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12.11.2015

15:10 Uhr

Der Anlagestratege

Willkommenskultur für Aktienanlagen

VonChristoph Bruns

Alle Fakten zur Vermögensmehrung ignorierend, setzten die Deutschen auf zinsgebundene Anlageformen. Die meisten Anleger stört es kaum, dass sich die Märkte gewandelt haben. Dabei wäre es gut, Aktien willkommen zu heißen.

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Der Anlagestratege

Christoph Bruns ist Fondsmanager, Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG und Kolumnist für Handelsblatt Online.

Deutschland erfährt international in diesen Wochen viel Lob aber wenig Nachahmung für seine Willkommenskultur. Das Wort selbst erfüllt alle Voraussetzungen, um zum Wort des Jahres gewählt zu werden. Vergleicht man das Verhalten der europäischen Nachbarstaaten, so scheint es sich beim deutschen Ansatz wieder einmal mehr um einen Sonderweg zu handeln. In der Energiepolitik hatte Bundeskanzlerin Merkel bereits einen avantgardistischen Weg eingeschlagen, indem sie kurzerhand die Sofortabschaltung von Atomkraftwerden dekretierte.

Auch auf dem Gebiet der Kapitalanlage wandeln die Deutschen auf einem Sonderweg. Alle Fakten zur sinnvollen langfristigen Vermögensmehrung ignorierend, setzt man in Deutschland beharrlich auf zinsgebundene Anlageformen. Dabei scheint es ein Gros der Anleger wenig zu stören, dass sich die Kapitalanlagewelt in den letzten Jahren radikal wandelte. Während Berlin auf dem Feld der Energie- und Flüchtlingspolitik äußerst mutig wenn nicht gar tollkühn agiert, ist etwa die Altersvorsorgepolitik von einem abgrundtiefen Traditionalismus gekennzeichnet. Die Augen vor der dramatischen Umkehr der Notenbankpolitik verschließend, ignoriert die Politik die kommende Altersarmutsproblematik zur Gänze.

Seit der großen Finanzkrise der Jahre 2007-2009 hat sich die Situation an den Finanzmärkten vollkommen verändert. Notenbanken fühlen sich heute nicht mehr der Geldwertstabilität, sondern vielmehr der Erzeugung von Inflation verpflichtet. Der Monetarismus à la Milton Friedman scheint widerlegt, indem steigende Geldmengen durchaus nicht kurzfristig zu steigender Inflation führen. Anlagen in Staatsanleihen, die ehedem als risikolos galten, müssen nach den beinahe Staatspleiten von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien als riskant angesehen werden. Insofern hat sich auch der Risikobegriff, wie er einst gegolten haben mag, in sein Gegenteil verkehrt. Heute liegen die Dividendenrenditen vieler Aktien um ein Vielfaches höher als die Kupons von Staatsanleihen.

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