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16.01.2014

13:00 Uhr

Der Anlagestratege

Prokon und die ewige Wiederkehr des Gleichen

VonChristoph Bruns

Das Muster ist stets ähnlich. Anleger werden mit unrealistisch hohen Renditen angelockt. Offenbar macht nicht nur Liebe blind, sondern außergewöhnliche Renditeversprechen ebenfalls.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

„Ein einzig Mittel wär auf Erden, allein es ist unendlich schwer, die Narren müssten weise werden, und seht! sie werden´s nimmermehr. Nie kennen Sie den Wert der Dinge, ihr Auge schließt, nicht ihr Verstand…“
Kaum zwei Wochen ist es her, dass ich den Handelsblatt Online Lesern mit dieser Weltweisheit von Christian Fürchtegott Gellert anlässlich des Jahreswechsels eine Freude machen wollte, und schon wird mit Prokon die nächste Bestätigung dieses universellen Befundes geliefert. Man möchte sogleich auch an Albert Einstein denken, von dem die Aussage belegt ist, dass zwei Dinge unendlich seien, das Universum und die menschliche Dummheit, er sich aber beim Universum noch nicht ganz sicher sei.

Fürwahr, in der Anlagewelt gibt es ein Ausmaß an Naivität, dass sich kaum wird in anderen Lebensbereichen finden lassen. Und die Deutschen scheinen ein besonderes Talent für Dummheiten auf diesem Gebiet zu besitzen. Der Analphabetismus in Kapitalanlagedingen breiter Volksschichten und ihrer politischen Führer rächt sich für viele Anleger nun bitter. Mitleid ist aber nicht angebracht, denn ökonomische Bildung und Beratung ist zu einem Großteil Holschuld.

Zwar wäre es wünschenswert, wenn sich die Schulen unseres Landes der Grundbildung in Finanzfragen stärker annehmen würden. Dies aber wird hoheitlich nicht gewünscht, denn dann würden die Menschen weniger Staatspapiere und Staatsanleihen kaufende Lebensversicherungen, sondern eher Aktien nachfragen. Wie soll dann der Staat seine ständig steigenden Schulden finanzieren?

Das Muster bei den Prokons und Windreichs der Welt ist stets ähnlich. Anleger werden mit unrealistisch hohen Renditen angelockt. Offenbar ist es nicht nur so, dass Liebe, wie der Volksmund sagt, blind macht, sondern Renditeversprechen mitunter ebenfalls. Besonders auf gutmenschlichen Gebieten wie Solar, Wind, Bio und dergleichen wird mit unkritischer Zugetanheit vieler Menschen gerechnet. So war es vor der großen Finanzkrise auch bei Banken aus Island, die mit enormen Termingeldzinsen Einlagen in Deutschland einsammelten und schließlich insolvent wurden. Oder bei dem Amerikaner Bernie Madoff, dessen fabelhafte Wertentwicklungen auch bei deutschen institutionellen Anlegern großen Appetit auf dessen Anlageprodukte auslösten.

Kommentare (4)

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KWB

16.01.2014, 13:39 Uhr

Wenn 20 % Rendite in Aussicht gestellt werden, lässt sich leicht mit Beurteilungen wie "unrealistisch", "unseriös" etc. hantieren. Aber bei 6, 7 oder 8 %?? Wer will das beurteilen? Dann muss man tief einsteigen in Bilanzen und Geschäftsmodelle und sich dabei darauf verlassen, dass die Angaben stimmen. Wenn dann auch noch der Staat seine Finger im Spiel hat, wird jede Investition zum Glücksspiel.

Hinterher sind dann alle klüger und können sich gar nicht mehr vorstellen warum man sich früher anders entschieden hat. All die ex post Klugscheisser vergessen nämlich, dass man Geschäftsmodelle so wenig vorhersagen kann wie Aktienkurse. Insbesondere Vertreter aus der Fondsbranche sollten sich da doch zurück halten. An der Folklore vom "ehrbaren Kaufmann" stimmt eigentlich nur, dass sie nie gestimmt hat.

Grundsätzlich kann man aber Privatanlegern empfehlen von Genussrechten die Finger zu lassen, weil man daran keine Verlustbegrenzungsstrategien anschliessen kann.

azaziel

16.01.2014, 14:47 Uhr

Waehrend die Wirtschaft 2013 in Deutschland um schwache 0.4 % wuchs, stiegen die Steuereinnahmen um 3,5%. Trotzdem konnte der deutsche Staatshaushalt nicht ausgeglichen werden. Obwohl die Staatsschulden in Deutschland mit circa 80% des BIP unangemessen hoch sind, legt die neue Bundesregierung ein ausgesprochen ungezuegeltes Ausgabeverhalten an den Tag. Auch ohne einen Konjunktureinbruch werden die deutschen Staatsschulden weiter steigen. Die Risiken aus der weiter schwelenden Finanzkrise und der in diesem Zusammenhang eingegangenen grosszuegigen Verpflichtungen zugunsten unserer Partnerstaaten werden ignoriert. Auf die “Schuldenbremse” wird geschissen.

Da sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass sich die Finanznoete Deutschlands und seiner Partnerlaender dramatisch verschaerfen werden. Man sollte versuchen sein Vermoegen zu diversifizieren um drohende Verluste so gering wie moeglich zu halten. Und man sollte sich mit Gleichmut wappnen, denn diese Situation kann nur aufgeloest werden, wenn alle, alle, alle an den Verlusten beteiligt werden. Finanzielle Repression wird demnaechst die Unternehmen und die Aktionaere treffen, die sich gerade ueber ihre ordentlichen Gewinne freuen wollten.

Robby

16.01.2014, 16:13 Uhr

Offenbar macht nicht nur Liebe blind, sondern außergewöhnliche Renditeversprechen ebenfalls.

Wie Wahr, wie wahr, liebes Handelsblatt. Aber vielleicht können sie mir ja weiterhelfen? Erinnern sie sich noch an ihren ehemaligen Chefredakteur Gabor Steingart? Mit Sicherheit.Eine Frage hätte ich zu ihm: War es bei ihm Liebe, die in blind machte, als er die Parole "Wir kaufen griechische Staatsanleihen" ins Leben rief?

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