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29.05.2014

10:26 Uhr

Der Anlagestratege

Schaden von Europa abwenden

VonChristoph Bruns

Mit der AfD hat eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Das ist ein gutes Zeichen für unsere Demokratie. Jetzt ist endlich die Zeit gekommen, sich mit den Fehlern des Euros auseinanderzusetzen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Mit deutlichen Kursavancen haben Aktien- und vor allem die Anleihenmärkte auf den Ausgang der Europawahl reagiert. Warum sollten sie auch nicht, bleibt doch im Wesentlichen alles beim Alten. Die staatstragenden Parteien bilden im neugewählten Parlament eine solide Mehrheit und werden den eingeschlagenen Kurs mutatis mutandis fortsetzen, sobald sich die Aufregung über einige länderspezifische Wahlausgangsbesonderheiten gelegt hat.

Aus deutscher Sicht hat die Wahl sogar zusätzliche positive Aspekte gehabt, namentlich die durch den Verknüpfungstrick mit Kommunalwahlen an vielen Orten erhöhte Wahlbeteiligung und den Sprung einer neuen Partei ins Europäische Parlament. Geradezu bemerkenswert ist insofern die Lebendigkeit der deutschen Demokratie bei gleichzeitiger Stabilität seiner tragenden Konstanten.

Mit der AfD hat unterdessen eine neue Partei den Sprung nach Brüssel geschafft. Wenige Jahre zuvor hatte die Piratenpartei bei Landtagswahlen für Furore gesorgt und den Beleg erbracht, dass unser Parteiensystem keineswegs so erstarrt ist, dass neue Parteien chancenlos im real existierenden deutschen Demokratiebetrieb wären. Freilich bleibt das Musterbeispiel einer Parteietablierung die Partei Die Grünen, die inzwischen aus der Parteienlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Nun kommt mit der AfD eine junge Partei empor, deren Existenz man sich in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als es um die Einführung des Euro ging, dringend gewünscht hätte. Möglicherweise hätte eine intensivere öffentliche Debatte damals die voreilige Einführung des Euro verhindern und damit viel Schaden von Europa abwenden können. So aber ist es eine Ironie, dass die inzwischen gut etablierte Währung Euro Parteien auf den Schild hebt, die dessen Abschaffung fordern.

Das ändert aber nichts an dem Umstand, dass der Wahlerfolg der AfD ein gutes Zeichen für unsere Demokratie ist. Wie sehr seitens des politischen Establishments versucht wurde, der AfD ein braunes Mäntelchen umzuhängen und sie aus dem Kreis der wohl eingerichteten Altparteien herauszuhalten, konnte keinem neutralen Beobachter entgehen.

Kommentare (9)

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29.05.2014, 10:36 Uhr

Nehme ich beim Handelsblatt ein leichtes umdenken in Bezug auf die AfD und das Demokratieverständnis wahr....?
Weiter so...NICHT "Rechts" und "Links" Denken, sondern sich mit den Sachthemen und Problemen der Bürger/Wahlgesellschaft auseinandersetzen. Danke!

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29.05.2014, 11:14 Uhr

Ein guter Artikel!

Account gelöscht!

29.05.2014, 11:39 Uhr

Die AfD ist konservativ-liberal. Das heißt:

In wirtschaftspolitischen Fragen ist sie marktwirtschaftlich ausgerichtet und für einen schlankeren Staat.

In gesellschaftspolitischen Fragen dagegen ist sie konservativ. Sie ist gegen die Gleichstellung von sogenannten Homoehen mit richtigen Ehen, gegen den Genderidiotismus und für die Förderung von Ehe und Familie.

In beiden Bereichen vertritt sie Positionen, die früher zum selbstverständlichen Markenkern von CDU und CSU gehört haben, von diesen Parteien aber schmählich verraten worden sind.

In der Energiepolitik fordert sie die Abschaffung des EEG. Das EEG zerstört bekanntlich die Kaufkraft weiter Teile der Bevölkerung und vernichtet großflächig Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie. Insofern ist seine möglichst schnelle Abschaffung eine Frage des Überlebens für die deutsche Wirtschaft.

Ob es wirklich unmöglich sein wird, zu einer geordneten Auflösung des Euro und der durch ihn erzwungenen großdimensionierten Vergemeinschaftung der Staatsschulden im Euroraum zu kommen, wird noch zu prüfen sein. Die Alternative zum Einheitseuro ist ja nicht nur ein Zurück zu nationalen Einzelwährungen, sondern auch, wie Henkel es fordert, eine Aufspaltung von und Nord- und Südeuro.

Wenn man bedenkt, dass die EZB dabei ist, mit ihrer unbegrenzten Politik der Geldvermehrung und des Niedrigzinses das Vertrauen in den Euro langfristig zu zerstören, ist es m.E. durchaus eine Überlegung wert, ob dem dadurch am Ende unvermeidlichen Währungscrash nicht doch die Friktionen, die mit einer geordneten Auflösung dieser Katastrophenwährung verbunden sind, vorzuziehen sind.

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