Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2014

15:41 Uhr

Der Vorteil der Währungsunion

Glücksfall Euro

VonJan Mallien

Eine eigene Währung gilt manchen als Patentrezept gegen die Probleme der Euro-Zone. Doch nun leiden Schwellenländer wie die Türkei unter schweren Währungsturbulenzen. Das zeigt: Ganz so einfach ist die Sache nicht.

Jetzt zeigt sich: Eine Währungsunion schützt vor manchen Turbulenzen. dpa

Jetzt zeigt sich: Eine Währungsunion schützt vor manchen Turbulenzen.

Für Bernd Lucke ist die Sache klar. Griechenland und andere Krisenländer sollen aus dem Euro austreten – dann wird alles gut. Wenn Griechenland eine eigene Währung habe, könne es abwerten und so wieder wettbewerbsfähig werden. Als leuchtendes Beispiel führt der Chef der Euro-kritischen Alternative für Deutschland (AfD) gerne die Türkei an. „Die Türkei hat doch nicht viel bessere Produkte als Griechenland, [sie] boomt aber dank ihrer eigenen Währung“, sagte Lucke dem Spiegel im Juli 2013.

Seitdem hat die türkische Lira rund 20 Prozent ihres Wertes verloren. Jetzt wird offenkundig, dass die Türkei lange über ihre Verhältnisse gelebt hat und sich viel zu hoch im Ausland verschuldete. Das Land droht in einen Strudel aus Abwertung, Rezession und Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Auch andere Schwellenländer wie Südafrika oder Indien haben ähnliche Probleme. Am Dienstag musste die kasachische Notenbank den Wechselkurs der Landeswährung Tenge um 19 Prozent abwerten.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Die Währungen vieler Schwellenländer sind mächtig unter Druck geraten. Mit allen Mitteln versuchen ihre Notenbanken nun gegenzusteuern. Die türkische Zentralbank beispielsweise hat jüngst den Leitzins auf einen Schlag von 4,5 auf 10 Prozent angehoben. Viele Marktbeobachter sprachen von einer Panikaktion.

„Deutsche Euro-Skeptiker haben lange behauptet, der Kontrast zwischen Griechenland und der Türkei zeige, dass Länder mit eigener Währung besser fahren“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Die türkischen Turbulenzen zeigen, dass dieses Argument so nicht stimmt. “ Es komme auf die Wirtschaftspolitik an. Schmieding ist überzeugt: „Ohne den Euro hätten wir jetzt ähnliche Turbulenzen innerhalb Europas.“ Vor dem Euro hätten sich Währungsspannungen in Europa oftmals auf eine Art entladen, die erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet habe.

Ähnlich äußert sich der US-Ökonom Edwin Truman vom Peterson Institute for International Economics in Washington. „Ich gehe fest davon aus, dass es ohne den Euro ähnliche Probleme in Europa gegeben hätte wie jetzt in den Schwellenländern, vor allem 2008 und auf jeden Fall Anfang 2010", sagt er. Die Vorteile einer gemeinsamen Währung hätten den Ländern der Euro-Zone vor allem während der Finanzkrise geholfen. „Die Regierungen konnten sich auf die Bekämpfung der Krise mit geld- und fiskalpolitischen Mitteln konzentrieren und mussten sich nicht auch noch mit dem Wechselkurs herumschlagen.“

Kommentare (104)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Schuldenunion

12.02.2014, 15:47 Uhr

Satire?

RumpelstilzchenA

12.02.2014, 15:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Joker1

12.02.2014, 15:53 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×