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19.09.2013

13:36 Uhr

Der Anlagestratege

Nichts gelernt

VonChristoph Bruns

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite sind systemrelevante Finanzhäuser noch bedeutender als vor der Krise. An dieser Situation sind die Bürger nicht ganz unschuldig, tragen sie doch ihre Ersparnisse brav zur Bank.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die krachende Insolvenz der Investment Bank Lehman Brothers jährt sich heuer zum fünften Mal. Ohne der Hauptverursacher der Subprime- und Finanzkrise gewesen zu sein, darf Lehman Brothers beanspruchen, als Kulminationspunkt der Krise in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen zu sein. Nach Lehman Brothers wurden in den Vereinigten Staaten alle anderen großen Banken, Versicherer und Industrieunternehmen  als systemrelevant eingestuft und mit Steuergeldern gerettet.

Seither ist der Glaube an die Selbstreinigungskräfte der Marktwirtschaft und die staatliche Neutralität einigermaßen zerrüttet. Verantwortungs- und Leistungsprinzip gelten nur unter dem Vorbehalt staatlicher Genehmheit.

Konsequenz: Systemrelevante Banken und Versicherer sind inzwischen bedeutender als vor der Krise und verfügen über ein nochmals gesteigertes Erpressungspotential gegenüber Staaten.

Wie wirksam dieses Potential eingesetzt werden kann, hat sich in der sogenannten Euro-Krise gezeigt, als die Banken etlicher Länder vor einem Schuldenschnitt durch neu dazu ins Leben gerufene gesamteuropäische Fazilitäten gerettet wurden. Es spricht wenig dafür, dass dieses Gefahrenpotential in der Zukunft wesentlich geringer sein wird.

Unterdessen stehen fünf Jahre nach der Lehman Brothers Pleite die amerikanischen Großbanken insgesamt sehr robust da. Ihre Gewinne nähern sich dem Vorkrisenniveau an oder übertreffen dieses mittlerweile sogar. Entsprechende Boni werden wieder eingestrichen.

Großer Dank gilt der amerikanischen Notenbank Fed, die nichts unversucht gelassen hat, ihre Aktionäre – sprich die privaten Banken Amerikas – zu unterstützen. Interessanterweise hat es in den USA keinerlei ernsthafte Bemühungen gegeben, die Besitzstruktur und das Mandat der Fed sowie die Sonderrolle der New Yorker Fed kritisch zu überprüfen. Mangels öffentlicher Unterstützung und Gegenwind aus dem Establishment ist die Protestbewegung Occupy irrelevant geblieben und hat sich inzwischen weitgehend aufgelöst.

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