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05.02.2015

13:41 Uhr

Der Anlagestratege

Null Ahnung von Börse!

VonChristoph Bruns

Es ist erschütternd, doch eine aktuelle Umfrage hat es wieder gezeigt: Die Deutschen haben keine Ahnung vom Kapitalmarkt. Für den Vermögensaufbau ist das fatal. Es muss sich dringend etwas ändern.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Eine von deutschen Direktbanken durchgeführte repräsentative Befragung zu den Finanzmarktkenntnissen in der Bevölkerung hat erschütternde Ergebnisse erbracht. Die Deutschen haben überwiegend keine Ahnung von Kapitalmarktdingen.

Dabei geht es nicht etwa um einzelne Bevölkerungsschichten, denen an anderer Stelle mitunter Bildungsferne unterstellt wird. Tatsächlich sind ökonomische Kenntnisse erstaunlich gering in der gesamten deutschen Bevölkerung verbreitet, jedenfalls wenn es um Finanzen geht.

Man fragt sich sogleich, was die vielen mühevollen Bildungsreformen gebracht haben, wenn den allermeisten Schülern gar nicht klar ist, wo und wie der materielle Wohlstand unseres Landes erwirtschaftet wird. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Funktionsweise der Wirtschaft und der Börse in den Fächerkanon einzufügen und das Fach „sexuelle Orientierung“ für eine Weile auszusetzen. Immerhin sollte nicht übersehen werden, welch immensen volkswirtschaftlichen Schaden die beschriebene Unkenntnis hervorbringt.

Um die Dimension der Vermögensfehlallokation in Deutschland zu erfassen rege ich folgendes gerundetes und vereinfachendes Beispiel an: Die Deutschen besitzen ein liquides Sparvermögen von 5.000.000.000.000 Euro (fünf Billionen Euro). Wird das Geld in fünfjährige deutsche Staatsanleihen angelegt, dann erbringt das Vermögen derzeit ein jährliches Zinseinkommen von bestenfalls Null. Nehmen wir einmal an, ein breit gestreuter Korb ausgewählter Aktien erbrächte drei Prozent pro Jahr, wobei darauf hinzuweisen ist, dass dies ungefähr der aktuellen Dividendenrendite des Dax entspricht und damit implizit angenommen wird, dass Aktien nie wieder steigen. Bezogen auf das Geldvermögen ergibt sich dann ein jährlicher Zuwachs von 150.000.000.000 Euro (150 Milliarden).

Aha, hier sieht man es. Selbst bei ultra-konservativen Annahmen ergibt sich bei Zinsanlagen eine jährliche Mindereinnahme für die Sparer von 150 Milliarden Euro. Damit entgehen dem Staat, der diese 150 Milliarden Euro tüchtig besteuern würde, seinerseits circa 40 Milliarden Euro. Tatsächlich wäre der Staat aller seiner Haushaltssorgen bar, wenn die Sparer in Deutschland Ahnung von Wirtschaft und Finanzen hätten und ihr Geldvermögen dementsprechend vernünftig anlegten. Der Staat könnte dann die Steuern senken, in Infrastruktur investieren und bestehende Schulden tilgen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

05.02.2015, 14:08 Uhr

Die Deutschen haben keine Ahnung vom Kapitalmarkt.

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Solche Märchen haben die deutsche schon einmal vor dem Zweiten Weltkrieg

gehört...und damals darauf herein gefallen.

Wer keinerlei Aktien kauft bis 2020 hat immer eine kluge Entscheidung getroffen.

Lieber bis 2020 nur kleinere Goldbarren kaufen und zuhause bunkern !!!






Herr Klaus Fischer

05.02.2015, 14:33 Uhr

Da kann ich mich nur anschließen. Wenn man eine Bank eine "repräsentative" Umfrage zum Stand des Finanzwissens zu macht, dann macht man den Bock zum Gärtner. Die Banken verdienen ihr Geld damit, dass sie von den Kunden bezahlt werden und sind damit der Gegner einer jeden Anlagestrategie. Zu behaupten, dass man keine Ahnung von Börse hat, wenn man keine Aktien besitzt, ist wohl der pure Unfug. Ach ja, ich besitze Aktien und auch Fonds, aber damit wirklich Geld zu verdienen ist schwierig und liegt nicht daran, dass ich keine Ahnung habe. Die im Artikel genannten 150 Mrd. Euro wachsen nicht auf den Bäumen, sondern müssen irgendwo her kommen. Sprich wenn jemand an der Börse wirklich Geld verdienen will, dann muss das jemand anderes bezahlen. Ob die Dax-Papiere durchschnittlich 3% abwerfen, hängt von dem Kurs ab zu dem man kauft. Wenn ich einen Fonds kennen würde, der garantierte 3% Nettorendite bieten würde, dann würde ich den auf jeden Fall kaufen, wenigstens bei der aktuellen Lage. Steht hier irgendwo der Name eines entsprechenden Fonds, von dem das wenigstens behauptet wird???? Rendite gibt es nur und zwar ausschließlich gegen Risiko!!!! Das ist die Grundregel, die eigentlich jeder kennen sollte, auch der Verfasser dieses Artikels., der mit seinem Geschreibsel offensichtlich allenfalls die Leser für dumm verkaufen will und das sogar wörtlich ...

Herr Karsten Schiefelbein

05.02.2015, 15:18 Uhr

Schon zu meiner Schulzeit kam uns in 13 Jahren keine einzige Unterrichtsstunde mit dem Thema Wirtschaft zu Gute. Und im Wesentlichen hat sich daran bis heute nichts geändert.

Die Deutschen haben in ihren Genen offensichtlich ein gespaltenes Verhältnis zum Kapitalmarkt.

Die Risikoaversion wird allerdings auch juristisch gefördert. Wenn selbst eine überschaubare Anlage in einen breit gestreuten Aktienfonds schon zig Seiten Beratungsdokumentation nach sich zieht, die allein schon dafür sorgt, dass der bislang aktienunerfahrene Anleger wieder zum Tagesgeld greift, darf sich über mangelnde Aktienkultur nicht beschweren.

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