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08.03.2004

06:32 Uhr

Der weltweit zweitreichste Mann sieht kaum Anlagechancen – Stichelei gegen die US-Regierung

Warren Buffett hortet seine Milliarden

VonTobias Moerschen (Handelsblatt)

Tausende Anleger standen am Samstag frühmorgens auf, um den neuen Aktionärsbrief von Multimilliardär Warren Buffett im Internet als Erste zu lesen. Alljährlich äußert sich der zweitreichste Mann der Welt und Chef der börsennotierten Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway zum vergangenen Geschäftsjahr und zu heiklen Themen der US-Wirtschaft. Wer allerdings auf Aktientipps oder ermutigende Worte zu den globalen Finanzmärkten hoffte, wurde enttäuscht. „Seit einigen Jahren finden wir es schwierig, deutlich unterbewertete Aktien zu finden“, schreibt Buffett gleich zu Beginn seines Briefes.

NEW YORK. Zwischen den Zeilen deutet Buffett an, dass er auch die Anleihemärkte für wenig attraktiv hält. Seine Worte passen zu dem riesigen Geldberg, den Berkshire im vergangenen Jahr angehäuft hat. Zu Beginn dieses Jahres hielt Buffetts Holding 31,26 Mrd. $ in Bargeld und ähnlich liquiden Vermögenswerten. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert bei 10,28 Mrd. $. „Es ist schmerzlich, auf so viel Geld zu sitzen, aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen“, erläutert Buffett seine vorsichtige Anlagestrategie.

Mit einem geschätzten Vermögen von 42,9 Mrd. $ ist Warren Buffett der zweitreichste Mann weltweit nach Microsoft-Gründer Bill Gates. Der kauzige Senior, der sich gern als Otto-Normal-Amerikaner mit Baseballkappe und Hornbrille präsentiert, kontrolliert einen Mischkonzern, dessen Hauptstandbein im Versicherungsgeschäft ergänzt wird durch mehrere Hedge-Fonds-ähnliche Finanzaktivitäten und zahlreiche Industrietöchter. Im vergangenen Jahr verdoppelte Berkshire den Nettogewinn fast auf 8,15 Mrd. $.

Der 73-Jährige zeigt sich „weder enthusiastisch noch negativ“ gestimmt für sein Portefeuille an börsennotierten Wertpapieren. Dazu gehören milliardenschwere Aktienpakete am Getränkeriesen Coca-Cola, an dem Finanzhaus American Express und dem Rasierspezialisten Gillette. Buffett bedauert, den Höhenflug der Börsen Ende der 90er-Jahre nicht zum Ausstieg genutzt zu haben.

„Ich habe einen großen Fehler begangen, einige große Beteiligungen nicht während der großen Spekulationsblase verkauft zu haben“, schreibt er. Zugekauft hat der Multimilliardär im vergangenen Jahr Aktien des US-Bankriesen Wells Fargo. Diese Nachricht dürfte der Wells-Fargo-Aktie am heutigen Montag Auftrieb verleihen.

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