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18.06.2017

12:48 Uhr

Deutsche Aktienkultur

Privatanleger entdecken Dax für sich

VonMark Fehr
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Eine Studie durchleuchtet den wichtigen Aktienindex Dax – mit überraschenden, aber eigentlich längst überfälligen Ergebnissen. So schwindet bei immer mehr Privatanlegern die typisch deutsche Scheu vor Aktien.

Erfreuliche Signale: Immer mehr private Haushalte entdecken die deutsche Aktienkultur für sich. Reuters

Deutsche Aktienmuffel?

Erfreuliche Signale: Immer mehr private Haushalte entdecken die deutsche Aktienkultur für sich.

Die Deutschen gelten als Aktienmuffel, ein viel strapaziertes Klischee, an dem dennoch etwas dran ist. Ermutigend stimmt es daher, dass die deutschen Anleger aktiver werden. So ist der Anteil der privaten Haushalte am Aktienindex Dax um zwei Prozentpunkte auf 16,1 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Studie des Informationsdienstleisters Ipreo und des Deutschen Investor Relations Verbands DIRK, dem Sprachrohr der Kapitalmarktprofis.

Der DIRK und Ipreo haben den Aktienindex mit den 30 wichtigsten und größten deutschen Börsenunternehmen durchleuchtet und die Entwicklung in 2016 mit dem Vorjahr verglichen. Die Studie wird anlässlich des diesjährigen DIRK-Kongresses in Frankfurt vorgestellt. Zu diesem Anlass verleiht der DIRK gemeinsam mit der WirtschaftsWoche und dem Kapitalmarktdienstleister WeConvene Extel auch einen Preis für die besten IR-Experten nicht nur aus den Unternehmen des Dax, sondern auch aus dessen Schwesterindizes MDax, TecDax und SDax.

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

Laut der ausgewerteten Daten ist am deutschen Kapitalmarkt einiges in Bewegung geraten. Die Gründe dieser Dynamik liegen in den durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aufgeheizten Börsenkursen aber auch in Schocks wie dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, den Sorgen über die Konjunktur Chinas oder der Wahl des Populisten Donald Trump zum US-Präsidenten.

In Zeiten mit so vielen unerwarteten und einschneidenden Ereignissen wird mehr und öfter gehandelt als sonst. Das Handelsvolumen im Dax legte im Tagesdurchschnitt auf 96,3 Millionen Aktien zu – ein Anstieg um zwei Millionen Stück oder zwei Prozent.

Der steigende Anteil privater Haushalte ist als positives Signal für die nach wie vor entwicklungsbedürftige deutsche Aktienkultur zu sehen. Vielleicht wirkt sich das auch auf die Kommunikationsstrategie der Investor-Relations-Abteilungen in den Konzernen aus. „Privataktionäre handeln häufig langfristig und sind als treue Aktionäre bei den Unternehmen beliebt und wichtig“, sagt DIRK-Geschäftsführer Kay Bommer. Privatanleger müssen jedoch anders angesprochen werden als die Kapitalmarktprofis und institutionellen Investoren, die bei den meisten Großunternehmen immer noch Hauptzielgruppe der Kapitalmarktkommunikation sind. „Moderne Privataktionäre wollen mehr als heiße Würstchen auf der Hauptversammlung, sondern fordern zu Recht für sie verständliche Informationen über das Unternehmen“, sagt Bommer.

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