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22.05.2014

16:22 Uhr

Der Anlagestratege

Was Deutschland von der Schweiz lernen kann

VonChristoph Bruns

Die Schweizer haben den Mindestlohn abgelehnt und damit ökonomische Klugheit bewiesen. Die Kritik, das Wahlvolk in der direkten Demokratie sei schlechter informiert, greift nicht. Und das Modell hat weitere Vorteile.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Eine Überraschung war es nicht, dass die Schweizer die Mindestlohninitiative abgelehnt haben. In wirtschaftlichen Belangen haben die Eidgenossen traditionell einen Sinn für das Vernünftige gezeigt. Mindestlöhne ohne Differenzierung nach Branchen und Regionen überzeugen nicht und sind daher schädlich.

Dabei ist der eidgenössische Blick keineswegs einseitig. Bei der sogenannte Abzockerinitiative vor Jahresfrist war dem schweizerischen Wahlvolk in seiner ökonomischen Klugheit nicht entgangen, dass leistungslose Überbezahlung angestellter Manager nicht im Interesse des Volkes liegt und die treuhänderische Kontrolle der Vorstandsvergütungen durch überwiegend institutionelle Kapitalsammelstellen bislang nicht befriedigend funktioniert.

Dennoch haben die Schweizer mit ihrer Ablehnung der 12:1 Gehaltsinitiative deutlich gemacht, dass die Lohnfindung keiner staatlichen Regelung bedarf und vielmehr privatwirtschaftlich und nach Leistung erfolgen sollte. Damit erfuhr das Recht auf Privateigentum eine klare Stärkung.

Zur wiederkehrenden Hauptkritik an der direkten Demokratie in der Schweiz zählt der Vorwurf, dass Elektorat könnte sich zu emotional und zu wenig informiert bei schwierigen Sachfragen zeigen. Blickt man aber auf die getroffenen Entscheidungen der letzten Jahre, dann bestätigt sich dieser Einwand eher nicht, wenngleich etwa die Begrenzung des jährlichen Zuzugs von Ausländern und das Minarettverbot im offiziellen Europa keinen Jubel ausgelöst hat.

Obendrein wäre es scheinheilig, so zu tun, als ob in repräsentativen Demokratien abgewogenere oder gar bessere Entscheidungen gefällt würden. Ein Blick in die Geschichtsbücher genügt, um solchen Glauben als Verstiegenheit zu entlarven. Hatte nicht etwa der Deutsche Reichstag dem Eintritt in den ersten Weltkrieg sein begeistertes Placet erteilt, nachdem Kaiser Wilhelm II meinte, keine Parteien sondern nur noch Deutsche zu kennen?

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