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13.08.2015

06:21 Uhr

Deutscher Aktienindex

Warum dem Dax schneller die Puste ausgeht

VonJulia Rotenberger

Die Abwertung des chinesischen Yuan hat den Börsen europaweit deutlich zugesetzt. Doch kaum ein Index litt so stark darunter wie das wichtigste deutsche Börsenbarometer – der Dax. Und das hat folgende Gründe.

Der Dax ist außer Atem.

Dax

Der Dax ist außer Atem.

DüsseldorfEin Beben hat Europas Börsen zugesetzt: Die chinesische Zentralbank hat am Dienstag überraschend die Landeswährung Yuan um knapp zwei Prozent abgewertet. Am Mittwoch setzte sie den Yuan-Kurs noch einmal um 1,6 Prozent tiefer fest, am Donnerstag um weitere 1,1 Prozent. Ziel der Eingriffe: Durch die schwächere Währung sollen die chinesischen Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger werden und mehr Güter in die Welt exportieren.

Zwar gab die chinesische Zentralbank jetzt bekannt, dass die Anpassungen „im Wesentlichen beendet“ seien. Dennoch reagierten die Börsen weltweit am gestrigen Mittwoch allergisch auf die jüngsten Regulierungen. Sie reihen sich ein in Staatseingriffe am chinesischen Aktienmarkt im Juli dieses Jahres sowie im Bankensektor.

In Europa hat es den Dax so stark wie keinen anderen großen Index erwischt. Am Mittwoch verlor das Konjunkturbarometer bis zu 3,5 Prozent und notierte zwischenzeitlich auf dem Tiefstand von 10.892 Punkten und schloss bei 10.924 Punkten. Bereits am Vortag hatte der Index ähnlich stark verloren.

Yuan vs. Renminbi: Das Einmaleins zu Chinas Währungen

Yuan vs. Renminbi

Das Einmaleins zu Chinas Währungen

Die chinesische Notenbank hat mit ihrem Eingriff die Währung auf ein Vierjahrestief gedrückt. Doch sprechen wir vom Yuan, oder doch vom Renminbi? Und was steckt überhaupt hinter dem Eingriff in die Devisenwelt?

Doch warum leidet ausgerechnet der deutsche Leitindex so stark unter den Turbulenzen aus Fernost? Im Vergleich zum Mittwoch der Vorwoche verlor der Dax immerhin 5,7 Prozent. Der französische Leitindex Cac 40, der die wichtigsten an der Pariser Börse gehandelten Werte zusammenfasst, büßte im gleichen Zeitraum 5,0 Prozent ein.

Der Eurostoxx 50 mit den größten europäischen Konzernen gab 5,1 Prozent nach. Der britische FTSE 100 – umgangssprachlich auch „Footsie” genannt – rutschte nur um 3,0 Prozent nach unten. Auch die Tagesverluste hielten sich beim Footsie in Grenzen. Der britische Index gab am Mittwoch halb so viel nach wie der Dax.

Die Verlierer der Weltwirtschaft

Großbritannien

2014: 2,435 ; 2030: 3,586 ; 2050: 5,744 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Zwar wird Großbritannien auch 2030 noch im Ranking der Top-Volkswirtschaften mit Platz zehn in der Top Ten sein. Doch 2050 sieht das anders aus: Rang elf.

Italien

2014: 2,066 ; 2030: 2,591 ; 2050: 3,617 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Italien wird in 35 Jahren auf Rang 18 zurückfallen. Die Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert.

Frankreich

2014: 2,587; 2030: 3,418; 2050: 5,207 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Frankreich kommt schafft es bereits 2030 auf Rang elf und rutscht bis 2050 auf Platz 13.

Russland

2014: 3,559 ; 2030: 4,854 ; 2050: 7,575 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Russland wird bis 2050 auf Platz acht verdrängt.

Deutschland

2014: 3,621 ; 2030: 4,590 ; 2050: 6,338 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Drei europäische Staaten gehören derzeit zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 2050 wird nur noch die Bundesrepublik in den Top Ten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten vertreten sein. Deutschland wird bereits 2030 auf Rang acht zurückfallen.

Japan

2014: 4,788 ; 2030: 6,006 ; 2050: 7,914 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Während Japan auch 2030 den vierten Platz verteidigt, wird das Land bis 2050 drei Ränge abrutschen und auf Rang sieben landen.

USA

2014: 17,416 ; 2030: 25,451 ; 2050: 41,384 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Auch wenn die USA 2020 den zweiten Platz noch verteidigen können, werden sie 2050 von Indien auf Platz drei verdrängt. Dann wird drittstärkste Volkswirtschaft USA fast zweieinhalbmal so groß sein wie Indonesien (2050: Rang vier).

Ein Grund für die schwache Dax-Performance ist in der Mathematik zu suchen. Die 30 Dax-Werte gehen zu unterschiedlichen Anteilen in den Index ein. Und mit 19,2 Prozent machen Automobilwerte einen Löwenanteil aus. Allein die Aktien von Daimler decken 9,3 Prozent des Index ab und sind – nach dem Chemiekonzern Bayer – zweitschwerster Dax-Wert.

BMW und Volkswagen sind jeweils mit einem Anteil von 3,5 und 3,7 Prozent vertreten. Und gerade Automobilwerte gerieten in den vergangenen Tagen massiv unter Verkaufsdruck: Die Abwertung des Yuan weckt die Sorge vor einer chinesischen Wachstumsschwäche und einem weiteren Abflauen des Auto-Booms in China. Anleger fürchten daher um Gewinne in der wichtigen Branche.

Kommentare (6)

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Herr Peter Noack

13.08.2015, 07:35 Uhr

Kommen jetzt wieder die zu Wort, die ALLES SCHON IMMER BESSER GEWUSST HABEN?

Herr wulff baer

13.08.2015, 08:13 Uhr

Schöne konstruierte Erklärungen, warum die Mogelpackung DAX (Zitat Mr.Dax) mehr als andere darunter leidet, wenn sich der Chinese mal an seiner Währung zu schaffen macht.
In Deutschland haben wir ja auch den fabelhaften Falschgelddrucker, der ähnlich erfolglos wie Grünspan riesige Mengen Fiat-Geld in den Markt pumpt und damit die Akltien- und Vermögensgüterblase erzeugt hat - genau wie Grünspan.

Account gelöscht!

13.08.2015, 09:45 Uhr

NEIN, denn DEIN Kommentar zu diesem Daxartikel reicht uns schon !

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