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15.01.2015

12:30 Uhr

Der Anlagestratege

Schluss mit der Diskriminierung der Aktie!

VonChristoph Bruns

Dass es mit der deutschen Aktienkultur nicht weit her ist, ist auch der Staat schuld. Gefördert wird lieber die Schuldenmacherei. Aktionäre aber werden doppelt und dreifach geschröpft. Das muss aufhören.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Vor einer Woche hatte ich in meiner Kolumne vorgeschlagen, die Diskriminierung der Aktienanlage in Deutschland zu beenden, um eine größere Beteiligung der Bevölkerung an der Wirtschaft zu erleichtern. Ein aufmerksamer Leser fragte daraufhin, worin denn die unterstellte Benachteiligung bestehe? Dieser berechtigten Frage möchte ich heute kurz nachgehen.

Wenn eine Bank, eine Versicherung oder ein Pensionsfonds Wertpapiere erwerben und halten will, dann macht es einen großen Unterschied, ob Anleihen oder Aktien gekauft werden. Während Staatsanleihen in beliebigen Umfang gekauft werden dürfen, weil der Staat sie für risikolos erklärt hat, sind die Aktienquoten gedeckelt. Schlimmer noch: Für Aktienanlagen muss eine Eigenkapitalunterlegung erfolgen, was das Halten von Aktien deutlich verteuert und in der Praxis oft nicht durchsetzbar macht.

Besonders folgenreich ist die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Eigen- und Fremdkapital, denn sie führt zu einer Doppelbesteuerung von als Dividenden ausgeschütteten Erträgen bei Aktiengesellschaften. Deutsche Unternehmen zahlen, je nach Standort, circa 30 Prozent Ertragsteuern. Aus einem Vorsteuergewinn von 100 Euro werden also 70 Euro nach Steuern.

Die Dividendenausschüttung erfolgt aus versteuertem Gewinn, so dass die 70 Euro an den Aktionär ausgezahlt werden. Bei ihm erfolgt ein Steuerabzug bei seiner Depotbank, der aus Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer besteht. Gehen wir von einem Satz von 26,4 Prozent (ohne Kirchensteuer) aus, dann müssen auf die Bruttodividende von 70 Euro noch 18,48 Euro Steuern bezahlt werden, so dass netto 51,52 Euro herauskommen.

Nun müssen Dividenden inhaltlich als Kosten für das bereitgestellte Eigenkapital gewertet werden, ebenso wie Zinszahlungen Kosten für das Fremdkapital sind. Die Zinszahlungen werden jedoch vom Finanzamt als Aufwand betrachtet und mindern den Gewinn, während Dividendenzahlungen nicht als Aufwand anerkannt werden und daher aus versteuertem Gewinn geleistet werden müssen.

Diese Diskriminierung des Eigenkapitals führt dazu, dass Unternehmen sich wesentlich günstiger mit Fremd- als mit Eigenkapital finanzieren können. Mit anderen Worten: Hohe Verschuldungsquoten werden steuerlich gefördert. Während der Banken- und Finanzkrise hat man beobachten können, wie nachteilig zu hohe Verschuldung auf den Steuerzahler wirken kann, wenn er die Überschuldeten retten muss.

Kommentare (10)

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G. Nampf

15.01.2015, 12:51 Uhr

Schluß mit der Werbung für vollkommen überteuerte Aktien!

Hermann Froesch

15.01.2015, 13:36 Uhr

@G. Nampf
Müssen Sie Ihre Unkenntnis über ökonomische Zusammenhänge so deutlich zeigen?

Herr N. K.

15.01.2015, 14:01 Uhr

Ich bin auch dafür die Aktie nicht mehr zu diskriminieren und Eigenkapital zu fördern. Daher wäre als allererste Massnahme eine massive Besteuerung von Spekulation zu beschließen. Haltefristen von nem Monat einführen oder alternativ die Gewinne komplett mit 100% versteuern.
Dann kann man auch von Eigenkapital als Argument reden.
Aber das will ein Fondsmanager sicher auch wieder nicht oder? Dann müsste man ja wieder langfristige Entwicklungen in den Firmen beachten und nicht einfach nur Computer für einen handeln lassen.

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