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18.12.2014

10:45 Uhr

Der Anlagestratege

Notenbanken bescheren Finanzmärkte

VonChristoph Bruns

Pünktlich zum anstehenden Weihnachtsfest wird der Gabentisch der Finanzmärkte von den Notenbanken angereichert. Ein Ausweg aus dem Stagnations-Schlamassel Europas ist das nicht. Neue Wege sind gefragt.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit Ausnahme von Krisenländern wie Griechenland und Russland streben die Zinsen überall neuen Tiefständen zu. Passend zum Fest bekundet nun die amerikanische Notenbank Fed ihre Engelsgeduld bei der Normalisierung der durch die große Finanzkrise eingeschmolzenen Zinsraten. Zu Beginn der Woche war bereits aus dem Land der aufgehenden Sonne ein klares Mandat zum ausgeweiteten Gelddrucken vergeben worden. Der gerade im Amt bestätigte Ministerpräsident Abe hat jetzt den Auftrag, für Inflation und einen fallenden Yen zu sorgen. In Nippon nennt man einen solchen Ansatz zur Belebung des seit vielen Jahren paralysierten Landes „Abenomics“.

Nicht gänzlich anders liegen die Dinge in Europa, obzwar hier kein Mandat für Inflationsanfeuerung und Staatsfinanzierung vorliegt. Dennoch sieht sich die EZB mehr denn je aufgerufen, der nach ihrem Dafürhalten zu geringen Geldentwertung  aktiv entgegen zu wirken. Schon bald werden Mario Draghi und seine Gewährsleute sich anheischig machen, Anleihen verschiedenster Emittentengruppen mit frisch gedrucktem Geld aufzukaufen.

Am haussierenden Bund Future, der sich auf zehnjährige deutsche Staatsanleihen bezieht, kann man ablesen, wie sehr der Bondmarkt dieses Szenario bereits freudig eingepreist hat. Deutsche Staatsanleihen dieser Laufzeit weisen nur noch einen Rendite von kaum mehr 0,6 Prozent aus. Und die Gemeinschaftswährung Euro befindet sich auf einem Jahrestief. Wir reden hier über jene Währung, von der es dereinst bei ihrer Einführung hieß, sie werde mindestens so stark werden wie die abgelöste D-Mark.

Einen Wermutstropfen dürften indessen die fallenden Ölpreise in der Rechnung des EZB-Präsidenten hinterlassen. Denn die Inflationsraten werden im Euro-Währungsraum durch die sinkenden Treibstoffpreise tendenziell nach unten gezogen, wenngleich der hohe Steueranteil beispielsweise in Deutschland und der schwache Euro den Effekt spürbar abmildern. Vielleicht wäre es daher sogar das Klügste, wenn die EZB nicht Anleihen sondern vielmehr Rohöl im Umfang von 1.000 Milliarden Euro kaufte. Auf diese Weise ließen sich Preissteigerungen viel direkter Herbeiführen und gebraucht wird das Öl noch auf lange Frist ebenfalls.

Um Lagerhaltungsproblemen zu entgehen könnte man das Öl auf Termin kaufen und damit die Lieferung über viele Monate und Jahre strecken. Dieser Plan hätte aus Sicht des deutschen Finanzministers obendrein den Vorteil zusätzlicher Steuereinnahmen, denn die Mineralölsteuer und die noch zusätzlich erhobene Mehrwertsteuer würde dann mit dem  anziehenden Ölpreis steigen. Unser Finanzminister scheint einem solchen Szenario jedoch nicht zu trauen, weshalb er es für sicherer hält, die Einnahmeseite durch eine Ausländermaut – jetzt Investitionsabgabe geheißen – aufzubessern.

Kommentare (2)

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G. Nampf

18.12.2014, 11:30 Uhr

"Wie wäre es, wenn man durch deutliche Steuersenkungen,Abschaffung von Bürokratie und energischen Einsparungen in den öffentlichen Haushalten die Kaufkraft und ökonomische Handlungsfreiheit der Bürger und Unternehmen spürbar erhöhte...?"

Herr Bruns,

es ist zwar Weihnachten und damit die Zeit der Wünsche, aber gleich ganz vom Boden abzuheben hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Gerade häufen sich die Meldungen (Maut, Kapitalertragssteuer, etc.), wie man den Bürger noch mehr ausnimmt und da stellen sie SO EINE Frage?

Herr Markus Gerle

18.12.2014, 11:51 Uhr

...Erhöhung der Grunderwerbssteuer in NRW, erhöhung der Grundsteuern in den meisten Kommunen, kürzliche Erhöhung der Tabaksteuer.
Und so niedrig ist die Inflationsrate gar nicht. Meine Krankenversicherung erhöht nächstes Jahr z. B. um 13% (im Schnitt sind es 7% pro Jahr). Auch die kommunalen Abgaben werden wieder steigen.
Nein, der Wunsch von Herrn Bruns wird wohl kaum erfüllt werden. Es gibt zum wuchernden Staat kein Korrektiv. Wir bräuchten einen kompletten Systemwechsel, wobei die Schweiz ein Vorbild sein könnte. D. h., Abschaffung des Berufspolitikertums, Abschaffung des Beamtentums und Einführung von mehr direkter Demokratie (z. B. über Volksentscheide) wären ein erster Schritt.

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