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27.11.2014

15:05 Uhr

Der Anlagestratege

Öl im Baisse-Modus

VonChristoph Bruns

Mit dem Preisverfall beim Öl hätte niemand gerechnet. Die Deutschen können es gelassen nehmen, an den Aktienmuffeln sind die Kursverluste der Rohstoffaktien vorübergegangen. Verbraucher können auf sinkende Preise hoffen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Zu den überraschendsten Entwicklungen dieses Börsenjahres zählt der deutliche Preisverfall beim Rohöl. Seit Jahresanfang fiel der Ölpreis um fast 30 Prozent. Andere Rohstoffe wie zum Beispiel Metalle befinden sich bereits seit längerem in einer Baisse, nachdem die vorangegangenen Jahre noch von markanten Preissteigerungen geprägt waren. Freilich ist Öl einstweilen der bedeutsamste Rohstoff der Welt und sein Markt ist riesig. Möglicherweise schließt sich damit der Rohstoffzyklus, denn jetzt haben nahezu alle wesentlichen Rohstoffe einen ausgeprägten Abschwung erlebt.

Bei den Rohstoffaktien hat die Baisse erwartungsgemäß zu starken Kursverlusten geführt. Zuletzt mussten Ölaktien und vor allem Zulieferer und Dienstleister im Öl-Bereich heftige Abschläge hinnehmen. Andere Rohstoffgruppen wie etwa Metalle oder Agrargüter haben den Kursabschwung bereits hinter sich gelassen. Es gibt sogar erste Märkte, an denen sich eine Verstetigung der Rohstoffpreise diagnostizieren lässt. Dies gilt etwa für den Kalimarkt, der sich inzwischen befestigt hat, nachdem sich er mit dem Auseinanderfallen des Kartells um Uralkali arrangiert hat.

Eine anhaltende und strukturelle Baisse lässt sich bei den deutschen Strompreisen beobachten, wobei allerdings zu bedenken ist, dass Strommärkte angesichts der regionalen Versorgungsstrukturen eher nationale Märkte sind. Am Niedergang der Kurse von Eon und RWE lässt sich die Abhängigkeit der Produzenten vom Strompreis gut nachzeichnen. Angesichts der dauerhaften strukturellen Marktverwerfungen in Deutschland wird den Stromkonzernen nichts anderes übrig bleiben als die Kostenseite den sinkenden Umsätzen anzupassen. Sofern in Deutschland künftig Grundlastkraftwerke nicht mehr rentabel betrieben werden können, deutet vieles auf eine künftige Verstaatlichung dieser Industrie hin.

Rabiate Kostenanpassungen mussten auch die großen Minenbetreiber vornehmen, nachdem sie sich jahrelang unbekümmert im Glanz steigender Preisnotierungen sonnten. Seitdem aber die große Sause bei Gold, Silber, Eisenerz und so weiter jäh endete, trennten sich nahezu alle Unternehmen von ihren inzwischen reich gewordenen Vorständen und installierten Kostendrücker an den Unternehmensspitzen. Es ist leicht, zu erkennen, dass Schweinezyklen genau aus diesem Material gewoben sind. Die landauf landab zu vernehmenden Beteuerungen, beim nächsten Mal werde alles besser sind also cum grano salis zu nehmen.

Kommentare (1)

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27.11.2014, 15:15 Uhr

Ich weis nicht, ob es die deutschen Energieverbraucher so gelassen nehmen können, wenn diese in der Vergangenheit der grünsozialistsichen Energiewende verstärkt von der Oelheizung auf die Strom (Luft-Wärme) oder Pellets-Hackschnitzelheizung umgestellt haben.....

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