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12.11.2015

06:19 Uhr

Die Börse und die Fed

„Die Zinserhöhung ist ein positives Signal“

VonJessica Schwarzer

Der Dax notiert wieder nahe der Marke von 11.000 Punkten. Daran ändern weder VW-Skandal noch Sorgen um Chinas Konjunktur etwas. Und die bevorstehende US-Zinswende könnte Experten zufolge sogar gut für Aktien sein.

In den USA steht die erste Zinserhöhung seit Jahren an. dpa

US-Notenbank

In den USA steht die erste Zinserhöhung seit Jahren an.

Die Zinswende in den USA ist beschlossene Sache. Im Dezember wird es wohl soweit sein und die US-Notenbank wird erstmals seit Jahren die Zinsen anheben. Große Sorgen machen sich Frank Hübner und Lars Edler von Sal. Oppenheim nicht. Volkswirt Hübner kann die Zinswende kaum erwarten und Anlagestratege Edler glaubt nicht, dass es zu größeren Turbulenzen an den Märkten kommen wird. Doch die Zinswende ist längst nicht das einzige Thema, dass die Börse derzeit bewegt.

Der VW-Skandal spitzt sich immer weiter zu, die Aktie ist weiter unter Druck. Haben Sie noch VW-Aktien in den Depots?
Lars Edler: Wir haben direkt am ersten Tag nach Bekanntwerden des Skandals reagiert und die Aktie verkauft. Damit haben wir weitere Verluste vermieden. Die VW-Aktie ist ja am ersten Tag von etwa 160 auf 125 Euro abgestürzt und am zweiten Tag ging es dann noch mal auf 105 runter.

Aktuell notiert sie sogar unter 100 Euro. Sind das Kaufkurse?
Edler: Zeitweise war die Aktie sogar bei 86 Euro. Doch mit einem Kauf wäre ich vorsichtig, niemand weiß was noch kommt. Das zeigt ja auch die Nachrichtenlage der vergangenen Tage.

Wie groß ist der Imageschaden, und vor allem der wirtschaftliche Schaden für die gesamte Branche?
Edler: Einen Imageschaden für die Branche oder gar die deutsche Wirtschaft auszumachen, damit tue ich mich schwer. Als BP damals den Golf von Mexiko verseucht hat, hat es vier Monate gedauert, bis der Aktienkurs wieder auf dem Niveau von vor der Katastrophe war. Das sind natürlich dramatische Themen, die ein extremes Risiko für Einzeltitel enthalten, aber ich würde nicht gleich die gesamte deutsche Industrie abschreiben, weil VW einen Abgasskandal produziert hat.

Fragen und Antworten zur US-Geldpolitik

Warum zögert die Fed solange mit einer Anhebung der Leitzinsen?

In der Tat sind viele Ökonomen der Auffassung, das ein Zinsschritt der US-Notenbank längst fällig ist. Zentralbank-Chefin Janet Yellen hatte angekündigt, noch 2016 den Weg zu einer Normalisierung einschlagen zu wollen. Dann kam die Krise an den Aktienmärkten Chinas dazwischen, viele andere Schwellenländer schwächeln ebenfalls. Auch in den USA mehren sich die Anzeichen, dass der Aufschwung nicht mehr selbsttragend sein könnte und weiter Stimulanz aus der Geldpolitik braucht, wie etwa der Ökonom Gerald O'Discroll vom Cato-Institut schreibt.

Wer wären die Verlierer einer Zinswende in den USA?

Am meisten dürften hochverschuldete Schwellenländer wie Brasilien oder auch die Türkei darunter leiden. Sowohl die Staaten, als auch private Unternehmen haben ihre Schulden in US-Dollar aufgenommen. Eine Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten würde den Dollar im Vergleich zu anderen Währungen weiter stärken, die Schuldenlast in Relation zur Landeswährung stiege automatisch. Einfuhren, die oft in US-Dollar gehandelt werden, würden teurer. Außerdem würden Investoren ihr Kapital tendenziell wieder eher in den USA anlegen, weil dort die Zinsen steigen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds mahnen aus Sorge um Schwellenländer deshalb zur Vorsicht.

Warum muss die Fed überhaupt einen Zinsschritt ins Auge fassen?

