ja nicht vergessen werden, dass es ein eigens verabschiedetes VW-Gesetz gibt, mit dem Deutschland im Übrigen gegen den EU-Geist verstößt. Aber derartige Verstöße gegen die vielbeschworenen EU-Werte scheinen in diesen Monaten und Jahren ohnehin nicht allzu wichtig genommen zu werden, wie der Murks um Griechenland und das aktuelle Flüchtlings-Chaos eindrücklich bestätigen.

Sogleich drängt sich bei VW der Vergleich zu RWE auf, bei dem ebenfalls die öffentliche Hand maßgeblich beteiligt ist. An dieser Stelle werden zudem unheilige Erinnerungen an das deutsche staatliche Bankwesen wach, welches ebenfalls gegen den Widerstand der EU betrieben wurde. Bis zur großen Finanzkrise hatten bekanntlich einige bundesdeutsche Länder durch ihre Landesbanken versucht, am weltweiten Finanzspiel in vorderster Reihe teilzunehmen. Ausgestattet mit Staatsgarantien gebärdeten sich viele Landesbanken wie vogelwilde Hedgefonds, bis sie dann durch die US-amerikanische Subprime-Krise schmählich kollabierten.

Im Unterschied zu Hedgefonds, die stets mit Eigenkapital arbeiten und nicht systemrelevant sind, durften in diesem Fall am Ende der deutsche Steuerzahler sowie der hiesige Zinssparer die hiesige staatliche Abenteuerlust ausgleichen. Die Streckung der aufgelaufenen Verluste durch „Bad Banks“ macht die Sache zwar intransparenter, nicht aber billiger. Immerhin ist dem Steuerzahler dieses Vorgehen bereits hinreichend durch den ständig hinausgeschobenen Griechenland-Bankrott bekannt.

Kommentare (8)

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Frau Annette Bollmohr

24.09.2015, 16:31 Uhr

"Muss der Staat Volkswagen retten?"

Soweit kommt's noch.

Volkswagen muss sich selbst retten.

Wir sind doch nicht im Kindergarten!!!

Account gelöscht!

24.09.2015, 17:02 Uhr

"Zudem darf ja nicht vergessen werden, dass es ein eigens verabschiedetes VW-Gesetz gibt, mit dem Deutschland im Übrigen gegen den EU-Geist verstößt. Aber derartige Verstöße gegen die vielbeschworenen EU-Werte scheinen in diesen Monaten und Jahren ohnehin nicht allzu wichtig genommen zu werden, wie der Murks um Griechenland und das aktuelle Flüchtlings-Chaos eindrücklich bestätigen."

Dann kommt es auf die Rettung von Volkwagen auch nicht mehr an. Im Gegenteil: Hier geht es immerhin um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland. Eine bessere Investition als in die derzeit planlose Asylpolitik.

Hermann Froesch

24.09.2015, 17:39 Uhr

Aber Griechenland retten ist in Ordnung? Da geht es um wesentlich höhere Summen.

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