Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.06.2015

09:57 Uhr

Der Anlagestratege

Sommertheater statt Sommerloch

VonChristoph Bruns

Das politische Sommerloch könnte in diesem Jahr ein unterhaltsames Schauspiel zu werden. Die USA sind ein medialer Dauerbrenner, auf das Griechenland-Drama ist Verlass und auch hiesige Politiker treten auf die Bühne.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Den Auftakt des Sommertheaters machte die Doppelnamenträgerin Annegret Kamp-Karrenbauer. Ihre skeptischen Bemerkungen zur Homo-Ehe bescherten der germanischen Netzgemeinde einen furiosen frühsommerlichen Aufreger.

Und das zu Recht, denn man musste sich doch die Augen reiben: Während nämlich der Liberalismus in Wirtschaftsfragen als Neo-Liberalismus verunglimpft wird, gilt er in gesellschaftlichen Dingen als Ausweis avantgardistischen Denkens. Modern ist, so wollen uns etwa die Protagonisten der Homo-Ehe und der sexuellen Vielfalt als Unterrichtsfach glauben machen, wer für die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner und entsprechende Schulfächer in den Bildungseinrichtungen eintritt. Altmodisch und überkommen ist, wer die Ehe für eine besonders förderungswürdige Institution zwischen Mann und Frau hält, deren Ziel es ist, Kinder zu haben.

Es ist schon lustig, wie sich im Lauf der Zeit die Positionen verschieben. Während die Befürworter der Homo-Ehe auf ihre individualistische Selbstverwirklichung pochen, verweisen die Unterstützer des traditionellen Ehebegriffs auf den Fortbestand der Gemeinschaft, womit sie das Gemeinwohl auf ihrer Seite wähnen. Immerhin fällt auf, der der Ausdruck „Gemeinwohl“ heute im Gegensatz zu meiner Schulzeit kaum noch Verwendung findet. Vielleicht liegt darin ein Zeichen für das zurückgehende Interesse am Kollektiven.

Großer Verlass beim Überbrücken des Sommerloches dürfte auf Jung-Ministerpräsident Tsipras und seinem engagierten Finanzminister sein. Seit dem ersten Tag ihrer Amtseinführung unterhält uns dieses Duo zuverlässig und geschickt. Es nötigt mir einigen Respekt ab, wie die beiden einen Drehplan spannend gestalten, obwohl das Ende doch allen Beteiligten völlig bekannt ist. Die Rettungseuropäer haben viel zu viel politisches und pekuniäres Kapital investiert, um dem absurden Gebaren Griechenlands den eigentlich längst verdienten Rauswurf zu bescheren.

Und leider fehlt der hellenischen Politikelite die Würde, selbstständig dem Zirkus durch Austritt aus dem Euro ein Ende zu bereiten. Warum auch; die nämlichen Gründe, die seinerzeit Griechenland veranlasst haben, sich in den Euro herein zu täuschen, sind es auch heute, die die Hellenen bewogen haben, am Euro festzuhalten: günstiger Zugang zu anderer Leute Geld!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×