Die Notenbank hat ihre Zinsen zum letzten Mal 2006 erhöht. Im Herbst 2008 senkte sie die Zinsen auf praktisch Null und ließ sie seitdem dort. Zusätzlich wurden Billionen Dollar als zusätzliche Stimulanz über die sogenannte Quantitative Lockerung in die Märkte gepumpt - de facto ein Gelddrucken der Zentralbank. Dieser ungeheuren Geldschwemme müssen die Währungswächter irgendwann wieder Einhalt gebieten. Ansonsten droht auf Dauer eine Geldentwertung. Zudem steigt durch allzu billiges Geld die Gefahr von ungewollten Effekten wie etwa Preisblasen auf dem Immobilienmarkt.

Wann hat die US-Notenbank erneut die Chance zu einer Anhebung?

Die nächsten Sitzungen des für den Leitzins zuständigen Offenmarktausschusses sind im Dezember 2015 und dann wieder im März 2016. Experten in den USA gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen in kleinen Schritten anheben wird, beginnend mit einer Steigerung um 0,25 Prozentpunkte. Dies hätte zunächst mehr Signal- als tatsächliche Wirkung und man könnte die Auswirkungen rund um den Globus zunächst einmal ganz vorsichtig ausbalancieren.

Was bedeutet eine Zinsanhebung für Deutschland?

Die Zinsen in Deutschland bleiben zunächst unangetastet. Die Europäische Geldpolitik hinkt zeitlich rund zweieinhalb Jahre hinter der US-amerikanischen her. Die Europäische Zentralbank hat ihre Politik gerade erst gelockert und pumpt monatlich bis zu 60 Milliarden Euro frisches Geld in die Märkte. Allerdings dürfte im Falle einer Anhebung in den US der Euro im Vergleich zum Dollar noch schwächer werden, könnte sogar unter die Paritätsgrenze fallen. Dies würde die Ausfuhren im Exportland Deutschland weiter verbilligen und exportierenden Unternehmen Vorteile bringen. Importe in US-Dollar würden dagegen teurer.

Frank Hübner: Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Wirtschaft stark von der Industrie abhängt. Und sie ist zu einem ordentlichen Prozentsatz direkt und auch indirekt vom Automobilbau abhängig. Doch kein Analyst oder Volkswirt der Welt kann den Schaden durch den VW-Skandal im Moment seriös abschätzen. Wir haben den unmittelbaren VW-Effekt grob taxiert. Da kommen wir auf Größenordnungen, die maximal ein Viertelprozent des BIP ausmachen. Das war allerdings unmittelbar nach den ersten Meldungen über den Skandal. Weitet sich der Skandal aus, ist der Schaden entsprechend größer.

Bisher sieht es aber nicht so aus?
Hübner: Nein, das war auch am letzten Ifo-Index abzulesen. Ich hätte eine Bremsspur erwartet – wegen der Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum, aber eben auch wegen des VW-Skandals und seinen Auswirkungen. Beides hat man im Ifo-Index nicht wiedergefunden. Insofern müssen wir abwarten, wie sich alles weiter entwickelt. Aber ich würde jetzt keine Industriekrise in Deutschland ausrufen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.11.2015, 11:53 Uhr

CHN ist doch für den professionellen Investor schon wieder Schnee von vorgestern. Und VW lediglich ein singuläres Ereignis. Dagegen stehen die Anlagebücher (also die Bücher, wo die großen Jungs mit den dicken Eiern die strategisch-taktischen Nostro-Positionen parken) im saisonalen Jahresendrallyzeit-Modus (Oktober und November, bis zum kleinen Verfall).

Und da im Dezember die meisten institutionellen Bücher sowieso geschlossen sind (da wird sich eher auf den auf den Skipisten und in den Chalets der Alpen getummelt), wurde und wird der FED-Hike jetzt eben eskomptiert. Fertig.

Doro Mann

12.11.2015, 12:38 Uhr

Was sich viel mehr erhöhen wird.
a) Normalerweise schickt man ausgebüxte Jugendliche wieder zurück zu ihrer Familie und holt nicht deren Familie (incl. Oma, Opa und Tanten) nach ins Land, zumal diese Jugendlichen ja noch minderjährig sind und gar nicht selbst entscheiden dürfen.
b) Wie will Deutschland denn nachprüfen, ob ein 16-Jähriger tatsächlich schon zwei Ehefrauen und drei Kinder hat, die er als Asylant nach Deutschland nachholen will.

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