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04.10.2013

11:29 Uhr

Der Anlagestratege

US-Haushaltstheater ist ein belangloses Geplänkel

VonChristoph Bruns

Die aktuelle Haushaltssperre der USA ist nur politische Folklore. Wenn die Finanzmärkte verstimmt reagieren würden, gäbe es eine zügige Einigung. Doch die Anleger schätzen den Politzirkus realistisch ein.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

In Politik, Wirtschaft und Medien sind Abstumpfungserscheinungen beobachtbar. Herrschte noch vor zwei Jahren helle Aufregung bei der Gefahr einer temporären Regierungsschließung, so sind die Finanzmärkte heute von großer Gelassenheit geprägt. Kein Wunder: Es ist bereits die siebzehnte Schließung der US Verwaltung seit Bestehen des Landes. Gewissermaßen gehören derlei Erscheinungen zum amerikanischen Politik-Ritual.

Insofern weiß jedermann auch, dass es sich bei dem derzeitigen Zirkus nur um eine temporäre Folklore-Einlage handelt. Im zementierten Zwei-Parteiensystem sind solcherlei Hollywoodesken ein probater Weg, um für Kurzweil im ansonsten eher langweiligen Politikbetrieb der USA zu sorgen.

Anders freilich stünde es, wenn die Finanzmärkte gereizt oder gar verstimmt reagieren würden. Dann nämlich käme die übliche Erpressungsdynamik in Gang, die während und seit der Subprime-Krise gut zu beobachten war. Da aber sowohl der Zins- als auch der Aktienmarkt bislang kaum mit der Schulter gezuckt haben, besteht überhaupt keine Eile, vorzeitig die Schlussglocke der antagonistischen Theatervorstellung zu läuten. Vielmehr sind weitere retardierende Momente vor der Klimax dieser Tragödie zu erwarten.

Bedeutsam ist indes, dass sich die Oberen der Wallstreet nunmehr nach Washington begeben werden, um den Politikern einen Fingerzeig zu geben. Ihnen ist die Schließung des Regierungs- und Verwaltungsapparats peinlich. Sie empfinden das vorgespielte Drama als potentiell geschäftsschädigend.

Wie man weiß, ist die Wall Street mit ihren Banken und Finanzhäusern einer der Hauptfinancier der jeweiligen US-Wahlkämpfe. Die Abgeordneten werden es nicht wagen, jenen allzu viel Kummer zu bereiten, die ihnen die teuren Wahlkämpfe auch morgen noch finanzieren sollen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

04.10.2013, 12:09 Uhr


Täuschen Sie sich mal nicht. Vorher sehen Sie fallende Kurse an Wallstreet und in Deutschland.

werner

04.10.2013, 12:42 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

04.10.2013, 15:38 Uhr

Ihr Kommentar ist ganz schön lemminghaft, Herr Bruns.
Es stimmt vielleicht, dass die Wall-Street Einfluss hat, aber dieser Einfluss erstreckt sich nicht auf die Libertären, die die Republikaner anscheinend im Griff haben. Diese Personen denken nicht so objektiv, sondern sind extrem idiologisch. Das kann diesmal schön in die Hosen gehen. Die Unterstützer dieser Gruppierungen besitzen auch eine große Finanzkraft, und kommen nicht von der Wall-Street.

http://www.newyorker.com/reporting/2010/08/30/100830fa_fact_mayer

Es treffen diesmal zwei Seiten aufeinander, die auch noch meinen jeweils im Recht zu sein und die Unterstützung des Volkes zu haben. Das könnte eine idiologischer Shutdown werden.

http://www.economist.com/news/united-states/21587250-shutdown-bad-enough-what-follows-may-be-far-worse-closed-until-further-notice

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