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03.05.2016

14:29 Uhr

Deutsche-Bank-App

Spielerisch zum Börsenprofi?

VonKatharina Schneider

Das klingt ungewöhnlich: Mit einem iPad-Spiel sollen aus Laien Anlageexperten werden – auf intuitive Weise und ohne lange Erklärungen. Ein Selbstversuch zeigt, ob Simvestor, wie sich das Spiel nennt, funktioniert.

Screenshot des Börsenspiels der Deutschen Bank. Deutsche Bank AG

SimVestor

Screenshot des Börsenspiels der Deutschen Bank.

FrankfurtEin Börsenspiel, bei dem unerfahrene Privatleute in Einzelaktien investieren? Haben Kleinanleger nicht schon genug Geld verloren, wenn sie auf einzelne Unternehmen getippt haben? Man denke nur an den Verlust und das Trauma, das viele durch die Telekom-Aktie erlitten haben. Und nun gibt die Deutsche Bank Simvestor heraus, eine Börsen-App für das iPad.

„Es ist kein Zockerspiel, bei dem möglichst hohe Renditen erzielt werden sollen“, sagt Jürgen von der Lehr, Leiter von Maxblue, der Online-Investment-Plattform der Deutschen Bank und zuständig für Digital Innovation. „Es geht darum, Börseneinsteigern die Mechanismen des Kapitalmarktes und die Bedeutung einer Diversifikation im Portfolio zu vermitteln.“ Die Idee kommt zur rechten Zeit, denn in Punkto Geldanlage stecken viele Deutsche in einem Dilemma: Ihre heiß geliebten, einfach zu verstehenden und vergleichsweise risikoarmen Zinsprodukte werfen kaum noch Rendite ab. Doch vor anderen Formen des Investierens, vor allem dem Börsenhandel, schrecken viele zurück – zu kompliziert und zu riskant.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Hilft Simvestor da tatsächlich weiter? Zeit für einen Selbstversuch. Die App ist installiert und ich bin sofort mitten im Geschehen. Statt eine lange Spielanleitung durchlesen zu müssen, werde ich Schritt für Schritt durch die Funktionen geführt. Auf einer Übersichtsseite gibt es links eine Spalte mit Nachrichten: „InterChem AG kann trotz Absatzplus Gewinn nicht steigern“, „Leitzins soll weiter auf dem aktuellen Niveau verharren“ oder „Dollar stärker, Euro sinkt, Exportwerte beflügelt“. Die Meldungen könnten auch in einer Zeitung stehen, doch laut von der Lehr handelt es sich um eine „simulierte Umgebung, erfundene Unternehmen und ausgedachte Kursverläufe, die auf realen Marktszenarien aufbauen“.

Im rechten Bildbereich sehe ich einen großen Kurs-Chart, einige Aktien zur Auswahl, meinen Kontostand, der anfangs 10.000 Euro beträgt, einen Button, über den ich zu meiner Depotübersicht gelange und einen, der zur „Traderpedia“ führt, dem Nachschlagewerk, in dem Begriffe wie Dividende oder ETF erklärt werden. Und dann ist da noch ein Feld, mit dem ich die Simulation starten kann. Einmal berührt, ziehen die Tage und Wochen dahin: Der Verlauf des Aktienkurses wird simuliert und es werden immer neue Nachrichten eingeblendet.

Finanzbildung: Auf die Eltern kommt es an

Finanzbildung

Auf die Eltern kommt es an

Eine Studie des DIW belegt, was viele schon ahnten: Um die finanzielle Bildung zu fördern, ist nicht nur die Schule gefragt. Wichtig ist auch, dass die Eltern ihren Kindern zeigen, wie Sparen funktioniert.

Schnell lerne ich, wie ich Aktien kaufen kann, dabei gebe ich nicht nur die Stückzahl an, sondern auch mein Gewinnziel. Das gibt es im echten Online-Depot nicht. Doch für von der Lehr ist das Teil des Lernprozesses: „Die meisten Fehlinvestitionen tätigen Anleger, weil sie kein Ziel definieren, das sie mit dem Kauf eines Wertpapiers erreichen wollen.“ Nach der kurzen Einführung startet meine erste Mission: „Kaufe und verkaufe Aktien“ – und ich bekomme den Hinweis, dass ich nie alles auf eine Karte setzen sollte. Anfangs kann ich nur sechs Aktien handeln, mit steigender Erfahrung und dem Erklimmen höherer Spielstufen werden es mehr. Ich lese die Unternehmensbeschreibung und kaufe. Habe ich mein Gewinnziel erreicht, verkaufe ich.

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