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22.01.2015

14:53 Uhr

Der Anlagestratege

Schweizer Unabhängigkeit

VonChristoph Bruns

Ganz entgegen der neuzeitlich geschwätzigen Sitten anderer Notenbanken hat die Schweizer Notenbank Fakten geschaffen. Auch Privatanleger wurden eiskalt erwischt. Vor allem Devisenspekulanten lernten eine bittere Lektion.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) ist zu Überraschungen fähig und verschafft sich damit international Gehör. Ganz entgegen der neuzeitlich geschwätzigen Usancen anderer Notenbanken hat die Schweizer Notenbank die Bindung zum Euro von heute auf morgen aufgekündigt, was nicht zuletzt einigen deutschen Stadtkämmerern Bauchschmerzen bereiten dürfte.

Offenbar musste die börsennotierte SNB einsehen, dass ein weiteres Festhalten an der Euro-Bindung zu teuer  und damit aussichtslos wird. Wir erinnern uns an den verzweifelten und im Resultat vergeblichen Kampf der Briten, um ihren Pfund-Kurs im Jahr 1992 – wenngleich damals die Vorzeichen anders herum lagen. Großbritannien  hat im Gegensatz zur Schweiz seit dem ersten Weltkrieg eine dümpelnde Landeswährung und fährt grosso modo seither am Schlepptau Amerikas.

Ohne Zweifel werden viele Schweizer Unternehmen durch die deutliche Währungsaufwertung verstärkten Gegenwind erhalten. Einige Firmen haben gar von Werksschließungen und -verlagerungen gesprochen. Besonders solche Unternehmen, die in der Schweiz eine Produktion von austauschbaren Massengütern betreiben, dürften sich schwer tun, mit der Schwachwährungskonkurrenz aus dem umliegenden Euro-Raum.

Aber auch exportlastige Titel wie beispielsweise die Uhren- und andere Luxusgüterhersteller müssen sich auf Rückgänge bei Umsatz und Ertrag vorbereiten. Per Saldo ist jedoch zu bedenken, dass viele Schweizer Unternehmen in Nischen tätig sind, die nur eine überschaubare Preiselastizität aufweisen. Hinzu kommt, dass etliche Unternehmen die Zeit der Euro-Bindung genutzt haben, um Produktionen im oder Zulieferungen aus der Euro-Zone aufzubauen.

Der Schweiz mag insgesamt zugute kommen, dass ihr Franken nicht erst seit der vergangenen Woche eine der härtesten Währungen der Welt ist. Genau besehen stärkt dieses Hartwährungsattribut die Attraktivität der Schweiz längerfristig, denn neben einem gut funktionierenden und schlanken politischen System mit großer Identifikation der Bürger finden Investoren und Unternehmer dort hohe Stabilität, niedrige Steuern und eine hochwertige Infrastruktur.

Die nun von den Schweizern und ihren Unternehmen geforderte Anpassungsleistung dürfte à la longue zu meistern sein, zumal die Aufwertung offenbar zu enormen Kaufkraftgewinnen der Bevölkerung führt und somit eine durchaus erfreuliche Seite besitzt. Freilich werden die Grenzregionen, der stationäre Einzelhandel und der Tourismus besonders unter der Aufwertung zu leiden haben. Es wird noch zu beobachten sein, inwiefern die Schweiz mit Zollmaßnahmen und Grenzverkehrserschwerungen der eingesetzten Entwicklung gegenarbeiten wird.

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

22.01.2015, 15:16 Uhr

Alle Anleger, die in der Schweiz ihr Geld haben, dürfen sich jetzt glücklich schätzen.

Bei Geldanlagen in der Schweiz geht es, wie wir sehen, nicht um Steuerhinterziehung sondern um die Rettung des Geldwerts.

Dass deutsche Beamte in der Schweiz Bürger zur Begehung von Straftaten animierten und der hiesige Staat - bis in die Richterschaft - dies unterstützt, hat schon mehr als ein Geschmäckle aus Sicht eines auf den Rechtsstaatprinzipien geerdeten deutschen Bürgers.

Wenn der Staat das schon "tut", dann ist er bereit, noch ganz andere Sachen zu machen. Ein Deutschland der 50iger hat mit dem Deutschland sehr wenig gemein. Nicht einmal mehr die Grundwerte, auf die wir früher einmal Stolz waren.

Eine Bundeskanzlerin, die Demonstranten in einer Neujahrsansprache in eine rechte Ecke stellt, selbst agiert wie ein Diktator, so etwas hatten wir noch nie.

Herr Peter Krauss

22.01.2015, 17:24 Uhr

Der durchschnittliche Deutsche hat nunmal kein Nummernkonto in der Schweiz.

Die Reichen sind mal wieder ein bischen reicher geworden.

Frau Ich Kritisch

22.01.2015, 18:05 Uhr

Das Konto nutzt im Zweifelsfall nichts. Die Besitzer werden enteignet - das Geld wird für die Schulden Europas an die Schweiz gebraucht.

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