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25.07.2011

16:32 Uhr

Deutsche Firmen

Trend zu Börsennotiz in Shanghai

Laut Branchenkreisen spielen viele deutsche Konzerne mit dem Gedanken eines Börsen-Listings in Asien. Doch offiziell hält man sich bedeckt. Die Frage scheint zu sein: Wer traut sich als Erstes?

Prada-Chef Patrizio Bertelli bei der Zeremonie zum Prada-Listing an der Hong Konger Börse im Juni. Viele europäische- und auch deutsche Unternehmen - könnten seinem Vorbild folgen. Quelle: dapd

Prada-Chef Patrizio Bertelli bei der Zeremonie zum Prada-Listing an der Hong Konger Börse im Juni. Viele europäische- und auch deutsche Unternehmen - könnten seinem Vorbild folgen.

Frankfurt Mit stolzgeschwellter Brust hatten die Chefs von Allianz, Bayer oder Siemens reihum die altehrwürdige Glocke zur Eröffnung des Börsenhandels an der Wall Street geläutet. Doch bis auf SAP fand keine deutsche Firma, die in der Welle von Zweitnotierungen um die Jahrtausendwende an die New Yorker Börse gegangen war, dort ihr Glück. Zwischen 2007 und 2009 zogen sich die meisten still und leise wieder von der Nyse zurück, als die US-Regierung nach den Skandalen bei Enron und WorldCom mit dem Sarbanes Oxley Act den „Bilanzeid“ einführte. Nun richtet sich der Blick nach Osten: Banker und Anwälte arbeiten fieberhaft daran, deutsche Unternehmen in China an die Börse zu bringen. 

„Listings in Asien sind bei europäischen Unternehmen gerade in Mode. Das zeigen die Notierungen von Glencore und von Prada“, sagte Herbert Harrer, auf Kapitalmarktrecht spezialisierter Partner der Wirtschafts-Kanzlei Linklaters, der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. „Auch für deutsche Unternehmen kann insbesondere eine Zweitnotiz in Hongkong oder Shanghai interessant sein.“ Mehrere Investmentbanker, die nicht genannt werden wollten, betonten, es gebe viele konkrete Projekte mit deutschen Großkonzernen. Schon in den nächsten zwölf Monaten könne es so weit sein. „Eine Zweitnotiz in Shanghai ist gerade für deutsche Firmen mit starker operativer Präsenz in China sehr attraktiv“, sagte Christian Zorn, der mit Johannes Gröller das Investmentbankgeschäft von Morgan Stanley in Deutschland leitet. „Ein wesentlicher Grund für einen solchen Schritt ist es, direkten Zugang zu chinesischen Investoren zu bekommen und damit ein Stück weit als heimisch angesehen zu werden“, ergänzte Gröller. 

90 Millionen neue Anleger

Große Firmen, aber auch spezialisierte Unternehmen, die in China bereits produzieren oder verkaufen, versprechen sich davon größere Aufmerksamkeit. Sie könnten dann ihre Aktien einsetzen, um damit Firmen in China zu kaufen. Vor allem hoffen sie aber auf neue Käufergruppen für ihre Wertpapiere. Ein Vorteil für Shanghai: Tummeln sich in Hongkong die gleichen internationalen Investoren wie überall, handeln in Shanghai vor allem die mehr als 90 Millionen überwiegend privaten einheimischen Anleger, die börsennotierte ausländische Unternehmen bislang kaum erreichen. Einer Bankenstudie zufolge sind die Bewertungen in Shanghai höher als in Hongkong. Noch ist ein Listing ausländischer Firmen in der chinesischen Wirtschaftsmetropole nicht erlaubt, doch spätestens im nächsten Jahr hoffen Banker auf die Freigabe. 

Der Sportartikelkonzern Adidas wird immer wieder von Insidern ins Gespräch gebracht, wenn es um Kandidaten für Shanghai geht. Doch eine Sprecherin betont, man habe dafür keine Pläne. Auch die Autohersteller Volkswagen und Daimler dementieren. In Stuttgart ist man froh, dass die Berichterstattung nach dem Rückzug aus New York einfacher geworden ist. 

Kommentare (1)

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trust

29.07.2011, 13:00 Uhr

Zitat "Zwischen 2007 und 2009 zogen sich die meisten still und leise wieder von der Nyse zurück, als die US-Regierung nach den Skandalen bei Enron und WorldCom mit dem Sarbanes Oxley Act den „Bilanzeid“ einführte. "

- Nicht gerade vertrauenerweckend, wenn man weiß was hinter dem arbanes Oxley Act.

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