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09.07.2015

16:22 Uhr

Der Anlagestratege

Wenn der US-Arbeitsmarkt schwächelt

VonChristoph Bruns

Auf den ersten Blick gibt es in den Vereinigten Staaten ein Jobwunder. Auf den zweiten Blick erkennen Beobachter Tricks bei der Statistik. Das hat Auswirkungen für Geldanleger weltweit.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Seit vielen Monaten erfreut sich die amerikanische Börse vermeintlich guter Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Wie aufmerksam dieser von den Finanzmarktteilnehmern verfolgt wird, erkennt man daran, dass Ben Bernanke, der vormalige Chef der amerikanischen Notenbank Fed, das Sinken der Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent als Schwelle für den Beginn von Zinserhöhungen definiert hatte. Heute liegt die amtliche Arbeitslosenquote bei 5,3 Prozent (Stand Juni) und Zinserhöhungen durch die Fed hat es bislang keine gegeben.

Wie kann das sein, wo doch die Arbeitslosenquote mittlerweile 57 Monate in Folge gesunken ist und damit so niedrig liegt wie zuletzt im Jahr 2008? Eine Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Definition der Arbeitslosigkeitsquote.

Genau besehen müsste die Arbeitslosenquote in Arbeitssuchendenquote umbenannt werden um den Kern der Berechnung wiederzugeben. All jene Arbeitslosen nämlich, die aufgegeben haben, nach Arbeit zu suchen, obwohl sie gerne arbeiten würden, werden in der Arbeitslosenquote gar nicht erfasst. Die Anzahl dieser Menschen ist aber in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Zugleich ist die Quote derjenigen Menschen, die offiziell einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, deutlich gesunken. Heute liegt die Teilnahmequote am Arbeitsmarkt so niedrig wie zuletzt im Oktober 1977. Vieles spricht dafür, dass die USA inzwischen mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, wie sie Deutschland in den neunziger Jahren und bis zu den Hartz Reformen der seinerzeitigen Regierung Schröder erlebt hat.

Als weiteres Zeichen für einen strukturell eher schwachen Arbeitsmarkt muss die Entwicklung der Arbeitslöhne gelten. Auf diesem Feld sehen Ökonomen bereits seit zwei Jahrzehnten eine Stagnation, jedenfalls wenn es um die Reallohnentwicklung geht. Während die sinkende Arbeitslosenquote eher Hoffnung auf eine zunehmende Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer verbreitet, bestätigt die enttäuschende faktische Lohnentwicklung eher das schwache Gesamtbild des Arbeitsmarktes.

Hinzu kommt, dass in den Vereinigten Staaten Gewerkschaften keinen großen Einfluss mehr haben. Seit der Ära Ronald Reagan konnten die Unternehmensverbände unter geschickter Ausnutzung gewerkschaftlicher Fehler und guter lobbyistischer Verbundenheit den Einfluss der Arbeitnehmervertretungen deutlich stutzen. Die magere Reallohnentwicklung mag auch diesem Faktor zum Teil geschuldet sein.

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