Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.08.2013

11:51 Uhr

Devisen und Aktien unter Druck

Investoren fliehen aus den Schwellenländern

Anleger ziehen massiv Geld aus den aufstrebenden asiatischen Staaten ab. Die Furcht vor dem Ende der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed löst eine wahre Kapitalflucht aus. Welche Länder besonders betroffen sind.

Mehr Klarheit bitte, Ben Bernanke

Video: Mehr Klarheit bitte, Ben Bernanke

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Düsseldorf / Neu Delhi / TokioDas Ende des billigen Zentralbankgeldes rückt langsam näher – und wirft große Schatten auf Asien. Fast schon panikartig ziehen Investoren derzeit dort ihr Geld ab. Auch wenn das jetzt veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Fed mehr Rätsel aufgibt, als es Fragen über das Wann und Wie des Ausstiegs aus der Politik des billigen Geldes beantwortet, ist die Angst groß.

Denn die Aussicht auf eine Rücknahme der quantitativen Lockerung in den USA dämpft die Nachfrage nach Anlagen in Schwellenländern. „Das Auge des Sturms liegt direkt über den Märkten der Schwellenländer, zwei Jahre nach Europa und vier Jahre nach den USA“, sagt Stephen Jen, Mitbegründer des Hedgefonds SLJ Macro Partners in London und ehemals leitender Devisenstratege bei Morgan Stanley. „Für Asien könnte es ernst werden.“

Brics - die wichtigsten Fakten

Wirtschaftsmacht

Die fünf führenden Schwellenländer, das sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

Bevölkerung

43 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

Währungsreserven

Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

Handel

Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

Wohlstandsgefälle

Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Investoren fürchten, dass die US-Notenbank Fed schon im September das Tempo ihrer Staatsanleihenkäufe drosseln könnte und damit weniger als bisher die Konjunktur stützt. Das aus den Schwellenländern abgezogene Geld setzt die dortigen Währungen massiv unter Druck.

Indien und Indonesien leiden schon jetzt unter dem erwarteten Schwenk in der Geldpolitik. Malaysia, Thailand und die Philippinen gelten als gefährdet. „Der Rückenwind, den Asien in den vergangenen fünf bis zehn Jahren verspürt hat, verliert an Kraft und wird in manchen Fällen sogar zum Gegenwind“, sagt Andrew Swan vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Denn nun rächt sich, dass Länder wie Indien oder China die Jahre mit hohen Wachstumsraten nicht für dringend nötige Strukturreformen genutzt haben.

Mark Mobius: Das Erfolgsgeheimnis eines Altmeisters

Mark Mobius

Das Erfolgsgeheimnis eines Altmeisters

In seinem neuen Buch schreibt er über Chancen und Risiken.

„Einige asiatische Staaten, insbesondere Indien, haben ihre eigenen beträchtlichen Herausforderungen im Inland“, sagt Jim O'Neill, der ehemalige Ökonom von Goldman Sachs, der2011 die Abkürzung Bric prägte, um Brasilien, Russland, Indien und China zu beschreiben. „Aber China schwächt sich in erster Linie nur ab, um das Wachstumsmodell zu verbessern, und ein Jahreswachstum von sieben bis zu 7,5 Prozent liefert noch immer ein nominales Bruttoinlandsprodukt von einer Billion Dollar“, fügt er an. „Und in Japan, der Nummer zwei unter den asiatischen Volkswirtschaften, sieht die Lage besser als seit langem aus.“

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

aktionar

22.08.2013, 12:03 Uhr

Irgendwie bekomme ich langsam den Eindruck, dass es weltweit echt kriselt. Überall greifen die Notenbanken z.T. massiv in die abläufe der Volkswirtschaften ein und meinen, sie können ALLE normalen Regulatoren außer Kraft setzen.


Trotzdem, in langsamen Schritten geht es gerade in Richtung Süden. Meine shorts zeigen endlich mal grüne Vorzeichen.


yoski

22.08.2013, 12:28 Uhr

"„Und in Japan, der Nummer zweiunter den asiatischen Volkswirtschaften, sieht die Lage besser als seit langem aus.“
Klar, je hoeher der Schuldenberg je besser die Lage.

Account gelöscht!

22.08.2013, 12:58 Uhr

Eben, das habe ich auch nicht verstanden im Artikel. Japan ist angeblich das hoechstverschuldete Land der Welt und hier geht es besser? Unverstaendlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×