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07.05.2015

12:51 Uhr

Der Anlagestratege

„Notenbanken müssen den Anleihen-Crash verhindern“

VonChristoph Bruns

Der Kursverfall bei Staatsanleihen ist dramatisch. Und er geht weiter, nicht nur in Deutschland. Alle fragen sich: Ist die große Zinswende gekommen? Den Staaten als Schuldnern, aber auch den Gläubigern droht Ungemach.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Eine solch rasche Abwärtsbewegung hat es an den Anleihemärkten in so kurzer Zeit lange nicht mehr gegeben. Innerhalb weniger Tage verlor die marktführende zehnjährige Bundesanleihe fünf Prozent ihres Wertes. Der Bund Future fiel von 160 auf 154 Punkte. Ausländischen Bondmärkten ging es keinen Deut besser, so dass die Kurse für langlaufende Anleihen öffentlicher und privater Schuldner kräftig ins Rutschen gekommen sind. Damit ist auch der Rentenindex REXP seit Jahresbeginn ins Minus gelaufen. Die große Frage lautet nunmehr, ob dies die große Zinswende ist.

Für die Beantwortung dieser Frage ist es wichtig, den historischen Zusammenhang der Lage auf den Anleihemärkten zu kennen. Seit Anfang der 1980-er-Jahre des letzten Jahrhunderts fallen die Zinsen kontinuierlich. Dem Beispiel der Deutschen Bundesbank folgend, machten es die meisten Notenbanken der Welt zu ihrer Aufgabe, Geldwertstabilität vor anderen Zielen zu priorisieren. Bis zum Platzen der Dot.Com Krise in den Jahren 1999 und 2000 bestand die Präferenz der Notenbanken in Inflationsbekämpfung.

Dann aber schwang sich der seinerzeitige Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, Allan Greenspan, auf, die Auswirkungen des Aktieneinbruchs durch billiges Geld zu konterkarieren. Verstärkt wurden diese Bemühungen der Fed, als im September 2001 die Terroranschläge von New York und Washington die Konjunktur abermals zu beeinträchtigen drohten. Im Gefolge der geöffneten Geldschleusen entwickelte sich in den USA eine gewaltige Immobilienpreisblase, die im Jahr 2007 zu Platzen begann, als Hedgefonds des Hauses Bear Stearns in die Illiquidität gerieten.

Ausländische Finanzinstitute und nicht zuletzt deutsche Adressen nahmen prominent am Immobilienspektakel in den Vereinigten Staaten teil. Als dann aber das kreditfinanzierte Kartenhaus zusammenbrach und eine schwere Wirtschaftskrise ante portas stand, sah sich der mittlerweile ins Amt gelangte neue amerikanische Notenbankpräsident Ben Bernanke veranlasst, die Geldschleusen in einer Weise zu öffnen, wie es die Welt vorher nicht für möglich gehalten hatte. Im Gefolge einer wahrhaftigen Gelddruckorgie von nicht weniger als 4.000 Milliarden US-Dollar nebst Dauernullzinspolitik sanken die Renditen für Anleihen auf ungekannte Tiefstände.

Dem Leitmarkt USA folgten mutatis mutandis auch die Zinsen im Rest der Welt, so dass auch dort rekordhohe Anleihekurse verzeichnet wurden. Hinzu trat noch die Rettung einiger Staaten aus dem Euro-Raum, die sich nach der Einführung des Euro viel zu stark zu Konsumzwecken verschuldet hatten und die ihrerseits Bankenrettungen vornehmen mussten. Erst im März dieses Jahres hat die Europäische Notenbank damit begonnen, das Vorbild der Amerikaner zu huldigen, indem mittlerweile monatlich Zinspapiere in Höhe von 60 Milliarden Euro erworben werden.

Kommentare (9)

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Herr Heinz Keizer

07.05.2015, 13:17 Uhr

Notenbanken werden den Anleihe-Crash nicht verhindern, sie sind ein Teil des Problems. Außerdem ist es nicht so, dass die Staaten ihre Probleme in Zeiten niedriger Zinsen nicht lösen konnten, sie wollten nicht. Die ganze Entwicklung geht in die falsche Richtung und wird in den großen Crash führen. Langfristig kann auch eine Notenbank nicht gegen den Markt arbeiten. Aber vielleicht können die Länder ja die "gekaufte Zeit" wieder verkaufen und damit die Schuldenprobleme lösen.

Herr Thomas Podgacki

07.05.2015, 13:40 Uhr

Aber vielleicht können die Länder ja die "gekaufte Zeit" wieder verkaufen und damit die Schuldenprobleme lösen.

Dies wird nicht möglich sein, weil die gekaufte Zeit oder auch erkaufte Zeit vestrichen und somit nicht mehr zur Verfügung steht. Was bei gekaufter Zeit möglicht ist, sie sinnvoll zu nutzen während sie verstreicht.
Siehe den Unterschied GR und IR. GR hat die Zeit benutzt seine Banken auf scheinbar breitere Füße zustellen. ( Nicht breit genug). Fiskalisch ist man ein Entwicklungsland geblieben und wir sollen nochmal und nochmal Zeit kaufen .
Man wird es kaum glauben, aber wir werden Zeit kaufen, obwohl sich die Rechnung verdoppeln kann. Zahlbar wenns knallt.
Dies kann man noch ein Weilchen weiterso treiben. Billiger wirds jedenfalls nicht. Oder haben Sie igendwo was anderes gehört.

Schönen Tag noch.

G. Nampf

07.05.2015, 14:06 Uhr

Immer wenn Herr Bruns nicht die Werbetrommel für Aktien/-fonds rührt, kommen wunderbare, sachlich fundierte, sehr lesenswerte Artikel heraus.

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