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10.01.2013

11:45 Uhr

Der Anlagestratege

Nicht mehr als eine symbolische Leitzinserhöhung

VonChristoph Bruns

Endlich ist es soweit. Die US-Notenbank hat die Zinsen erhöht – weitere Schritten folgen. Doch die Zeit des billigen Geldes ist damit keineswegs beendet. Denn mehr als ein symbolischer Schritt ist diese Zinswende nicht.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Nach vielen wortreichen Ankündigungen, im Jahr 2015 zu handeln, rang sich die amerikanische Notenbank Fed nun dazu durch, den Korridor von Kurzfristeinlagezinsen für Banken um mickrige 0,25 Prozent anzuheben. Es ist ein symbolischer Schritt. Selten wurde einer Notenbank für langes Nichtstun eine derartige Aufmerksamkeit zuteil. Bereits heute eilt der untätigen Zentralbankpräsidentin Janet Yellen der Ruf einer Hyper-Taube voraus – also als Vertreterin einer weichen Geldpolitik.

Ganz in diesem Sinne verkündete die Ehefrau des Wirtschaftsnobelpreisträgers George A. Akerlof, der mit seinen Arbeiten zur Informationsasymmetrie auch vielen Finanzmarktteilnehmern wichtige Einsichten lieferte, den weiteren Fahrplan der Fed für das neue Jahr. Nach Aussage der Notenbankerin wird der Kurzfristzins in jedem der kommenden vier Quartale um jeweils fünfundzwanzig Basispunkte angehoben, sodass sich die Marktteilnehmer auf einen Zins von ungefähr 1,2 Prozent zum Ultimo 2016 einrichten können.

Wenn man berücksichtigt, dass der amerikanische Preisauftrieb ohne Energiepreise bei knapp zwei Prozent liegen dürfte, dann zeigt sich unvermittelt, dass die Ära des billigen Geldes und damit der realen Negativzinsen auch in den USA mit der heutigen Leitzinsanhebung keineswegs beendet wird. Von Normalität, im Sinne des Erreichens der Vorkrisenniveaus bei den Zinsen, bleiben wir folglich auch in Nordamerika noch lange und weit entfernt.

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Rein wirtschaftlich betrachtet hat sich in den letzten Monaten in den USA wenig verändert – schon gar nicht zum Besseren. Insofern war eine Leitzinsanhebung inhaltlich durchaus nicht geboten, zumal die strukturellen Schwächen am Arbeits- wie auch am Immobilienmarkt weiterhin Bestand haben. Dennoch hatte sich die Fed mit ihrer ständigen Ankündigungspolitik selbst in eine Situation manövriert, aus der sie jetzt nur noch durch die seit langem angekündigte Leitzinserhöhung herauskam, sofern sie nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren wollte.

Ungeachtet dessen bergen Zinserhöhungen immer auch psychologische Aspekte. Wenngleich die Finanzmärkte zunächst sehr wohlwollend auf die erneuten „täubchenhaften“ Ankündigungen der Fed reagierten, darf nicht ignoriert werden, dass Wahljahre oft schwierige Konjunkturjahre sind und der erstarkte US-Dollar der amerikanischen Exportwirtschaft mancherlei Kopfzerbrechen bereitet.

 

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